Grosse Bühne für alte Rassen

Damit alte Nutzgeflügelrassen nicht verschwänden, müssten sie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden, sagt Astrid Spiri. An der Olma zeigt sie Appenzeller Spitzhaubenhühner, Diepholzer Gänse und Schweizer Hühner.

Ruth Bossert
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Astrid Spiri hält eine ihrer schneeweissen Gänse im Arm. (Bild: Ruth Bossert)

Astrid Spiri hält eine ihrer schneeweissen Gänse im Arm. (Bild: Ruth Bossert)

NEUKIRCH A. D. THUR. Im Zuhause von Astrid Spiri ist es ein paar Tage vor Olma-Beginn noch ruhig und still. Vor der Haustüre schnattern die schneeweissen Gänse, sie picken friedlich ihre Leckerbissen im Gras, und ein grosses, fünf Kilogramm schweres Prachtexemplar lässt sich von Astrid Spiri sogar auf den Arm nehmen. Das Tier scheint die Liebkosung zu geniessen, während die Halterin von ihrer eigenen Zuneigung, ihrer besonderen Empathie erzählt.

«Diese stolzen, rundlichen Diepholzer Gänse gehören zu den in Vergessenheit geratenen Geflügelrassen und haben es mir einfach angetan. Die Arbeit mit ihnen macht mir grosse Freude und bringt mir viel Entspannung im Alltag», erzählt die 42jährige Familienfrau, die vor einigen Jahren das Bauernhaus ihrer Grossmutter erwerben konnte. Im Moment leben zwei Appenzeller Spitzhaubenhühner, acht Schweizer Hühner mit einem Hahn und drei Gänse bei ihr.

Bruteier und Zuchttiere

Astrid Spiri ist nicht nur Züchterin, sie engagiert sich auch im Züchterverein ursprünglichen Nutzgeflügels (ZUN) mit 550 Mitgliedern aus der ganzen Schweiz. Seit acht Jahren ist sie Präsidentin. Zudem führt sie seit 2001 in einer Teilzeitanstellung das Herdebuch und fungiert als Tierkoordinatorin. «Mit dieser Arbeit bin ich sozusagen mittendrin», sagt sie lachend und erklärt, dass sie bei der Vermittlung von Bruteiern und Zuchttieren behilflich sei. Dies bringe ihr viel Abwechslung und mache Spass. Angefangen habe ihre zunehmende Leidenschaft vor bald 17 Jahren mit ganz normalen Hybridhühnern – wegen der Eierproduktion, erzählt sie. «Wir sind eine <süsse> Familie und ich backe sehr gern, deshalb waren die frischen Eier stets willkommen.» Das sei auch heute noch so. Hingegen habe sie sich von den «Wirtschaftshühnern», die lediglich zum Eierlegen ihr Dasein fristen, längst verabschiedet. Auch wenn sie auf einem Bauernhof aufgewachsen war, kannte sie den Unterschied zwischen Rassetieren und Hybriden nicht.

Astrid Spiri lernte erst durch den Kontakt zu Pro Specie Rara und ZUN, wie wichtig es ist, Rassetiere nicht nur zu halten, sondern auch zu züchten. Später kamen Diepholzer Gänse und die Spitzhaubenhühner dazu, die momentan ihr ganz besonderer Stolz sind.

Neue Kontakte knüpfen

Zwei dieser speziellen Hühner Astrid Spiris sind an die Olma nach St. Gallen gebracht worden, wo sie sich mit ihrem auffälligen Kopfschmuck – die Federhaube erinnert an die Haube der Appenzeller Sonntagstracht – den Besuchern präsentieren. Für Astrid Spiri ist das eine willkommene Gelegenheit, einer breiten Öffentlichkeit seltene Geflügelrassen zu zeigen und mit potenziellen neuen Züchtern ins Gespräch zu kommen. «Das Halten und Züchten der alten Rassen macht Spass und gewährleistet, dass die genetische Vielfalt erhalten bleibt», sagt Astrid Spiri.

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