Grosse Expansion mit kleinen Eiern

Vor 15 Jahren hat der Hauptwiler Martin Rusch seine Milchkühe verkauft und den Betrieb auf Legehennen umgestellt. Das Hauptgeschäft macht er heute mit den Eiern seiner 12 000 Wachteln. Derzeit bemalen er, seine Frau und die Angestellten täglich die zwölf Gramm schweren Delikatessen.

Ruth Bossert
Drucken
Teilen
Für Ostern gefärbte Wachteleier mit den dunklen Sprenkeln.

Für Ostern gefärbte Wachteleier mit den dunklen Sprenkeln.

HAUPTWIL. Bauernsohn Martin Rusch ist Landwirt und Zimmermann und lebt wieder auf dem elterlichen Hof in Hauptwil, doch der klassische Landwirt ist der 43-Jährige nicht. «Ich bin ein Unternehmer und freue mich, wenn ich meine Wachteleier auch im Ausland verkaufen kann», sagt er.

Eier überall verstreut

Das kleine, braune, zwölf Gramm schwere Wachtelei mit den schwarzen Sprenkeln war früher fast nur in Delikatessenläden erhältlich. Importiert wurde es meist aus Frankreich, von Tieren gehalten in Käfighaltung. In der Schweiz gab es nur vereinzelte Wachtelhalter, an eine Grossproduktion dachte kaum jemand. Da Wachteln Flucht- und Bodentiere sind, legen sie ihre Eier nicht in Nester, deshalb liegen diese überall verstreut. Für eine Grossproduktion also nicht geeignet. Zudem gilt in der Schweiz ein Käfighaltungsverbot für die Eierproduktion. Martin Rusch liess sich nicht beirren und konstruierte ein System, um Wachteleier auf tierfreundliche Art und Weise effizient zu produzieren.

Heute legen auf dem Hof von Rusch 12 000 Wachteln praktisch jeden Tag je ein Ei. Das Fütterungs-, Lüftungs- und Tränkesystem und die Entmistungsanlage mit dem automatischen Kotband hat er patentieren lassen. Heute arbeiten Rusch und seine Frau mit sechs Angestellten. Sie sind derzeit mit dem Färben von Eiern beschäftigt. «Weihnachten und Ostern gehören zu unseren Spitzenzeiten», erklärt Rusch. Die grosse Herausforderung sei, die Produktion so zu planen, dass genügend Eier in der gewohnten Frische vorhanden seien. Wie man dies effizient bewerkstelligt, verschweigt der Unternehmer und verweist auf seine Erfahrung. Gefärbte Eier kenne man nur in der Schweiz, doch als österliche Delikatesse oder weihnachtliches Dekor auf dem Salat werden die Wachteleier auch im Ausland geschätzt. Weil auch dort die Konsumenten den Lebensmitteln kritischer gegenüber stehen und sowohl Hühner- wie auch Wachteleier aus Käfighaltung kaum mehr eine Chance haben auf dem Markt, floriere sein Geschäft immer besser. Heute exportiert er 40 Prozent der Eier nach Holland und Deutschland, weitere Zielländer seien Schweden, Dänemark und Norwegen.

Der erste und der letzte im Stall

Das Wachtelei werde aber ein Nischenprodukt bleiben. «Das ist gut, so behalte ich den Überblick.» Der Landwirt sieht sich trotz des Erfolgs nicht als Grossunternehmer. «Früher war ich mehrheitlich im Stall, heute sind der Computer und das Telefon meine Arbeitsgeräte.» So erstaunt es nicht, dass seine Familie kaum mehr gemeinsame Ferien verbrachte. «Ich bin morgens um halb fünf der Erste und abends um zehn Uhr der Letzte, der durch die Ställe geht, denn der kleinste Fehler könnte frappante Folgen haben», erklärt er. Zudem legen die Tiere auch am Wochenende pünktlich ihre Eier.

Ein Wachtelkücken, das zwei Wochen alt ist. (Bilder: Ruth Bossert)

Ein Wachtelkücken, das zwei Wochen alt ist. (Bilder: Ruth Bossert)

Aktuelle Nachrichten