Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Guter Engel der Asylsuchenden

Seit zehn Jahren engagiert sich Cornelia Ackermann für die Asylsuchenden im Kanton Thurgau. Viele aussergewöhnliche Begegnungen hat sie in der Zeit gehabt – einige davon wurden zu tiefen Freundschaften.
Bianca Binder
Setzt sich gerne für andere ein: Cornelia Ackermann (2. v. l.) im Kreis ihrer Schützlinge. (Bild: zVg)

Setzt sich gerne für andere ein: Cornelia Ackermann (2. v. l.) im Kreis ihrer Schützlinge. (Bild: zVg)

Hefenhofen. «Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, im Asylbereich zu arbeiten, hatte ich Angst», sagt Cornelia Ackermann. Vor allem das Unbekannte habe sie etwas nervös gemacht. «Vielen Leuten sind Asylsuchende ein Dorn im Auge. Man begegnet ihnen mit Skepsis, denkt, alle sind kriminell.» Auch sie habe zuerst ein wenig so gedacht. Nach kürzester Zeit musste sie ihre Meinung jedoch revidieren. «Die meisten Leute in den Durchgangsheimen sind sehr kooperativ», so Ackermann.

Wir haben sie gelehrt zu schneidern. Oft haben wir auch zusammen gekocht und viel geredet. Wie kommuniziert man denn mit anderssprachigen Menschen? «Das hat immer geklappt. Viele sprechen Englisch, Französisch, Italienisch oder sogar Deutsch. Mit Händen und Füssen kommt man zur Not auch zurecht», schmunzelt Ackermann.

Vertiefte Einblicke

Cornelia Ackermann hat im Asylbereich schon vieles gesehen.

Sie war unter anderem in der Peregrina-Stiftung und bei der Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende in Kreuzlingen tätig. Seit sie sich für eine Tätigkeit im Asylwesen entschieden hat, war sie in der Beratung und Intervention und als Ansprechpartnerin für Asylsuchende da. «Bis heute habe ich mit einigen von ihnen Kontakt, sie sind mir richtig ans Herz gewachsen. Teilweise haben sich daraus tolle Freundschaften entwickelt», so Ackermann.

Vor allem die meist herzlichen Reaktionen der Asylsuchenden seien für sie ein Ansporn, weiterzumachen. Cornelia Ackermann ist mehrmals im Jahr im «Agathu», der Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau, anzutreffen. Hier gibt es einen Kaffee-Treff. «Ab und zu war ich aber auch in Schwaderloh in den Baracken, in denen die kritischen Fälle untergebracht waren.» Kritische Fälle sind jene Asylsuchenden, denen eine Straftat vorgeworfen wird.

Die Männer da seien sehr anständig gewesen und hätten sich über einen Besuch und die kleinen Leckereien gefreut, die sie ihnen manchmal mitgebracht habe. «Mein Mann war anfangs etwas kritisch, weil er Angst hatte, dass mir in den Baracken etwas passieren könnte», so Ackermann. Das habe sich dann aber gelegt. «Mein Wunsch wäre es, dass die Menschen weniger Angst vor den Asylsuchenden haben», sagt Ackermann. Viele wüssten leider zu wenig über die Durchgangsheime, deren Bewohner und das gesamte Asylverfahren.

«Diese Berührungsängste können durch Information und Austausch abgebaut werden», erklärt sie. Die Perspektivlosigkeit und die fehlende Beschäftigung seien schlimm für die Betroffenen. Es wäre daher wichtig für sie, eine kleine, einfache Arbeit oder Schulungen zu haben.

Fehlende Umsetzung

«Auf dem Papier bestehen viele Rechte im Zusammenhang mit der Integration von Asylsuchenden. Umgesetzt werden diese leider nicht immer», sagt Ackermann.

Vor allem die Sprachschwierigkeiten seien ein Problem: Viele würden sich gerne verständigen, aber die Möglichkeiten, richtig Deutsch zu lernen, seien beschränkt. Durch Freiwilligenarbeit und mehr Kontakte zwischen Einheimischen und Asylsuchenden könne viel bewegt werden. «Wir möchten deshalb im Thurgau ein Solidaritätsnetz wie in St. Gallen aufbauen», so Ackermann. Wenn die Asylsuchenden mehr beschäftigt werden könnten, würden beide Seiten profitieren. «Mehr Lernmöglichkeiten, Kurse und Schulungen würden schon viel bewirken», so Ackermann.

Die Asylsuchenden hätten so einen sinnvollen Tagesablauf und wären weg von der Strasse. «Wer Interesse daran hat, sich bei uns zu engagieren, ist herzlich willkommen», so Ackermann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.