Gratwanderung zum Hotel

ROMANSHORN. Die Hess Investment will ein Hotel am Hafen in Romanshorn bauen und braucht dafür Land von der Stadt. Zur Debatte steht der Verkauf oder die Abtretung im Baurecht. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Markus Schoch
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Stadtpräsident David H. Bon und 35 Besucher diskutierten auf der Hafenpromenade und später im Bistro Panem über das geplante Hotel am See. (Bild: Markus Schoch)

Stadtpräsident David H. Bon und 35 Besucher diskutierten auf der Hafenpromenade und später im Bistro Panem über das geplante Hotel am See. (Bild: Markus Schoch)

Die Abstimmung ist zwar erst in einem halben Jahr. Aber sie bewegt schon heute die Gemüter. Rund 35 Personen folgten am Samstagmorgen der Einladung der FDP zu einem Informations- und Diskussionsanlass über das geplante Hotel auf der Hafenpromenade, das die Hess Investment aus Amriswil dort gerne bauen würde. Dafür braucht das Unternehmen aber etwa 3000 Quadratmeter Land von der Stadt.

Ob sie es auch erhält, und zu welchen Bedingungen – darüber wird die Bevölkerung voraussichtlich im Juni an der Urne entscheiden. Die Details müssen noch geklärt werden. Vor allem die Frage: Soll die Stadt das Land an bester Lage ganz aus der Hand geben und verkaufen, oder soll sie es bloss im Baurecht für eine gewisse Zeit an die Hess Investment abtreten? Beide Varianten sind möglich, und beide Varianten haben Vor- und Nachteile, wie Immobilientreuhänder Daniel Güntzel erklärte.

Was passiert bei Vertragsende?

Bei der Variante «Verkauf», die für den Stadtrat im Moment im Vordergrund steht, hielt sich Güntzel bei seinen Ausführungen nicht lange auf. Da es nicht viel zu erklären gibt.

Etwas komplizierter sind die Verhältnisse bei einer Baurechtslösung, die beispielsweise für das Bistro Panem gewählt wurde, wie Architekt Dieter Bötschi in Erinnerung rief. In diesem Fall kann die Stadt frühestens in 30 und spätestens in 100 Jahren wieder über das Land verfügen – je nach Laufzeit des Vertrages. Allerdings möglicherweise nicht zum Nulltarif, wie Güntzel erklärte. Denn das Hotel müsste sie ebenfalls übernehmen, falls der Vertrag nicht verlängert (oder gekündigt) werden sollte. Dass sie das Gebäude dereinst gratis erhält, kann zwar prinzipiell vereinbart werden. «Es ist aber heute nicht mehr üblich», sagte Güntzel. Und wenn, würde der Eigentümer zum Ende hin sicher nicht mehr viel investieren, bemerkten verschiedene Versammlungsteilnehmer. Die Stadt erhielte also unter Umständen eine Ruine. Das andere Extrem: Romanshorn muss am Tag X den Marktwert für die Immobilie bezahlen, was zum finanziellen Problem werden könnte, wenn der Preis bei 20 Millionen Franken liegen sollte, meinte Stadtpräsident David H. Bon. «So oder so wäre Stadt plötzlich Hotelbesitzer.

Der so genannte Heimfall ist jedoch nicht der einzige Punkt, der bei Abgabe des Landes im Baurecht genau geregelt sein müsste. Nebst der Höhe des Zinses brauche es in jedem Fall auch klare Bestimmungen beispielsweise darüber, wie das Gebäude genutzt werden darf, falls es mit dem Hotel nicht klappen sollte, meinte ein Besucher der Veranstaltung. Die Zimmer als Wohnraum zu vermieten, komme heute schon aus zonenplanrechtlichen Gründen nicht in Frage, erklärte Bon. Sollte ein dauerndes und selbständiges Baurecht vereinbart werden, was die Regel ist, wäre die Hess Investment frei, das Hotel jederzeit zu veräussern. Wobei sich die Stadt das Vorkaufsrecht sichern könnte.

Wie viel Geld geben die Banken?

Dass die Banken für ein Hotelprojekt auf Baurechtsbasis grundsätzlich keine Kredite geben würden, stimme nicht, meinte Beat Hirt, der CEO der Provida-Gruppe. Aber die Höhe der Belehnung sei unter Umständen im Vergleich zum Kauf tiefer, entgegnete Bon. Und wenn man als Investor bei Hotelprojekten grundsätzlich viel Geld bringen müsse und dann nur wenig Fremdkapital erhalte, könnte das zum Problem werden.

Die Stadt strebe in jedem Fall einen einfachen, klar verständlichen Vertrag an, erklärte Bon. Die Bestimmungen müssen für die Bevölkerung gut nachvollziehbar sein. Mit der Hess Investment als Verhandlungspartner stünden die Chancen gut, dieses Ziel zu erreichen. «Die Verantwortlichen denken ähnlich wie wir.» Letztlich müsse es für beide Seiten stimmen», betonte Bon. «Wir müssen einen Mittelweg finden.»

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