Hat die Angestellte Geheimnisse verraten?

Eine 38jährige Frau stand in Kreuzlingen wegen mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses vor Gericht. Sie soll Bekannten den Inhalt eines Abschiedsbriefs bei einem Suizid verraten haben.

Urs Brüschweiler
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Kreuzlingen. Acht Tage war die Frau in Untersuchungshaft gesessen. Der damaligen Angestellten einer Verwaltungsbehörde im Thurgau wird von der Staatsanwaltschaft des Kantons zur Last gelegt, sie habe mehrfach das Amtsgeheimnis verletzt.

Informationen herumerzählt

Der delikateste Fall ereignete sich 2008. Bei einem Suizid in Kreuzlingen wurde ein Abschiedsbrief aufgefunden.

Laut der Anklageschrift hatten vom Inhalt dieses Abschiedsbriefs lediglich die Untersuchungsrichterin und die Polizeibeamten, welche den Tatbestand aufnahmen, Kenntnis. Rund drei Monate später sei die Witwe des Verstorbenen bei der Kantonspolizei erschienen und habe sich beklagt, dass in Kreuzlingen Informationen über den Inhalt des Briefs herumerzählt würden.

Der Angeklagten wird nun vorgeworfen, sie hätte sich – mithin in amtlicher Stellung – bei der Kantonspolizei dieses Wissen missbräuchlich beschafft und anschliessend ihrem Ehemann und einer Kollegin weitererzählt.

Italiener und Gerüchte

Die Angeklagte und auch ihre Anwältin verlangten vollen Freispruch. Argumentiert wurde damit, dass ihr der Inhalt des Abschiedsbriefs zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht bekannt gewesen war. Einen Tag nach dem Suizid habe sich die Frau für vier Tage im Ausland aufgehalten.

Ausserdem hätten sich Informationen und Gerüchte über den Vorfall in Kreuzlingen wie ein Lauffeuer verbreitet. «Sie konnte ja nichts erzählt haben, was die andern nicht schon gewusst hätten. In den italienischen Kreisen geht ein Gerücht herum wie auf dem Marktplatz», so die Verteidigerin. Der Richter versuchte noch genauer herausfinden, wie sich die Situation bei der Tatbestandsaufnahme darstellte. Benötigt werden noch weitere Zeugenaussagen. Das Gericht will erst danach über die beantragte Geldstrafe entscheiden.