Handwerk wäre eine Alternative

AMRISWIL. Um auch gute Sekundarschüler für eine Lehre statt weiterführende Schule gewinnen zu können, führt das Amriswiler Gewerbe zum zweitenmal eine Handwerkerwoche durch. Jugendliche wie Betriebe sind zufrieden.

Rita Kohn
Drucken
Teilen
Yannick Loretan übt sich im Mauern. (Bilder: Rita Kohn)

Yannick Loretan übt sich im Mauern. (Bilder: Rita Kohn)

Yannick Loretan setzt Stein auf Stein, verstreicht Mörtel und kontrolliert, ob alles gerade ist. Eigentlich möchte eine KV-Ausbildung machen. Jetzt ist der Sekundarschüler aber nicht mehr ganz sicher. «Das Handwerk wäre eine Alternative für mich», sagt er. Drei Tage in einem Sanitärbetrieb, zwei als Maurer auf der Baustelle haben sein Interesse an einem etwas handfesteren Beruf geweckt.

Noch weiss Yannick Loretan nicht, wofür er sich letztlich entscheiden wird. Das hängt auch davon ab, wo er eine Lehrstelle findet. Die Möglichkeit, in einen Handwerksberuf hineinzusehen und zu erfahren, welche Aufstiegschancen es im Betrieb gibt, haben ihm ein breiteres Feld eröffnet. «Ich hatte bisher keine Ahnung, was man auf dem Bau macht», bekennt er. Was er bis jetzt gesehen und gehört hat, fasziniert ihn. Er werde von allen gut betreut und informiert, sagt er, greift nach einem weiteren Backstein und der Kelle.

Der Nachwuchs fehlt

Vielen Handwerksbetrieben geht der Nachwuchs aus. Vor allem junge Menschen, die später eine Führungsverantwortung übernehmen könnten, zieht es immer seltener in eine Berufslehre im handwerklichen Bereich. «Wer ein guter Vorgesetzter werden will, sollte aber von Grund auf wissen, was an der Basis passiert», sagt Roger Lüthi, Polier der Stutz AG und an diesen zwei Tagen für den Sekundarschüler Yannick Loretan zuständig. Er schätze deshalb die Aktion des Amriswiler Gewerbes.

Auf keinen Fall Schule

Dasselbe sagt Malermeister René Schoop, der gerade der Sekundarschülerin Angela Manser den Beruf eines Malers näherbringt. Er begrüsst die Aktion und nimmt sich gerne die Zeit, um die interessierten Jugendlichen zu begleiten. In Angela Manser wird er allerdings keine begeisterte Nachwuchsmalerin finden. «Mir hat das Schnuppern als Floristin besser gefallen», gibt die bald 14jährige Schülerin unumwunden zu. Sie könnte sich auch vorstellen, Konditorin zu werden. «Aber auf keinen Fall möchte ich die Kanti machen», sagt sie bestimmt. Sie habe bei der Schwester gesehen, wie viel diese für die Kanti lernen musste. «Das will ich nicht. Ich will eine Berufslehre machen.» Diese Aktion nun habe ihr die Möglichkeit geboten, sich vertieft mit der Frage zu beschäftigen, welcher Beruf es werden soll.

Angela Manser arbeitet in der Werkstatt von René Schoop.

Angela Manser arbeitet in der Werkstatt von René Schoop.