Grünes Licht für gelben Pionier

Zwölf Forscher aus verschiedenen Teilen Deutschlands, zwei Boote und ein Lastwagen voller Ausrüstung waren im Güttinger Kieshafen zu Gast. Ihr Ziel: Ein maritimes Monitoring-System zu testen. 14 Tage lang zog ein kleines U-Boot im Gewässer seine Kreise.

Hana Mauder
Merken
Drucken
Teilen
Grosser technischer Aufwand. Noch ist das gelbe U-Boot an Land festgemacht. (Bild: Andrea Stalder)

Grosser technischer Aufwand. Noch ist das gelbe U-Boot an Land festgemacht. (Bild: Andrea Stalder)

GÜTTINGEN. Sie reisen mit schwerem Gepäck. Zwei Container und ein Lastwagen waren nötig, um all das benötigte Material an Ort und Stelle zu schaffen. Das zwölfköpfige Team rund um das Projekt SMIS – was für den Zungenbrecher Subsea Monitoring via Intelligent Swarms steht – genoss zwei Wochen lang Gastrecht im Güttinger Kieshafen. Denn: im benachbarten Ausland liess sich für das Forscherteam aus verschiedenen Teilen Deutschlands partout kein geeigneter Hafen finden.

Als die Forscher beim Güttinger Kieswerk nachhakten, gab ihnen Geschäftsführer Hansueli Egloff grünes Licht. «Unser Standort ist optimal» versichert er. Vom Stromanschluss bis zum leichten Wasserzugang. Projektkoordinator Sven Hoog versichert: «Wir sind sehr dankbar und es gefällt uns hier ausgezeichnet.» Die erforderlichen Bewilligungen gingen erstaunlich unbürokratisch über den Tisch. Nur das Wetter, das zeigte dem Team die kalte Schulter.

Tiefseeforschung auf Probe

Doch das Forscherteam war froh um die Regentage. So herrschte wenig Betrieb auf dem See und sie konnten für das Projekt Klarschiff machen, versichert man hier im Chor. Zwei Boote – ein grosses Arbeitsboot der Bodensee-Taucher mit einer Armada von Forschungsmaterial an Bord – und ein zweites, kleines Boot kreuzten und kreisten im Güttinger Gewässer. Darauf schaukelten die Diplomingenieure Florin Beck, Matthias Golz und Sebastian Ritz von der Technischen Universität Berlin hin und her, den Blick gebannt auf den Laptop gerichtet.

Die Aufgabe des SMIS bestehe vereinfacht ausgedrückt darin, ein System zu erarbeiten, das autonom Vermessungen von Unterwassergebieten in der Tiefsee bis auf 6000 Meter ausführen könne. Dafür kommt Schwarm- oder auch Teamtechnologie zum Einsatz. Getestet wurde in Güttingen das Zusammenspiel der drei Komponenten: Ein Oberflächenfahrzeug wird zu Wasser gelassen. Es bestimmt via Satellit die exakte Position und verbindet sich über akustische Signale mit zwei weiteren Projektgeräten, die unter Wasser tauchen: der unbemannten U-Boot-Drohne und einer Tiefsee-Bodenstation. «Diese können wir je nach Bedarf absinken oder auftauchen lassen», erklärt Matthias Golz.

Die technische Troika funktioniert autonom. «Es ist möglich, die Fahrzeuge von einem Schiff aus zu Wasser zu lassen und eine Woche lang bei schlechtesten Wetterbedingungen eigenständig arbeiten zu lassen», verdeutlicht der Projektkoordinator. Ziele sind unter anderem die Kartographie des Meeresbodens und die Suche nach seltenen Rohstoffen.

Bodensee ist optimal

Noch ist das Zukunftsmusik. «Wir haben unsere Fahrzeuge im Atlantik getestet», erklärt Florin Beck. Der Bodensee ist optimal für die Tests der Kommunikation der Fahrzeuge untereinander. «Wir haben die Bodenstation gestern auf 200 Metern Tiefe positioniert», erklären die Diplomingenieure. Die Tiefsee-Bodenstation ermöglicht etwa das Aufladen der Drohnen unter Wasser.

Auf dem grossen Arbeitsboot verfolgte man derweil das Geschehen mit Spannung. «Es taucht auf, es taucht auf», schallen die Rufe übers Deck. Alle Augenpaare richten sich dann jeweils auf den Punkt, an dem das «Autonomous Underwater Vehicle» wieder seinen Weg zur Oberfläche findet.

Koffer packen

Auf den Monitoren in der Kabine verfolgen die deutschen Wissenschafter den Kurs der Fahrzeuge. «Es sieht gut aus», versichert der Projektkoordinator. Die Zeit in Güttingen sei optimal genutzt worden. Nun heisst es für das Forschungsteam: Koffer packen. «Wir bedanken uns herzlich für das Gastrecht hier in Güttingen», sagt Sven Hoog.