Hakenkreuze vor Asylunterkunft in Sulgen: Eltern beunruhigt

SULGEN. Sie kamen im Schutz der Nacht. Der oder die Täter malten Hakenkreuze in leuchtendem Orange auf die Strasse und auf Verkehrstafeln rund um die provisorische Asylunterkunft in Sulgen. Dazu schrieben sie die Worte «Ausländer raus» und «Gönd hei».

Ida Sandl
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Hakenkreuze, «Ausländer raus» und «Gönd hei»: Von den hingeschmierten Schandmalen ist in Sulgen nichts mehr zu sehen. (Bild: Andrea Stalder)

Hakenkreuze, «Ausländer raus» und «Gönd hei»: Von den hingeschmierten Schandmalen ist in Sulgen nichts mehr zu sehen. (Bild: Andrea Stalder)

SULGEN. Sie kamen im Schutz der Nacht. Der oder die Täter malten Hakenkreuze in leuchtendem Orange auf die Strasse und auf Verkehrstafeln rund um die provisorische Asylunterkunft in Sulgen. Dazu schrieben sie die Worte «Ausländer raus» und «Gönd hei».

Am Montag frühmorgens hätten Anwohner die Schmierereien entdeckt und der Gemeinde gemeldet, sagt Andreas Opprecht, der Gemeindepräsident von Sulgen. Werkhof-Mitarbeiter hätten die Sprayereien sofort entfernt. Der Sachschaden ist mehrere 100 Franken hoch. «Den Schaden tragen die Gemeinde und damit auch die Sulgener», sagt Opprecht. Die Gemeinde hat mittlerweile bei der Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Mehr will Opprecht zu dem unschönen Vorfall nicht sagen. Er gibt aber zu bedenken, dass der oder die Täter nicht unbedingt aus Sulgen stammen müssen.

24 junge Männer kamen gestern

Die Sprayereien waren längst entfernt als gestern im Laufe des Nachmittags die ersten Asylbewerber in der Auholzstrasse eingezogen sind. Sie kommen aus dem Empfangszentrum Kreuzlingen und es sind ausschliesslich junge Männer. «Für Familien ist die Unterkunft weniger geeignet», sagt Martin Reichlin, Mediensprecher des Staatssekretariats für Migration. Wie viele Männer in Sulgen einziehen, entscheide das Empfangszentrum. «Am ersten Tag sind es 24 Personen», sagt Reichlin.

Über die ausländerfeindlichen Sprayereien würden die Asylbewerber nicht informiert. Das Staatssekretariat ist für Ruhe und Ordnung innerhalb der Unterkunft zuständig. Da sieht Reichlin vorerst keinen Handlungsbedarf. Mit der Unterkunft habe gestern aber auch das Sicherheits- und Patrouillen-Personal des Bundes die Arbeit in Sulgen aufgenommen.

Der Sicherheitsdienst sei zudem auf Patrouille im Ort, um allfällige neuralgische Punkte abzudecken. Dabei gehe es in erster Linie darum, dass die Asylsuchenden Ruhe und Ordnung einhalten würden, sagt Reichlin. Sollten die Sicherheitsleute auf etwas strafrechtlich Relevantes stossen, würden sie sofort mit der Kantonspolizei Kontakt aufnehmen.

«Wir sind beunruhigt», sagt eine Mutter, die gestern früh ihren siebenjährigen Sohn und die neunjährige Tochter zur Primarschule gebracht hat. Die Schule liegt in der Nähe der Luftschutzanlage. «Meine Kinder mussten heute morgen über Hakenkreuze laufen, das gibt mir kein gutes Gefühl.» Die Kinder hätten zwar nicht realisiert, was die Zeichen zu bedeuten haben, doch die Mutter fürchtet, die Situation könne eskalieren. «Eine Reaktion löst die nächste aus.»

Der Vater eines siebenjährigen Jungen ist nicht erstaunt über die Schmierereien. Er sagt: «Der Unmut in der Bevölkerung ist gross.» Es sei nicht sinnvoll, in eine Zivilschutzanlage, die so nahe bei einer Schule liegt, Asylbewerber einzuquartieren. «Es gibt im Thurgau sicher Zivilschutzanlagen, die besser für so etwas geeignet sind.»

Eltern kamen mit dem Auto

Der Vater stört sich daran, dass die Bevölkerung von Sulgen nie gefragt worden sei, ob sie einverstanden ist. «Wir sind erst sehr spät informiert worden.» Gestern hätten jedenfalls auffällig viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht, ist einer anderen Mutter aufgefallen.

Primarschulpräsident Ernst Ritzi sieht vorerst keine Gefahr für die Schulkinder. Die Schmierereien würden eher auf einen feigen Täter schliessen lassen. Als Ritzi am Sonntagnachmittag spazieren gegangen sei, habe er noch keine Zeichen auf der Strasse gesehen. Der Täter habe praktisch die letzte Gelegenheit benützt, bevor die Asylbewerber einziehen. Denn ab dann sei die Anlage bewacht. «Diese Feigheit erschüttert mich», sagt Ritzi. Weder der Schulhausplatz noch das Schulhaus selber seien verschmiert worden.

Die Kantonspolizei Thurgau sucht jetzt nach Zeugen. Wer Angaben zu Tätern machen kann oder etwas beobachtet hat, soll sich beim Kantonspolizeiposten Sulgen unter 071 221 43 60 melden.