Hassprediger zerstören ihre Bemühungen um Integration

WEINFELDEN. «Erst die vielen verschiedenen Farben machen ihn schön.» Mit einem Blumenstrauss vergleicht Sadaqat Ahmad, Imam der Mahmud-Moschee in Zürich, die Vielfalt der Religionen.

Monika Wick
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WEINFELDEN. «Erst die vielen verschiedenen Farben machen ihn schön.» Mit einem Blumenstrauss vergleicht Sadaqat Ahmad, Imam der Mahmud-Moschee in Zürich, die Vielfalt der Religionen. Am Samstagabend hatten Vertreter der islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat zu einem Vortrags- und Informationsabend in den «Frohsinn» nach Weinfelden eingeladen, rund zwanzig Zuhörer lauschen den Ausführungen der Imame.

Nicht im Kirchgemeindehaus

Eine Minderheit der evangelischen Christen aus Weinfelden scheint seine Meinung nicht teilen zu können. «Telefonisch wurde uns mit Sitzstreik und Wegweisung gedroht, sollte der Vortrag von Imam Nabeel Ahmed wie angekündigt im evangelischen Kirchgemeindehaus stattfinden», bedauerte Kirchgemeindepräsident Helmut Wiegisser sichtlich erschüttert diese Reaktionen. Um weiteren Unannehmlichkeiten vorzubeugen, verlegten die Organisatoren den Anlass kurzerhand in den «Frohsinn». «Die derzeitige Lage in der Welt ist für viele Menschen ein Anlass zu Angst und Sorge. Auch jedem friedvollen Moslem, der seinen Glauben versteht, bereiten die Ereignisse verzweiflungsvollen Kummer», stellte Nabeel Ahmed, Imam der Nuur Moschee in Wigoltingen, zu Beginn seines Vortrages fest. Vehement distanziert er sich von Greueltaten, die von extremen Gruppierungen wie dem IS begangen werden. «Ihre brutalen und unmenschlichen Ideologien haben nichts mit der Religion zu tun», betonte er. Detailliert erläuterte Nabeel Ahmed die Unterschiede zwischen den militanten Bewegungen und den Ansichten der Islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat. Sie gehört mit 800 Mitgliedern und zwei Moscheen zu einer der grössten islamischen Gemeinden in der Schweiz. Ein Hauptanliegen der Gemeinde besteht darin, den Islam von von Menschen eingeführten Aberglauben und Irrtümern zu bereinigen. Vorurteilen gegenüber dem Islam möchten sie mit Informationen und Vorträgen entgegenwirken. «Leider ist es so, dass unsere zahlreichen Bemühungen um Kontakte und Aufklärung immer wieder durch ein Ereignis der Extremisten zerstört werden», bedauerte der Zürcher Imam Sadaqat Ahmad.

Integration der Jugend

Im Anschluss an den Vortrag stellte er sich den zahlreichen Fragen der rund zwanzig Besucher. Der Imam beantwortete wortgewandt und humorvoll Fragen zu Grabfeldern, Gebetsrufen, Kopftüchern, zum Schwimmunterricht oder zu der weiblichen Genitalverstümmelung. Einer seiner dringlichsten Wünsche ist die Integration junger Menschen. «Selbst wenn sie hervorragende Zeugnisse vorweisen können, werden ihnen oft Lehrstellen verwehrt. Diese Perspektivlosigkeit macht sie zu einer leichten Beute für Hassprediger und Extremisten.» In einem respektvollen Rahmen ging die Diskussion noch einige Zeit weiter.