«Hatte die Männer nie im Griff»

Mit Beatrice Tschanz konnte Talkmaster Wolf Buchinger erneut einen spannenden Gast im Schloss Hagenwil begrüssen. Die ehemalige Kommunikationschefin der Swissair nahm denn auch in «Wolfsmenschen» kein Blatt vor den Mund.

Manuel Nagel
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Beatrice Tschanz muss herzhaft lachen, als Wolf Buchinger ihr ein Bild aus ihrer Kindheit zeigt und sie als «herziges Meitli» bezeichnet. (Bild: Manuel Nagel)

Beatrice Tschanz muss herzhaft lachen, als Wolf Buchinger ihr ein Bild aus ihrer Kindheit zeigt und sie als «herziges Meitli» bezeichnet. (Bild: Manuel Nagel)

Der Mostkeller im Schloss Hagenwil ist bis auf den letzten Platz gefüllt; wie immer, wenn Wolf Buchinger zur Talkrunde mit einem prominenten Gast aus Politik, Medien, Wirtschaft oder Kultur lädt.

Rund 70 Personen sind gekommen, um Beatrice Tschanz zu sehen und zu hören.

Für viele «Madame Swissair»

Keine Frage, für die Mehrheit der Schweizer wird Tschanz nach wie vor mit Swissair gleichgesetzt. Es war der 2.

September 1998, als die Maschine des Swissair-Flugs 111 bei Halifax abstürzte und 229 Menschen ihr Leben verloren.

Beatrice Tschanz fasste damals als Kommunikationschefin der SAirGroup die schwierige Aufgabe, die Katastrophe zu kommentieren. Und die heute 65-Jährige tat dies so gut und überzeugend, dass dies auch heute noch nachwirkt.

«Es ist nun über zehn Jahre her, aber es vergeht wohl kein Tag, an welchem ich nicht mindestens dreimal auf die Swissair angesprochen werde», verrät Tschanz. Dennoch hält sie fest, dass damals bei diesem Flugzeugabsturz viele Menschen eine weit schwierigere Aufgabe zu erfüllen hatten als sie. Sie habe man einfach am Fernsehen gesehen. «Ich habe lediglich meinen Job gut gemacht, aber was beispielsweise das Care-Team damals geleistet hat, das verdient grössten Respekt.»

Leuenberger «unberatbar»

Frau Tschanz sei hingestanden, wenn die Männer die schlechten Meldungen nicht kommentieren wollten. So hat Roland Gutjahr, der Produzent von «Wolfsmenschen», Beatrice Tschanz vor Beginn der Sendung angekündigt. Wolf Buchinger doppelt in der Anmoderation nach und stellt sie als eine Frau vor, welche die Männer im Griff habe. «Ich hatte die Männer nie im Griff», relativiert Tschanz. «Aber ich musste mich mit ihnen auseinandersetzen.

» Einer dieser Männer war Moritz Leuenberger, den sie ebenfalls nicht in den Griff bekam.

Von Talkmaster Wolf Buchinger auf das kurze, aber gescheiterte Engagement beim Bundesrat angesprochen, meint sie: «Ich habe zu ihm gesagt, <Moritz, Du musst zu den Leuten hin und mit ihnen sprechen, auch wenn es halt mal unangenehm ist.> Es ist wichtig, dass man offen und transparent kommuniziert.

» Leuenberger sei jedoch in dieser Hinsicht «unberatbar», erzählt Tschanz und offenbart den Besuchern im Mostkeller auch noch ihr komödiantisches Talent, als sie den Bundesrat in dessen unverkennbarer hoher Stimmlage mit den Worten «Nei, ich wott nöd» nachmacht. Das Publikum quittiert diese humoristische Einlage mit Gelächter.

Schwarzes Schaf der Familie

Auch sonst sorgt Beatrice Tschanz für gute Stimmung an diesem Abend. Als Wolf Buchinger ein Porträt der kleinen Beatrice im Primarschulalter zeigt und von einem «herzigen Meitli» spricht, so widerspricht Tschanz ihrem Gastgeber heftigst. Sie sei ein absoluter Saugoof (siehe Wörtlich) und immer ein äusserst aktives Kind gewesen.

Ob sich das später auch auf den Beruf übertragen habe, will Buchinger von seinem Gast wissen. «Also der Saugoof schon nicht, aber dass ich immer aktiv war, das trifft zu», antwortet Tschanz schlagfertig und erntet prompt die nächsten Lacher.

Etwas gelassener im Alter

Wie das denn nun sei als Pensionärin, will Buchinger wissen. Sie sei noch immer sehr beschäftigt, aber man werde im Alter etwas gelassener, offenbart Beatrice Tschanz den Anwesenden und hat dazu auch gleich die nächste Anekdote parat.

Letzthin habe sie ein Bekannter auf dem Handy angerufen, ob sie denn seine E-Mail nicht gesehen hätte. Er hätte sie vor zehn Minuten abgeschickt. «Ich kann jetzt nicht, ich bin im Coop», habe sie geantwortet. So was nerve sie.

Nichts ersetzt Gespräch

«Wissen Sie», sagt Tschanz zu Buchinger, «ich verschliesse mich den neuen Kommunikationskanälen nicht.» Sie habe kein Profil auf Facebook, das sei nichts für sie, gibt sie unumwunden zu.

Tschanz findet diese Art von Networking zwar nicht negativ, schiebt jedoch hinterher: «Sie können im Internet surfen, auf Facebook sein und so weiter, aber nichts ersetzt ein menschliches Gespräch.» Ein Statement, welches dem Publikum aus dem Herzen zu sprechen scheint, und wofür Tschanz spontanen und warmen Applaus kassiert.

«Wolfsmenschen» mit Beatrice Tschanz wird am Sonntag, 28. März, um 18 Uhr auf TVO ausgestrahlt und stündlich wiederholt.

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