GRISTENBÜHL: Gemeinderat zückt jetzt Plan B

Das alte Schulhaus im Gristenbühl oberhalb des Neukircher Dorfkerns und das Umland verbleiben im Eigentum der Politischen Gemeinde. Die Egnacher wollen nicht, dass das Land verkauft und verdichtet überbaut wird.

Max Eichenberger
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«Gristenbühl» thront über dem Dorfkern. Die Egnacher wollen es mit dem Umschwung im öffentlichen Besitz halten und keine Überbauung, welche diese Visualisierung zeigt. (Bild: pd)

«Gristenbühl» thront über dem Dorfkern. Die Egnacher wollen es mit dem Umschwung im öffentlichen Besitz halten und keine Überbauung, welche diese Visualisierung zeigt. (Bild: pd)

Diese Grundsatzfrage hatte der Gemeinderat den Stimmbürgern vorgelegt. Haushoch, mit mit 1228 Nein-Stimmen, bei gerade mal 312 befürwortenden Stimmen, lehnt das Volk einen Verkauf und damit eine Entwicklung des gut 10'000 Quadratmeter grossen Areals durch die Implenia als Investorin ab. Dies bei einer bemerkenswert hohen Stimmbeteiligung von fast 50 Prozent.
Obsolet wurde damit die zusätzlich gestellte Variantenfrage, welche Überbauungslösung im Fall eines Ja der Vorzug erhalten sollte. Das Siegerprojekt des von der Implenia ausgeschriebenen Wettbewerbs sieht vier um das alte Schulhaus gruppierte neue Baukörper mit 28 Wohnungen vor – und einen Kaufpreis von 3,7 Millionen Franken. Weil diese Volumen von vielen sehr skeptisch beurteilt worden waren und schon im Vorfeld Gegenwind spürbar wurde, liess Implenia als Option eine leicht redimensionierte Variante ausarbeiten mit 24 Neubauwohnungen. Bei der überarbeiteten Wettbewerbslösung hätte sich der Kaufpreis auf drei Millionen reduziert.


Investorin wird sich jetzt zurückziehen

Doch auch diese abgespeckte Variante verfängt nicht. Das Verdikt ist klar. «Für uns ist das keine Tragik. Wir wollten ein klares Meinungsbild, und das haben wir nun», sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler nüchtern. «Wir sind vor allem auch froh, dass wir ein klares Votum bekommen haben: Die Egnacher wollen nicht verkaufen – und auch nicht, dass das Areal in dieser verdichteten Bauweise überbaut wird.»

So bleibe das alte Schulhaus und das Land wohl zumindest eine Generation in öffentlicher Hand. Nach dem Volks-Nein werde sich auch die Investorin zurückziehen. Der Urnenentscheid hat auch finanzpolitische Konsequenzen. Vordergründig ist es ein Verkaufserlös, welcher der Gemeinde entgeht, die das Land ihrerseits von der Volksschulgemeinde übernommen hatte, um es mit ihrem planerischen Knowhow einer Entwicklung zuzuführen. «Wesentlicher aus unserer Sicht», so Tobler, «wäre das zusätzliche Steuersubstrat gewesen, das mit einer Realisierung des Projekts hätte gebildet werden können.»

Plan B: Schulhaus zu Wohnzwecken umbauen

Verschiedene Ablehnungsgründe hätten sich wohl kumuliert, meint Stephan Tobler. Die einen sähen lieber Villen auf dem Hügel, andere äusserten sich generell gegen etwaige Überbauungspläne; das Gebiet sollte in der öffentlichen Hand belassen werden. Einer Zonenplanänderung für ein Villenviertel etwa würde der Kanton sowieso nicht zustimmen, sagt Gemeindepräsident Tobler. Die Landgemeinde Egnach mit ihren vielen Streusiedlungen sei vom Gesetzgeber bei ihrer künftigen Entwicklung gehalten, verdichtet zu bauen. Auf dieser Linie lag das Investorenprojekt, das die Gemeinde mit der Implenia eingefädelt und nun indirekt an der Urne eine Abfuhr bekommen hat.

Jetzt nimmt der Gemeinderat den «Plan B» aus der Schublade und bäckt kleine Brötchen: Man werde sich daran machen, das in seiner Erscheinung denkmalgeschützte ehemalige Sekundarschulhaus umzunutzen und sieben Wohnungen einzubauen. Dies sah auch Implenia in beiden Projektvarianten vor, die jetzt Makulatur sind. Der aus den Sechzigerjahren stammende Anbau soll abgebrochen werden. Einen entsprechenden Projektierungskredit stellt Tobler auf die nächste Budgetversammlung im Dezember in Aussicht.