«Gut Ding will Weile haben»

Vor über einem Jahr wurde das Schloss an die Towit Machinery Trading AG verkauft. Roland Lapp, Delegierter des Verwaltungsrates, spricht erstmals über Verzögerungen und Verdächtigungen.

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Soll Firmensitz und Tagungsort werden: Das ehemalige Hotel Schloss. (Archivbild: Daniel Walt)

Soll Firmensitz und Tagungsort werden: Das ehemalige Hotel Schloss. (Archivbild: Daniel Walt)

Herr Lapp, die Öffentlichkeit spürt noch nichts von den Aktivitäten, die Ihre Firma im Schloss gemäss ursprünglichen Absichten auf Anfang dieses Jahres hätte starten wollen. Wo liegen die Gründe für die grossen Verzögerungen?

Roland Lapp: Ein aus Tschechien stammender Stararchitekt wurde beauftragt, ein Gesamtprojekt für einen Umbau des Hauses zu koordinieren. Bedingt durch sorgfältige Abklärungen, lag uns das Gesamtprojekt erst im Lauf des vergangenen Frühjahres vor. Nach eingehender Diskussion lehnte der Verwaltungsrat diese Vorschläge dann ab, weil er das Schloss in seiner bisherigen Form als Firmensitz erhalten möchte.

Wie sieht es im Moment aus?

Lapp: Zurzeit überlegen wir uns eine vollständige Innenrenovation. Diese sollte im Verlauf des nächsten Jahres abgeschlossen werden. Es ist nicht beabsichtigt, dass das Schloss als solches der Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich gemacht wird. Wir haben jedoch immer wieder Anfragen von Hochzeitsgesellschaften erhalten, ob die Terrasse für einen Apéro benützt werden könnte, und solchen Gesuchen immer wieder umgehend entsprochen. Wir beabsichtigen, dies auch künftig zu tun. Das «Panem» stellt dafür seine Dienstleistungen zur Verfügung.

Wann genau wird wieder Leben ins Schloss einkehren?

Lapp: Wir haben das Schloss als Firmensitz und Tagungsort für die Unternehmensgruppe erworben. Es ist nicht unsere Absicht, das Hotel Schloss wieder als solches zu betreiben. Selbstverständlich wollen wir aber unsere Gäste und Kunden aus dem Ausland anlässlich ihrer Aufenthalte bei uns standesgemäss unterbringen – zu diesem Zweck die komplette Renovation der Räumlichkeiten.

In der Zwischenzeit hat die Towit Machinery Trading AG auch die «Panem»-Liegenschaft gekauft…

Lapp: Ja. Wir sind den Vorbesitzern, soweit es unseren Möglichkeiten entsprach, entgegengekommen und konnten deshalb erst im Verlauf des Sommers unsere Büros einrichten. Die Eröffnung erfolgte zum 1. September. Die Gastronomieschule hält weiter wesentliche Teile der Räumlichkeiten, und sie hat uns angefragt, ob sie auch noch für die erste Hälfte des nächsten Jahres die untere Etage als Schulungsraum behalten könne. Wir sind der Schule und damit der Region Romanshorn auch hier auf freundschaftlicher Basis entgegengekommen. Einen Teil der ersten Etage, die heute noch von Frau Fratton als Büro belegt ist, werden wir zum Ende dieses Jahres übernehmen und unsere Büroinfrastruktur entsprechend ausbauen.

Ist die Rekrutierung von Personal für die Firma angelaufen, und auf welchen Wegen wird danach gesucht? Die Rede war ja von rund 20 Mitarbeitenden in der ersten Phase: Maschinenbauingenieure, Handelsleute und Sekretärinnen…

Lapp: Der Start der Towit Machinery Trading AG hat sich leider verzögert, bedingt durch gewisse Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von geeignetem Personal sowie der verspäteten Büronutzung. Um in Zukunft keine weiteren Schwierigkeiten in der Rekrutierung von Fachleuten gewärtigen zu müssen, haben wir unter anderem mit dem Leiter des Departementes für Inneres und Volkswirtschaft des Kantons, Kaspar Schläpfer, sowie mit dem Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, Edgar Sidamgrotzki, Ende August eine Aussprache abgehalten. Es konnte übereinstimmend festgestellt werden, dass es zurzeit sehr schwierig ist, fachlich versierte Maschinenbauingenieure mit sprachlicher Bildung in Deutsch sowie Tschechisch, Englisch und weiteren Fremdsprachen zu finden.

Sind denn bereits erste Mitarbeiter unter Vertrag genommen worden?

Lapp: Die Towit Machinery Trading AG beschäftigt zurzeit einen Geschäftsführer, Ferdinand Reichelt, tschechischer Staatsangehöriger, sowie zwei Schweizer Mitarbeiterinnen. Zum 1. November hat ein qualifizierter Mitarbeiter begonnen – er wird in Kürze in Abu Dhabi seine Arbeit für uns aufnehmen. Für nächstes Jahr planen wir die Einrichtung einer Repräsentanz in Südkorea. Ebenso suchen wir qualifizierte Maschinenbauingenieure mit Handelserfahrung und hoffen, diese in der Schweiz rekrutieren zu können. Die Towit Machinery Trading AG hat seit ihrer Gründung bereits erfolgreich ihre Tätigkeit aufgenommen und plant, diese zügig auszuweiten, da nunmehr seit Herbst die entsprechenden Büroräumlichkeiten vorhanden sind.

In Romanshorn sind immer wieder kritische Stimmen zu hören. Diese können nicht glauben, dass mit der Vitkovice-Gruppe ein grosser Konzern aus Tschechien seinen weltweiten Handel über eine neugegründete Firma abwickeln lässt, die überdies im Schloss Romanshorn ihren Sitz hat. Was entgegnen Sie solchen Stimmen?

Lapp: Wir arbeiten sehr eng mit der Vitkovice-Gruppe zusammen – diese feiert im kommenden Dezember ihr 180jähriges Bestehen. Sie ist führend im Bereich der Produktion von Gasflaschen, Gaslagerbehältern, Schiffsschrauben und Windturbinen-Technologie. Diese Produkte lassen sich auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten gut verkaufen, und wir sind motiviert, mit unseren Aktivitäten in Fern- und Mittelost sowie den Staaten der GUS erfolgreich unsere Marktanteile verbessern zu können. Wir haben uns entschieden, mit der notwendigen Vorsicht und Behutsamkeit unser Geschäft in Romanshorn aufzubauen. Zu den von Ihnen angesprochenen Stimmen, die glauben, die Towit sei nicht tätig und habe nur Firmenschilder angebracht, kann ich nur sagen: Diese Ansicht stimmt nicht. Gut Ding will Weile haben.

Die Towit Machinery Trading AG möchte auch Seminare im technisch-ökonomischen Bereich im Schloss durchführen. Auf wann ist der Start dieser Schulungen geplant?

Lapp: Sicher werden wir am Plan der Durchführung von Seminaren festhalten. Wir haben dafür aber noch keinen Starttermin festgelegt. Wir möchten vorab das Schloss Romanshorn einer Innenrenovation unterziehen. Danach werden wir abschliessend entscheiden, ob die Räumlichkeiten im «Panem»-Gebäude oder jene im Schloss hierfür genutzt werden.

Interview: Daniel Walt

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