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HAGENWIL: Reiher stibitzen im Schlossweiher

Seit 600 Jahren gibt es den Weiher beim Wasserschloss. Einst landeten die darin lebenden Fische auf dem Teller. Heute erfreuen sie Gäste – und Fischreiher.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Schlossherr Andi Angehrn und Schlossbesitzer Alfons Angehrn stehen am Schlossweiher. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Schlossherr Andi Angehrn und Schlossbesitzer Alfons Angehrn stehen am Schlossweiher. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Unzählige Fische tummeln sich im idyllischen Schlossweiher. Beim Betreten der alten Zugbrücke schwimmen sie heran und öffnen ihre Mäuler. Es sind Fische in verschiedenen Grössen und Farben – Karpfen, Goldfische und Koi. «Vor etwa 600 Jahren wurde um das Schloss eine Ringmauer angelegt. Seitdem gibt es hier einen Weiher mit Fischen», weiss Alfons Angehrn, Besitzer des Wasserschlosses. Damals wurden die Fische vermutlich nur zu Nahrungszwecken gehalten.

Alfons Angehrn mag sich noch gut an seine Kindheit erinnern. «Die Goldfische haben wir mit der Angelrute aus dem Weiher geholt und für 20 Rappen an Teichbesitzer verkauft», sagt der 73-Jährige schmunzelnd. Damals gab es zudem noch Schleien im Schlossweiher, die zur Familie der Karpfenfische gehören und sich von Algen ernähren. Denn der Weiher war stark von Algen befallen. Anfang der 50er-Jahre wurde der Schlossweiher komplett entleert, damit die Kanalisation gelegt werden konnte. «Wir Kinder fischten auch Schleien, die wir am offenen ­Feuer gleich neben dem Schloss grillierten», erinnert sich der Schlossbesitzer. Dies sei jeweils ein Festessen gewesen.

Die Schloss-Karpfen werden nicht gegessen

Sein Sohn Andi Angehrn lacht: «Das gehört doch einfach dazu, wenn man auf dem Schloss aufgewachsen ist.» Auch er habe als Kind gefischt, bei ihm kamen dann aber Karpfen auf den Grill. Andi Angehrn erzählt, dass die Karpfen, die im Schlossweiher leben, nicht auf seine Speisekarte kommen. Die Schweizer seien keine Karpfen-Esser, sagt er. Der Spiegelkarpfen wäre jedoch ein Speisefisch, der Schuppenkarpn eigne sich weniger dafür. «In unserem Weiher leben ausschliesslich Schuppenkarpfen.» Der Fischbestand werde durch Fischreiher dezimiert. Manchmal seien es bis zu fünf Reiher, die sich ihre Nahrung aus dem Hagenwiler Gewässer holen.

Seit neun Jahren schwimmen auch Koi im Schlossweiher. Zu seinem 30. Geburtstag hat Schlossherr Andi Angehrn nämlich von seinen drei Geschwistern und Freunden 30 Koi, japanische Edelkarpfen, geschenkt bekommen. «Jeder mit Bild und Namen, dokumentiert in einem Büchlein», führt er aus.

Im Hagenwiler Weiher schwimmen aber nicht nur Fische. Einmal jährlich geht das Schlossteam darin baden – zumindest ein Teil der Belegschaft macht dies nicht ganz freiwillig. Denn jeder, der während des Jahres zu spät zur Arbeit erscheint, muss zum Start der Sommerferien einmal rund ums Schloss schwimmen. Eine Tradition, die Andi Angehrn vor neun Jahren eingeführt hatte.

Dank Mikroorganismen kein schlechter Geruch

Da das Wasser früher sehr trüb war und im Sommer schlecht roch, hat Andi Angehrn den Weiher die vergangenen drei Jahre mit Effektiven Mikroorganismen saniert. Mit Erfolg, wie er sagt. Die Wasserqualität sei inzwischen überraschend gut, dies haben Untersuchungen im Frühjahr ergeben.

Andi Angehrn ist überzeugt, dass es im Schlossweiher auch in Zukunft Fische geben wird: «Die Fische gehören zum Schloss Hagenwil. Sie beleben den Weiher und erfreuen die Gäste.»

Am 6. August 1890 wurde das Hagenwiler Wasserschloss von einem tragischen Ereignis überschattet. Die Schlossleute kamen gerade vom Feld heim und sahen wie ihr Sohn und ein Ferienkind mit selbst gebauten Flössen sich auf dem Schlossweiher vergnügten. Plötzlich kippte eines der Flosse, und die Kinder fielen ins Wasser. Der damalige Schlossherr Karl Angehrn sprang hinein und wollte die beiden retten. Da der Schlossweiher mit Algen stark verwachsen war, kam für alle drei jede Hilfe zu spät.

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