Grande Dame des Friedheims

Zum Gedenken

Hans Ruedi Fischer (fis)
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Els Hägeli (1913 – 2017) (Bild: Donato Caspari)

Els Hägeli (1913 – 2017) (Bild: Donato Caspari)

Els Hägeli-Bissegger, die einstige Lehrerin und «Friedheim-Mutter», ist nach fast 104 Jahren ­Erdenwanderung an ihrem irdischen Ziel angekommen. Ihre Asche ruht im Gemeinschaftsurnengrab auf dem Weinfelder Friedhof. Dass ihr Name als letzter auf einer der grossen Schrifttafeln angebracht worden ist, hat wohl symbolischen Wert: Die Heimgegangene gehörte zur Dorfgemeinschaft; sie nahm Anteil am kirchlichen und kulturellen Geschehen in Gemeinde und Kanton, so lange es ihr die Gesundheit erlaubte; solche Gnade war ihr bis wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag im Herbst 2013 geschenkt.

Els Hägelis Wiege stand im «Rössli» in Mettlen, wo sie mit zwei Brüdern aufwuchs; einer ihrer Sekundarlehrer in Schönholzerswilen war der nachmalige Regierungsrat Rudolf Schümperli. Nach dem Abschluss ihrer vier Seminarjahre in Kreuzlingen musste sich die junge Lehrerin mit verschiedenen Einsätzen in sozialen und privaten Einrichtungen behelfen, weil Lehrerüberfluss herrschte. Im Welschland und in Paris weitete Hägeli ihren Horizont. Als gewählte Lehrerin wirkte sie – zum Teil über mehrere Jahre – an der Unterstufe in Pfyn, Aadorf und Bischofszell.

Frauen und Männer, selber bald in den Achtzigern stehend, tauschten am Abschiedstag durch Tränen lachend Erinnerungen aus. 1953 heiratete die Vierzigjährige den «Friedheim»-Leiter August Hägeli und übernahm damit Aufgaben sowohl in dessen Familie als auch als Hausmutter in der Gemeinschaft von über 50 Schützlingen. «Ich musste viel lernen und machte viele Fehler, aber immer mehr erfüllte mich diese ganzheitliche, arbeitsintensive Aufgabe», hält Els Hägeli in ihren Erinnerungen fest. Nach der Pensionierung zog das Ehepaar in ein Eigenheim auf den Sonnenbühl in Weinfelden, das nach dem Tod von August Hägeli auch auswärtigen jungen Leuten Heimstatt bot.

1992 entschloss sich Els Hägeli zum Umzug in eine Wohnung im Alterszentrum in Weinfelden. Geistig und körperlich gesund durfte sie dort manch gutes Jahr verbringen. In den letzten vier Lebensjahren wohnte die Hochbetagte im Pflegeheim in Weinfelden, wo sie während langer Zeit als anteilnehmende Besucherin hoch willkommen gewesen war.

Hans Ruedi Fischer (fis)

weinfelden@thurgauerzeitung.ch