«Haben im <Panorama> keine Perspektive»

Am Montag geht das Wirtepaar des Panorama-Restaurants Seepark in Arbon nach zehn Jahren. Beatrice (56) und Martin (59) Brühwiler sagen, es liege am schlechten Verhältnis zur Verpächterin, der Stadt Arbon. Der Abschied falle ihnen schwer.

Tanja von Arx
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Martin und Beatrice Brühwiler Wirtepaar Panorama-Restaurant Seepark in Arbon (Bild: Tanja von Arx)

Martin und Beatrice Brühwiler Wirtepaar Panorama-Restaurant Seepark in Arbon (Bild: Tanja von Arx)

Herr Brühwiler, nächsten Monat hätte die Peter Schildknecht Gastronomie AG im Zuge des Gastrokonzepts hier gewirtet. Jetzt, da die Verhandlungen gescheitert sind, wollen Sie nicht noch bleiben?

Martin Brühwiler: Nein.

Wieso denn nicht?

Brühwiler: Weil wir hier keine Perspektive haben. Als ich vor knapp zehn Jahren anfing, wurde mir versprochen, dass hier bald umgebaut wird. Nichts ist passiert.

Was sollte denn umgebaut werden?

Brühwiler: Unterdessen praktisch alles: Einmal ist die Küche zu klein, wir drei Köche und die drei Lehrlinge haben je einen halben Quadratmeter Platz. Dann das Lager. Es befindet sich in der Garage und müsste ausgebaut werden. So auch die Waschstrasse fürs Geschirr, und die Kühlanlagen entsprechen nicht mehr den Auflagen des Kantons.

Das Restaurant selbst wurde aber mal renoviert?

Brühwiler: Nein. Auch da müsste man ran. Verstehen Sie: Serviert jemand nur Snacks, ist das absolut passend. Aber ich bin Koch. Ich übernahm den Betrieb in der Absicht, dass es bis zur Pension mein letzter ist – aber es geht nicht mehr. Ich muss kreativ sein, ich brauche das Marketing, das Gefühl für den Gast bei rund 16 Stunden Arbeit am Tag.

Dann hat Ihre Kündigung nichts zu tun mit dem Gastrokonzept?

Brühwiler: Nein, gar nicht. Wir dachten uns schon, dass das mit dem Konzept schwierig wird. Auch die Hotellerie Suisse und Gastrosuisse hatten sich das «Panorama» bereits angeschaut, sich aber wieder zurückgezogen. Arbon ist einfach zu klein.

Wie meinen Sie das?

Brühwiler: Das «Panorama» hat nur vierzig Sitzplätze, und mit knapp 14 000 Einwohnern können Sie sich ausrechnen, dass die Frequenz und somit der Umsatz gering sind. Und der Peter Schildknecht kann rechnen.

Sind Sie denn in den letzten Jahren nicht auf die Stadt zugegangen, um zu reden?

Brühwiler: Natürlich habe ich das gemacht. Als Martin Klöti noch Stadtammann war, konnte man anklopfen, manchmal kam er auch vorbei was trinken oder auf einen kurzen Schwatz. Aber jetzt gibt's gar keine Kommunikation mehr.

Und das ist schlecht?

Brühwiler: Das ist weder gut noch schlecht, das ist gar nichts.

Und demnach nicht der springende Punkt?

Brühwiler: Nein, wir gehen auch nicht im Unfrieden auseinander mit der Stadt. Ich betone: Nachdem ich 2009 und 2012 zweimal gekündigt hatte, Umbau-Pläne vom Architekten Stefan De Lazzer vorlagen und mir unisono versprochen wurde, auf Ende Saison umzubauen, geschah nichts.

Die Stadt hat auch kein Geld...

Brühwiler: Ich hatte auf die Rückstellungen der letzten 31 Jahre gehofft.

Und jetzt?

Brühwiler: Das ist eine Katastrophe, an dieser schönen Lage, mit Aussicht auf den Bodensee. Aber ich mache ab nächster Woche definitiv Pause und habe anschliessend Pläne für ein neues Lokal. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Werden Sie einen Anlass durchführen, um Abschied zu nehmen?

Brühwiler: Nein. In den letzten zwei Wochen sind aber immer wieder Leute vorbeigekommen und haben uns die Hand gegeben, sich bedankt. Das ist nicht so einfach und tut weh.