Grosses Gezänk um kleinen Kreisel

ARBON. 1215 Personen verlangen in einer Petition den Rückbau des «Pseudo-Kreisels» beim Rosasco. Die Exekutive liess zwar Varianten studieren, will aber am Status quo nicht gross rütteln. Hoffnung macht ihnen jetzt Stadtrat Peter Gubser.

Max Eichenberger
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Andreas Balg Stadtpräsident Arbon

Andreas Balg Stadtpräsident Arbon

An der Informationsveranstaltung im Metropol, wo die Ergebnisse der Studie am Mittwochabend präsentiert werden, wird deutlich: Gubser und Stadtpräsident Andreas Balg haben unterschiedliche Wahrnehmungen der Kreuzungssituation. Es gibt auch Differenzen, wie der Knoten gelöst werden soll.

Beispiel Altstadt wegweisend?

Ein Jahr sorgte in der Altstadt die Verkehrsführung für rote Köpfe. Inzwischen ist die Stadt wieder zurückgekehrt zum Zustand, wie er vorher war. Auf Geheiss des Kantons. Die provisorisch eingeführte Einbahnregelung ist vom Tisch. Im Städtli, wo jetzt Rechtsvortritt gilt bei weiterhin Tempo 30, ist wieder Ruhe eingekehrt. Und mit 3500 Fahrzeug

Andreas Balg Stadtpräsident Arbon

Andreas Balg Stadtpräsident Arbon

en pro Tag die Belastung der Hauptstrasse im grünen Bereich.

Für alle ist akzeptabel, so wie der Verkehr jetzt wieder fliessen kann. Dieses Verkehrsregime, kann man annehmen, dürfte in einer künftigen Begegnungszone so bestehen bleiben. Das Projekt wird planerisch vorbereitet. Bis 2020 soll es Stadtpräsident Andreas Balg zufolge etappenweise realisiert werden. Die Arboner werden darüber noch abzustimmen haben. Vorher ist aber noch das Parlament am Zug.

Kritik neu aufgeflammt

Die Wogen sind im Städtli geglättet. Was man bei der Bahnhofstrasse nun gar nicht sagen kann. Als verkehrsberuhigende Massnahme vor gut einem Jahr erstellt, um den «Durchfahrtwiderstand» Richtung Altstadt zu vergrössern, wie die Planer sagen, erregt der Mini-Kreisel beim UBS-Geschäftshaus die Gemüter weiter stark. Die Kritik, die in einer von 1215 Personen unterschriebenen Petition gipfelte, die den Rückbau fordert, ist nicht abgeebbt. Sie flammt jetzt erst recht neu wieder auf.

Bei der Übergabe der Petition hatte der Stadtrat versprochen, die getroffene Massnahme zu überprüfen wie auch mögliche Optimierungen zu studieren. In seinem Auftrag hat das Ingenieurbüro Wälli neun Varianten untersucht und skizzenhaft aufgezeigt: von einem Doppel- oder Ovalkreisel über eine grosszügige Platzlösung bis zu einfacheren Varianten wie Rechtsvortritt.

«Lösung ist nicht optimal»

Konfliktsituationen könne es heute geben, wenn beim Kreisel «gerade durchgefahren» wird, räumt Stadtpräsident Andreas Balg zwar ein.

Peter Gubser Stadtrat Arbon

Peter Gubser Stadtrat Arbon

«Optimal ist die Lösung sicher nicht. Kreisel und Signalisation werden nicht richtig gelesen.» Eine mögliche Verbesserung der Sicherheit sollte, wenn, dann «einfach, praktikabel und kostengünstig» umgesetzt werden können.

Warten auf Verkehrsrichtplan

Mehrheitlich tendiert der Stadtrat jedoch dazu, den jetzigen Zustand faktisch zu belassen. Er will im Blick auf die Revision der Ortsplanung 2018, die «Taktgeberin» sei, ein gesamtheitliches Verkehrskonzept für die Bahnhofstrasse entwickeln. Dieses soll dann in den neuen Verkehrsrichtplan einfliessen.

«Unangemessenen Aufwand bis dahin will Balg jedenfalls vermeiden. Dies auch darum, weil laut Stadtplaner Thomas Wiegand «eine Abhängigkeit zu den im Raum stehenden Entwicklungen an der Bahnhofstrasse» bestehe. So verwies Wiegand auf die geplante Neunutzung des Metropol-Areals (Projekt «Riva»). Zum Gestaltungsplan gebe es da «seitens der Denkmalpflege noch offene Fragen». Beim «Fenster zum See» liege eine «hochwertige Gestaltung» im öffentlichen Interesse. Dieses tangiert ebenso das Bahnhofareal. Und beim freiwerdenden Jumbo-Gelände am See stehe ein Architekturwettbewerb an.

Gubser hätte eine Lösung

Peter Gubser, erst seit einem halben Jahr Stadtrat, macht keinen Hehl daraus, dass er die Petition mitunterzeichnet hat, die den Rückbau des «Pseudo-Kreisels» fordert. Seine Meinung hat er nicht geändert. Analog dem Städtli, teils im Bergli und an der Landquartstrasse sähe er die Variante Rechtsvortritt im gesamten Rosasco-Knotenbereich als zweckmässig-einfache, sicherere und günstige Lösung. «Autofahrer erstellen Bremsbereitschaft und fahren vorsichtiger. «Der Rechtsvortritt funktioniert tiptop. Darauf ist man im Städtli bereits eingestimmt», findet Gubser nicht nur bei André Mägert und Jack Germann Zuspruch. Statt eine gefährliche und verwirrliche Situation hätte man eine klare und einheitliche «Unité de doctrine». Aus der Versammlung ist der Druck spürbar gross, der Stadtrat solle jetzt diesem breiten Willen vieler Arboner nachgeben und rasch ein Planungsverfahren einleiten.

Klares Meinungsbild

Die Meinung im Arboner Saal im Metropol ist in einem Punkt praktisch einhellig: Der Kreisel gehöre weg. «Mit einem Rückbau des Gebastels bekommen wir eine klare, sicherere Situation», findet Andrea Vonlanthen, einer der Urheber der Petition. Davon hält Max Gimmel nichts, als einziger der Votanten übrigens. Man solle vielmehr auf eine «definitive Lösung» 2018 hinarbeiten. «Der Verkehr ist eindeutig langsamer geworden.»

Balg: In der Pflicht beim Bund

Zwei Hauptgründe führen Stadtpräsident Balg und Rainer Heeb, Sachbearbeiter Tiefbau, ins Feld, weshalb die Stadt nicht grundsätzlich von ihrer Linie abzuweichen bereit ist. Arbon sei mit der Finanzierungszusage des Bundes bei der neuen Kantonsstrasse eine Verpflichtung eingegangen, flankierende Massnahmen umzusetzen. Zudem sei keine Einsprache eingegangen, als im Herbst 2014 das Projekt öffentlich aufgelegen hatte.

Prüfender Blick: Stadtpräsident Andreas Balg nimmt modifizierte Varianten entgegen. (Bilder: Max Eichenberger)

Prüfender Blick: Stadtpräsident Andreas Balg nimmt modifizierte Varianten entgegen. (Bilder: Max Eichenberger)

Der Kreisel und die Steine des Anstosses an der Bahnhofstrasse. (Bild: Max Eichenberger)

Der Kreisel und die Steine des Anstosses an der Bahnhofstrasse. (Bild: Max Eichenberger)

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