Grüner Güggel beginnt zu krähen

ROMANSHORN. Fünf katholische Kirchgemeinden im Thurgau haben ein Umweltmanagement eingeführt und damit Pionierarbeit in der Schweiz geleistet. In einem Gottesdienst am Sonntag in Romanshorn erhielten sie dafür viel Lob.

Markus Schoch
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Kurt Aufdereggen (rechts) vom Verein oeku mit Vertretern der zertifizierten Kirchgemeinden. (Bild: Markus Bösch)

Kurt Aufdereggen (rechts) vom Verein oeku mit Vertretern der zertifizierten Kirchgemeinden. (Bild: Markus Bösch)

Es war ein langer und nicht immer einfacher Weg. Doch nun sind sie nach fast zwei Jahren am Ziel. Die katholischen Kirchgemeinden Arbon, Ermatingen, Güttingen, Romanshorn und Sirnach können seit kurzem das Label «Grüner Güggel» tragen, das ihnen einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt attestiert.

Am Sonntag erhielten sie in Romanshorn im Rahmen eines Gottesdienstes die entsprechenden Zertifikate – als erste Kirchgemeinden in der Schweiz. Damit sei ein wichtiger Schritt in der Kirchenlandschaft zu mehr Nachhaltigkeit getan, sagte Priester Toni Bühlmann.

«Kann nicht so weitergehen»

Die Menschheit lebe über ihren Verhältnissen, meinte die Romanshorner Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann, die Präsidentin der landeskirchlichen Kommission Kirche und Umwelt. «Auf Dauer kann es nicht so weitergehen.» Der grüne Güggel sei ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. «Seinen Weckruf haben die fünf Kirchgemeinden im Thurgau als erste in der Schweiz gehört.»

Nach Meinung von Werner Federer aus Arbon lohnt sich der Aufwand für das Umweltmanagement in jeder Beziehung. Nötig sei aber eine langfristige Sichtweise. «Wenn wir Strom, Öl und Papier sparen, ist das auf Dauer gut für die Umwelt und gut für unsere Finanzen.»

Umweltschutz habe sehr viel mit Kirche zu tun, sagte Urs Ziegler von der katholischen Kirchgemeinde Güttingen. Die Kirche sei Teil dieser Welt, und darum könne es ihr nicht egal sein, wenn «wir bald den letzten Fisch aus den Meeren ziehen». Auch der wachsende Energieverbrauch könne der Kirche nicht egal sein, sagte Erich Grob aus Sirnach. Deshalb seien in seiner Gemeinde LED mittlerweile die Leuchtmittel der Wahl. «Wir sparen damit bis zu 90 Prozent Strom.» In Romanshorn sind die Radiatoren nur warm, wenn der jeweilige Raum auch wirklich gebraucht wird. Auf- und abdrehen lassen sie sich übers Handy. «Das ist einer unserer grössten Erfolge», meinte Daniel Anthenien. Am meisten nachdenklich gemacht hat Regina Karli aus Ermatingen, dass die Lampen der Notausgang-Hinweise in ihrer Kirchgemeinde seit langem nicht mehr gebrannt hätten, was niemandem aufgefallen sei.

Ausdruck von Nächstenliebe

Der Grüne Güggel sei nicht nur ein Zertifikat, sondern sei auch Ausdruck «der Spiritualität und der Nächstenliebe», sagte Kurt Aufdereggen vom Verein «oeku Kirche und Umwelt». Für den Romanshorner Stadtrat Patrik Fink ist die Einführung eines Umweltmanagements auf Ebene der Kirchgemeinden «ein ganz wichtiger Schritt». Er hoffe, dass viele Behörden dem Beispiel von Arbon, Ermatingen, Güttingen, Romanshorn und Sirnach folgen werden. Auch wenn er nur zu gut wisse, mit wie viel Arbeit das Label verbunden sei.

Er habe grossen Respekt vor der Leistung der fünf Kirchgemeinden, erklärte Cyrill Bischof, der Präsident des katholischen Kirchenrates. Dankbar sei er insbesondere Gaby Zimmermann, die seinerzeit die Initiative ergriffen habe. Und Umweltberater Andreas Frei. «Ohne ihn gäbe es das Projekt nicht.»