«Habe mich ins Häuschen vergafft»

ARBON. Der Schopf war dem Abbruch geweiht. Dann hat sich Bauunternehmer Alex Bressan in ihn verguckt. Das einstige Quartier-Waschhäuschen ist nach der Restaurierung ein Bijou geworden. Und es zeugt von der früheren Waschkultur.

Max Eichenberger/Hans Geisser
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Nach der Restaurierung ein Bijou: Quartier-Waschhäuschen an der Landstrasse, davor Alex Bressan. (Bild: Max Eichenberger)

Nach der Restaurierung ein Bijou: Quartier-Waschhäuschen an der Landstrasse, davor Alex Bressan. (Bild: Max Eichenberger)

Es stand unansehnlich im hinteren Teil des Areals und befand sich in einem «traurigen Zustand», schildert Alex Bressan die Vorgeschichte.

Fast dem Abbruch geweiht

Nebenan, an der Landquartstrasse 30, zog die Hector Bressan AG das mittlerweile fertig erstellte Mehrfamilienhaus hoch. Während der Bauphase richtete sich dann und wann der Blick auf die heruntergekommene kleine Hütte. Und die Frage kam auf, was mit ihr passieren soll.

Eigentlich, so Firmeninhaber Bressan, sei das ein Abbruchobjekt gewesen, «zumindest ein Grenzfall, ob man das Häuschen abbrechen oder stehen lassen soll.» Es kam dann so, dass sich der Bauunternehmer zunehmend in das unscheinbare Häuschen «vergafft» habe, wie er selber sagt.

Zum Bijou geworden

Heute ist er froh, diesem Impuls nachgelebt und das kleine Gebäude restauriert zu haben – mit erheblichem Aufwand. Er will das Resultat, nicht Zahlen sprechen lassen.

Ein Stück Arboner Geschichte zu erhalten, empfindet er als noble Aufgabe. Das zum Bijou gewordene Trückli ist nämlich – neben dem Heinehof – wohl das letzte noch erhaltene Quartier-Waschhaus der Stadt, wo die Frauen zusammenkamen und Waschtag hielten. Unter dem Verputz kam ein Riegel hervor. Maurerlehrlinge konnten das Waschhäuschen selbständig restaurieren. Drinnen steht, als verbliebener Zeuge, noch eine Schleuder.

Künftig, so die Idee Bressans, soll das Waschhäuschen als Spiel- und Partyhaus durch die Quartierbewohner genutzt werden. Geräumige Waschräume mit allem technischen Komfort gehören heute zum Standard.

Als Wasser noch rar war

Unsere Vorfahren mussten mit einfacheren Mitteln auskommen. Die Jahre um 1900. Stürmisches Wachstum prägt das Ortsbild der Industriestadt. In wenigen Jahrzehnten schnellt die Einwohnerzahl auf knapp 10 000 empor. Fast die Hälfte sind ausländische Arbeitskräfte und ihre Familien, Deutsche und Italiener.

Neue Fabriken schiessen wie Pilze aus dem Boden. Nach den Fabriken folgt der Wohnungsbau: Stattliche Bürgerhäuser und Villen am bevorzugten Berglihügel, einfache Mehrfamilienhäuser für die Arbeiterfamilien im Neuquartier südlich der 1898 gebauten neuen St. Gallerstrasse.

Waschen im Quartier

Die Wasser-, Gas- und Stromversorgung sind wie viele kommunale Einrichtungen erst im Aufbau begriffen. So findet man nicht in allen Wohnungen Wasseranschlüsse. Oft ist der Gang zum Brunnen oder zur Zisterne nötig.

Viele Bewohner der Altstadt waschen beim öffentlichen Waschplatz im See, unterhalb der Grabenstrasse. In einigen Wohnquartieren und in firmeneigenen Arbeitersiedlungen wie im «Heinehof» und in der «Staudersiedlung» am See stehen kleine Waschhäuser für die gemeinsame Benützung zur Verfügung.

Waschhaus mit Toilette

An der Gerbergasse steht gar ein «Städtisches Waschhaus», das die Gemeinde mit Wasch- und Auswindmaschine ausrüstet.

Dass man im gleichen Gemäuer auch eine öffentliche Toilette einrichtet, dürfte die waschenden Frauen weniger gefreut haben.

Im Lauf der Zeit sind alle Waschhäuser verschwunden. Da taucht an der Landquartstrasse – wie Phönix aus der Asche – ein bisher hinter einem Holzschopf verstecktes kleines Riegelhaus auf. Ein kleiner Zeuge vergangener Zeiten bleibt erhalten.