«Habe gelernt, aus meiner Komfortzone rauszukommen»

Manfred Fries alias Dä Brüeder vom Heinz ist mit seinem Velo durch den Thurgau gefahren und hat seine Lieder gesungen. Ein gutes Abenteuer.

Nicole D'orazio
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Manfred Fries alias Dä Brüeder vom Heinz Sänger (Bild: pd)

Manfred Fries alias Dä Brüeder vom Heinz Sänger (Bild: pd)

Herr Fries, als Dä Brüeder vom Heinz waren Sie im August dreieinhalb Wochen vorwiegend im Thurgau mit Velo, Anhänger und Gitarre unterwegs und haben die Lieder aus Ihrem Album «Marroniherz» zum besten gegeben. Wie sind diese bei den Leuten angekommen?

Manfred Fries: Vorwiegend sehr gut. Das hat mich gefreut. Ich war überrascht, dass auch Kinder meine Mundart-Songs sehr mögen und lauthals mitgesungen haben. Es gab aber auch schwierige Momente.

Zum Beispiel?

Fries: Manchmal war ich zur falschen Zeit am falschen Ort. Zum Beispiel in einer Bar, in der nur ein paar Rocker anwesend waren. Da kam ich mir völlig fehl am Platz vor. Zudem musste ich feststellen, dass einige Gemeinden sehr knausrig mit Bewilligungen für Strassenmusiker sind. So musste ich unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Sie haben die Tour ohne einen Franken im Sack angetreten und wollten herausfinden, ob Sie von Ihrer Musik leben können. Mussten Sie Hunger leiden?

Fries: Zum Glück nicht. Wenn ich in einer Beiz oder auf der Strasse gespielt habe, machte ich am Schluss jeweils eine Runde mit dem Hut und schilderte den Zuhörern, warum. So kamen immer ein paar Franken zusammen und ich habe so auch gleich eine Resonanz auf meine Songs erhalten. Oft wurde ich spontan eingeladen, auch zum Übernachten. Das war toll.

Dann mussten Sie wenig im Zelt schlafen?

Fries: Ich war ein paar Tage auf dem Campingplatz in Arbon. Einmal musste ich wild zelten. Das war zum Glück ein Einzelfall. Viele Freunde und Bekannte haben mich zu sich eingeladen. Aber auch Fremde, die mich erkannt oder gehört haben, haben mir spontan ein Bett zum Übernachten angeboten.

Sie sind Ihre Tour wild drauflos angegangen. Wo überall hin hat es Sie verschlagen?

Fries: Gestartet bin ich in Kreuzlingen beim Autoscooter meines Bruders am Seenachtfest. Danach ging es nach Arbon, Weinfelden, Frauenfeld und Wil. Ich bin sogar nach Brunnadern im Toggenburg und nach Schlatt oberhalb von Elgg geradelt. Ich war auch in Stein am Rhein und dann wieder in Kreuzlingen. Das war teilweise auch eine Tortur.

Weswegen?

Fries: Ich habe die Strecken teilweise unterschätzt. Am ersten Tag habe ich gleich den Ottenberg überwunden und bin in Kreuzlingen völlig kaputt angekommen. Ich musste mich deswegen einige Tage in Arbon ausruhen (lacht). Auch mein Velo hat leider nicht immer mitgemacht, und die Anhängerkupplung ging kaputt.

Hat sich die Tour gelohnt?

Fries: Auf jeden Fall. Es war ein tolles Abenteuer. Ich habe viele nette Leute kennengelernt, viele schöne Sachen erlebt und meine Fitness markant verbessert. Auch habe ich gelernt, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und aus meiner Komfortzone rauszukommen. Das hat mir gut getan.

Werden Sie die Tour wiederholen?

Fries: Vielleicht, aber nur mit einem E-Bike (lacht). Ich würde die Tour zudem besser strukturieren und mehr Fixpunkte einplanen.