GÜTTINGEN: Grüner Strom für knackige Früchte

Auf dem Dach des Seeobst-Lagerhauses steht eine der grössten Fotovoltaikanlagen im Kanton. Die produzierte Energie kühlt Äpfel umweltfreundlich.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Im Herbst werden sie tonnenweise angeliefert, die pflückfrischen Äpfel aus den Thurgauer Obstanlagen. Im Lager der Tobi Seeobst AG bleiben sie dann auch, bis sie vorzu in die Läden verteilt und immer noch knackig zum Kauf angeboten werden. Man kann es sich vorstellen: die Kühlung der Früchte braucht Energie, viel Energie. Das hat Thomas Stähelin, Geschäftsführer der Firma Ingrema, auf die Idee gebracht, das grosse Flachdach der Immobilie zu nutzen und Solarstrom zu produzieren. Der Ingrema gehört das Areal. Sie stellt Stabilisierungsmittel für Lebensmittel her.

Stähelin hat nicht lange gefackelt und das Projekt in Angriff genommen. Unklar war zunächst, ob das Holzdach das Gewicht der Anlage würde tragen können. Also musste die Statik überprüft und etwas Kies vom Dach abgetragen werden.

Module produzieren Strom für 90 Wohneinheiten

Entstanden ist schliesslich eine Anlage, die sich auf 2500 Quadratmeter ausbreitet und die 360 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert. Damit könnten etwa 90 Wohneinheiten mit Naturstrom versorgt werden, wie Norbert Hohengasser, der die Anlage mit seiner Firma Hohengasser+Zingg installiert hat, weiss. Allerdings werden gut 60 Prozent der produzierten Energie gleich vor Ort von den Kühlgeräten wieder verbraucht. «Wegen des hohen Eigenbedarfs macht die Fotovoltaikanlage hier auch besonders viel Sinn», meint der Elektroinstallateur. Die Güttinger Anlage gehört zu den grössten, die im Thurgau bislang erstellt worden sind. Eine weitere Besonderheit ist, dass für sie kein Antrag auf Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), also Fördergelder des Bundes, gestellt wurde. «Ich wollte nicht lange auf einen entsprechenden Entscheid warten, zumal es jeweils auch unklar ist, ob man tatsächlich profitieren kann», begründet Thomas Stähelin. Er hat 600 000 Franken in die Fotovoltaikanlage investiert und geht davon aus, dass sich der Einsatz nach 15 Jahren auszahlt. Der produzierte Strom, der nicht in der Ingrema-Liegenschaft direkt wieder verbraucht wird, läuft ins Netz des Elektrizitätswerkes Güttingen und wird von diesem vergütet. Für den Besitzer und den Installateur der Anlage ist es spannend, die Daten der Anlage laufend zu analysieren. Auch Passanten können sich per Display, das am Hauseingang montiert wurde, über die Aktivitäten der Module informieren. Während der ersten vier Betriebsmonate ist naturgemäss noch nicht so viel gelaufen. «Bislang haben wir erst etwa 50 Megawatt produziert», entnimmt Norbert Hohengasser den Daten. Die Resultate der ersten Frühlingstage zeigen aber bereits das weitere Potenzial an.