HAGENWIL: Der Schlossherr lädt zum Bade

Seit 2008 ist Andi Angehrn Schlossherr und wartet immer wieder mit innovativen Ideen auf. Eine davon, die er gleich zu Beginn eingeführt hat, stösst jedoch nicht bei allen Angestellten auf Begeisterung.

Drucken
Teilen
Wer im Laufe des Jahres verschläft und zu spät kommt, muss im Wassergraben einmal ums Schloss herumschwimmen. (Bild: Manuel Nagel)

Wer im Laufe des Jahres verschläft und zu spät kommt, muss im Wassergraben einmal ums Schloss herumschwimmen. (Bild: Manuel Nagel)

Zweimal im Jahr werden die alten Gemäuer kräftig entstaubt und das Wasserschloss auf Hochglanz gebracht – vor der Winterpause und vor der Sommerpause. Am Montag war es wieder so weit. Die ganze Belegschaft samt Schlossherr Andi Angehrn packten mit an, um danach in die Sommerferien gehen zu können.

Kurz vor drei Uhr nachmittags war die Arbeit erledigt und sämtliche Angestellten versammelten sich im Schlosshof und auf der Zugbrücke.

Harmonie beim grossen Reinemachen

«Es war selten so harmonisch wie heute», meinte Andi Angehrn zum Schlosspersonal. Manchmal sei beim Grossputz eine Gruppe schneller fertig als die anderen und man necke sich dann noch ein wenig. Diesmal hätten aber alle an einem Strick gezogen und sich gegenseitig geholfen.

Danach übergaben Andi und Schwester Daniela Angehrn noch zwei Präsente. Zum einen an Roman Schürch, der als Koch seinen letzten Arbeitstag in Hagenwil hatte und nun eine neue Herausforderung annimmt. Auch Rathikanth Lingeswaran wurde von den Arbeitskollegen beschenkt, da er kürzlich geheiratet hatte.

Nach dem Pflichtprogramm folgte die «Kür», welche jedoch von den einen oder der anderen aus der Belegschaft eher widerwillig in Angriff genommen wird. Es erklärte auch, weshalb das Gros der Angestellten in Badekleidern herumstand.

Der aufdringliche Koi-Karpfen

Seit 2008 ist Andi Angehrn nun Schlossherr – und er begründete damals gleich eine neue Tradition: «Wer im Laufe des Jahres verschläft oder zu spät kommt, der muss im Sommer einmal um das Schloss herumschwimmen», sagte Daniela Angehrn. Obwohl sie und Bruder Andi gleitende Arbeitszeiten haben und deshalb gar nicht zu spät kommen können, lassen sie sich den Sprung ins kühle Nass nicht nehmen. «Als Chef muss ich doch mit gutem Beispiel vorangehen», sagte Andi Angehrn und schwamm mit der zweieinhalbjährigen Tochter Anna ebenfalls eine Runde.

Daniela Angehrn wurde begleitet von einigen der Koi-Karpfen, die im Wassergraben leben. «Einer wurde etwas gar aufdringlich», meinte sie lachend, als sie wieder an Land ging. Zwei der zehn Personen kniffen und sprangen nur kurz ins Wasser. Das sei die Minimalstrafe, sagte ein Angestellter. Nachdem alle wieder trocken waren, ging die Gruppe noch für einen Umtrunk nach Romanshorn und ganz spontan mit der Fähre ans Seehasenfest nach Friedrichshafen.

Das Schloss liegt nun zweieinhalb Wochen im Dornröschenschlaf und nimmt am 3. August den Betrieb wieder auf. Am 9. August beginnen die Schlossfestspiele mit Dürrenmatts Stück «Die Physiker».

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch