Hausputz bei Familie Vogel

HAUPTWIL. Während der Wintermonate reinigen rund zehn Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Aach-Sitter-Thur in der Region Bischofszell über 1000 Vogelnistkästen. Weitere helfende Hände sind herzlich willkommen.

Monika Wick
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Bei Milbenbefall wird der Nistkasten mit Feuer gereinigt. (Bild: Monika Wick)

Bei Milbenbefall wird der Nistkasten mit Feuer gereinigt. (Bild: Monika Wick)

Das wichtigste Arbeitsgerät von Thomas Rohrer ist eine Leiter. Ohne sie käme er gar nicht an die rund 75 Nistkästen heran, die rund um die fünf Hauptwiler Weiher an den Bäumen hängen. Während der Wintermonate reinigt der 43-Jährige im Alleingang die aus Beton oder Holz gefertigten Behausungen und macht sie bezugsbereit für Vögel, die im Frühling hier in der Weiherlandschaft ihre Jungen aufziehen wollen.

Zufällig zur Aufgabe gekommen

Zu seiner Aufgabe, die er neben seinem Beruf als Lokomotivführer ausführt, kam Thomas Rohrer eher zufällig. Vor elf Jahren sei er mit seiner Frau und den zwei Kindern nach Hauptwil gezogen, erzählt er und fügt an: «Da sind mir während unserer Spaziergänge viele verlotterte Nistkästen aufgefallen.» Das tat ihm, der schon früher oft mit seinem Vater in der Natur unterwegs war, im Herzen weh. Kurzerhand entschloss er sich, sich auf die Suche nach der zuständigen Person zu machen.

Ein paar Telefonate später hatte er Christoph Stäheli, den Vogelschutzobmann des Natur- und Vogelschutzvereins Aach-Sitter-Thur (AST) am Draht. «Er versprach mir, einmal eine Leiter vorbeizubringen. Nur zwei Stunden später stand er schon vor meiner Haustüre», verrät Thomas Rohrer lachend. Seither kümmert er sich, bewaffnet mit Kratzer, Hammer oder Zange sowie einer alten Zeitung, um den Erhalt und die Pflege der Nistkästen. Nachdem er den Kasten vom Baum geholt hat, öffnet er ihn sorgsam. «Manchmal nutzen Siebenschläfer oder Fledermäuse die Kästen als Winterquartier. Wäre das so, würde ich ihn nicht ausräumen», stellt er klar.

Die Nester sind verschieden

Kaum ist ein Kasten geöffnet, kann Thomas Rohrer erklären, ob der Kasten Meisen, Spatzen, Kleiber oder den seltenen Trauerschnäpper beherbergt hat. Die Nester sind so verschieden wie die Vögel selber. Für deren Bau verwenden sie je nach Art Schilf, Blätter, Moos, Entenfedern oder menschliche Haare. «Hier wollte einmal ein Specht rein», sagt Thomas Rohrer mit Kennerblick und deutet auf ein Einflugloch, das offensichtlich mit Schnabelschlägen vergrössert wurde. Oftmals ist es auch so, dass der Naturfreund Faulbruten ausräumen oder, falls ein Milbenbefall vorliegt, den Kasten ausbrennen muss. Auffallend ist, dass sämtliche Kästen Richtung Osten aufgehängt sind. «Auf diese Weise werden sie von der Morgensonne gewärmt und sind vor dem Wetter geschützt», stellt Thomas Rohrer fest. Zu seinem Amt gehört auch etwas Schreibarbeit. «Für den Thurgauer Vogelschutzverein führen wir eine Statistik über das Vorgefundene», erklärt Thomas Rohrer.

Ausserdem müsse er, nachdem er vom Forstamt über notwendige Rodungen informiert worden ist, ausrücken, um Nistkästen zu entfernen.

Über 1000 Nistkästen

Neben Thomas Rohrer kümmern sich rund zehn weitere Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins AST um die über 1000 Vogelnistkästen in den Gemeinden Bischofszell, Erlen, Hauptwil-Gottshaus, Hohentannen, Kradolf-Schönenberg und Zihlschlacht-Sitterdorf (Hudelmoos).