GÜTTINGEN: Aus zwei mach eins

Der Gemeinderat ist der Meinung, dass eine Einheitsgemeinde viele Vorteile für das Dorf brächte und der Zeitpunkt ideal wäre. Bei der Schule sträubt man sich zwar nicht, will sich aber noch etwas Zeit lassen.

Nicole D’orazio
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Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Die Zusammenarbeit zwischen der Politischen und der Schulgemeinde Güttingen ist so gut, dass man über die Bildung einer Einheitsgemeinde nachdenkt. Also über eine Zusammenführung der Politischen und der Schulgemeinde. «Wir haben sehr viele Berührungspunkte, nicht nur die Ländereien», sagt Urs Rutishauser, Gemeindepräsident von Güttingen, zum Verhältnis der beiden Körperschaften. «Die Schulwegsicherung, der Mittagstisch oder auch die Baustellen sind Themen, die beide Behörden beschäftigen. Diese wären einfacher zu koordinieren.» Beim Landbesitz sei es zum Beispiel so, dass das Schulhaus auf Gebiet der Politischen Gemeinde steht, diese wiederum plant ihre neue Verwaltung auf Boden der Schule.

Rutishauser und der Gemeinderat sind der Meinung, dass eine Einheitsgemeinde für Güttingen sinnvoll wäre. Auch weil beide Gemeinden über die identische geografische Ausdehnung verfügen. «Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt.» Denn man müsse dringend die Gemeindeordnung überarbeiten. «So ist es sinnvoll, die Idee einer Einheitsgemeinde zu prüfen und die Arbeit nur einmal zu machen, sollte dem Vorhaben zugestimmt werden.»

Bei einer der regelmässigen gemeinsamen Sitzungen haben die beiden Behörden über die Bildung einer Einheitsgemeinde philosophiert, sagt Rutishauser. «Im Thurgau ist das Modell erst wenig vertreten, in anderen Kantonen stellt die Einheitsgemeinde jedoch den Normalfall dar.» Vertreter der Schule und der Politischen Gemeinde haben daraufhin die Kollegen der Einheitsgemeinde Sirnach besucht und sich alles erklären lassen. «Deren positive Erfahrungen haben uns in der Idee bestärkt.»

Die Schulbehörde büsst keine Kompetenzen ein

Bei einer Einheitsgemeinde gäbe es nur noch eine Rechtspersönlichkeit, einen Finanzhaushalt und nur einen Steuerfuss. Die Schule wäre ein Gemeinderatsressort. «Die Schule bleibt jedoch eigenständig und büsst auch keine Kompetenzen ein. Denn es wird eine Schulkommission, die vom Volk gewählt wird, gebildet», erklärt Rutishauser. Deren Präsident wäre gleichzeitig Gemeinderat. Die Schulkommission wäre nach wie vor für alle Belange der Schule zuständig wie die Anordnung von pädagogischen Massnahmen, die Beschäftigung der Lehrer oder organisatorischen Massnahmen. «Die Schulkommission ist natürlich auch für das Budget der Schule zuständig. Da muss niemand Angst haben.»

Gross sparen würde man in einer Einheitsgemeinde allerdings nicht, betont der Gemeindepräsident. Natürlich könnte man Synergien nutzen und die gegenseitige Rechnungsstellung würde wegfallen. Der Nutzen einer Zusammenführung liegt vor allem bei den strukturellen Vereinfachungen, der besseren Koordination und speziell der ganzheitlichen Entwicklung.

An der kommenden Budget-Versammlung will Rutishauser die Stimmbürger über die Idee informieren und Rückmeldungen einholen. Abgestimmt wird jedoch nicht. «Wir bilden erst einmal eine paritätische Arbeitsgruppe, die die Schaffung einer Einheitsgemeinde prüft», sagt Rutishauser. Eventuell unter externer Leitung. Danach würde man mittels einer SWOT-Analyse Chancen und Risiken abwägen. «Weitere Schritte werden erst unternommen, wenn beide Behörden einverstanden sind und der Souverän der Prüfung eines Zusammenschlusses zustimmt.» Das würde an der Budgetversammlung im kommenden Frühjahr der Fall sein.