Gutes Polster auf dem Asylkonto

Eine eigene Liegenschaft, Deutschunterricht im Ort und ein attraktives Beschäftigungsprogramm: In Güttingen lässt sich Sandra Stadler für die Asylbewerber viel einfallen. Das macht sich bei den Kosten positiv bemerkbar.

Nicole D'orazio
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GÜTTINGEN. Güttingen macht es vor: Die Gemeinde hat die Kosten für die ihr zugeteilten Asylbewerber im Griff. Und zwar so, dass sich über die letzten fünf bis sechs Jahre rund 15 000 Franken auf dem allgemeinen Konto für die Asylbewerber angesammelt haben. «Es ist aber nicht so, dass wir mit den Asylbewerbern Gewinn machen», sagt Sandra Stadler, Vize-Gemeindepräsidentin und zuständig für das Ressort Soziales, Sicherheit und Gesundheit. «Wir haben einfach nicht die ganzen Beiträge, die wir vom Bund erhalten, gebraucht.» Das liege aber auch daran, dass man bisher noch keine teuren Zahnarztkosten oder eine Heimplazierung finanzieren musste. «Das kann sich jederzeit ändern. Genau dafür haben wir dann das Geld auf der Seite.»

1500 Franken pro Monat

Pro Asylbewerber erhält eine Politische Gemeinde vom Bund ungefähr 1500 Franken pro Monat. Ausbezahlt wird quartalsweise. «Damit muss die Gemeinde alle anfallenden Kosten bezahlen. Also Wohnung, Krankenkasse, Verpflegung und so weiter», erklärt Stadler. Da Güttingen die Flüchtlinge in einer gemeindeeigenen Liegenschaft sowie dem gemieteten Bahnhofsgebäude unterbringen kann, wird bei der Miete gespart. «Im Bahnhofsgebäude sind zum Beispiel auch die Spielgruppe und im Winter das Kerzenziehen untergebracht.» Ein Einzelzimmer koste 400 Franken im Monat, ein Doppelzimmer 200 pro Person.

Eine grosse Hilfe ist die Bevölkerung. «Anke Heim, eine pensionierte Deutschlehrerin, gibt den Flüchtlingen Sprachunterricht für eine kleine Entschädigung. Das ist für uns ein Glücksfall», sagt Sandra Stadler. «So müssen wir sie nicht nach Frauenfeld oder Arbon zum Unterricht schicken und sparen auch noch die Bahnkosten.» Das gleiche gelte für die Ärztin Nuran Voss, die bei einem Krankheitsfall bei den Asylbewerbern für eine erste Diagnose vorbei gehe. «Sie nimmt eine Triage vor und übermittelt die Personen gleich dem richtigen Arzt oder Spezialisten. So fallen die Kosten für uns ebenfalls geringer aus. Natürlich übernehmen wir die Auslagen der Freiwilligen.»

Es wird viel gespendet

Doch das ist noch nicht alles: Kämen neue Asylbewerber in die Gemeinde oder sie benötige für diese zum Beispiel Kleider oder einen Kinderwagen, dann könne sie sich immer an die Präsidentin des Frauenvereins wenden, sagt die Vize-Gemeindepräsidentin weiter. «Wenn möglich, werden uns diese Dinge dann gespendet.» Die Mithilfe der Bevölkerung sei natürlich unglaublich wertvoll, nicht nur fürs Budget. «Alle helfen mit, dass sich die Flüchtlinge bei uns wohl fühlen.» Diese würden von der Bevölkerung auch immer wieder mit auf Ausflüge oder an Veranstaltungen genommen. Zum Beispiel an den kürzlichen Empfang der Eintracht Güttingen nach dem Eidgenössischen Musikfest. «So lernen sie unsere Feste und Bräuche kennen. Und wir verhindern, dass sie im Dorf herumlungern.»

Lernen, was Pünktlichkeit heisst

Was es heisst, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten, wird den Asylbewerbern in Güttingen ebenfalls beigebracht. «In gemeinnütziger Arbeit für die Gemeinde bringen wir ihnen bei, wie die Schweizer Arbeitskultur ist und dass es auf Pünktlichkeit ankommt», erzählt Sandra Stadler. «Sie sind dabei für den Werkhof im Einsatz. Wenn sie sich dort gut anstellen, dann können wir sie für Einsätze an die Primarschulgemeinde oder nach Kesswil weiter vermitteln.»

In einem weiteren Schritt wartet das Integrationsprogramm in der Landwirtschaft auf die Asylbewerber. «In einem Ausleih-Vertrag vermitteln wir sie als Hilfskräfte an Bauern», erklärt Stadler. «Dann erhalten wir für sie zwar die 1500 Franken vom Bund nicht mehr, dafür erwirtschaften die Männer bei einem 100-Prozent-Pensum selber 3200 Franken Lohn.» Davon würden alle Kosten für Kost und Logis abgezogen. Den Rest dürften die Männer behalten. «Da schauen auch mal bis zu 1000 Franken pro Monat für sie heraus. Deswegen sind sie bei diesen Einsätzen besonders motiviert.»

Guter Rucksack für später

Die Gemeinde stehe auch in Kontakt mit der Peregrina-Stiftung, welche die Flüchtlinge betreue, sobald sie anerkannt seien, sagt Stadler. «So besteht die Möglichkeit, dass sie weiterhin in der Landwirtschaft arbeiten können, wenn sie wollen.» Die Asylbewerber bleiben meistens nicht im Dorf. «Wir schicken sie so aber mit einem guten Rucksack weiter.»