GOTTLIEBEN: Mehr Bestellungen und eine regere Produktion

Die Arbeitgeber in der Region Kreuzlingen blicken verhalten zuversichtlich in die Zukunft.

Kurt Peter
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«Das Nein zur Unternehmensteuerreform III ist ein Beben, ein Aufstand des Mittelstandes gegen vermeintliche Eliten», sagte Jürg Kocherhans, Präsident des Arbeitgeberverbandes Kreuzlingen und Umgebung (AGV), an der Generalversammlung im Waaghaus. Sorge bereitete ihm die Diskussion um die Sicherung der Sozialwerke. Die demografische Entwicklung bringe die AHV aus dem Gleichgewicht. «Die Renten aus der zweiten Säule schmelzen wie Schnee in der Sonne.» Das System mache die steigende Lebenserwartung nicht mit, die Sozialwerke müssten die Entwicklung nachvollziehen. Ein höheres Rentenalter mit individueller Branchenlösung bezeichnete er als gerecht.

Monica Müller gehört neu zum Vorstand

In seinem Jahresbericht ging Sekretär Fabian Kapfhamer auf die wirtschaftliche Entwicklung im Thurgau ein. Die Stimmung in der Industrie bessere sich. Der Grossteil der Betriebe bezeichne die Lage als «befriedigend». Auf das erste Quartal 2017 blickten die Industriebetriebe verhalten zuversichtlich. «Sie erwarten eine leicht regere Produktion und etwas lebhafteren Bestelleingang». Das Baugewerbe erfreue sich nach wie vor einer guten Geschäftslage. Die Rechnung des AGV schloss mit einem Gewinn von 1500 Franken, das Eigenkapital stieg auf 277000 Franken. Dennoch stellte der Vorstand den Antrag, den Beitrag um 30 Franken zu erhöhen. «Die Luft ist bald draussen», sagte Kocherhans. Der Erfolg der Veranstaltungen belaste die Vereinskasse. Der Antrag wurde angenommen. Für den zurückgetretenen Roland Ellenbroek wurde Monica Müller von der Chocolat Bernrain AG in den Vorstand gewählt.

Karin Frick, Leiterin Forschung und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts, ging in ihrem Referat auf «die Zukunft der Arbeit» ein. Die Herausforderung sei die Digitalisierung, meinte sie. Künstliche Intelligenz übernehme menschliches Tun, «es ist ein dramatischer Wandel». Heute seien es die Softwarefirmen, welche den Takt angäben und die Spielregeln bestimmten. Digitalisierung bedeutete Spannungsfelder und Chancen.

Frick sprach von einem Systemwechsel in allen Branchen. Doch «das Alte funktioniert nicht mehr und das Neue ist noch nicht richtig entstanden». Kritik und Bedenken seien vorhanden, doch es komme darauf an, was man mit der neuen Technik mache. «Die neuen Möglichkeiten sind spannend», meinte Frick. Sie hätten Auswirkung auf die Gestaltung der Arbeit. «Wir wechseln von der Hierarchie zum Netzwerk, einer Struktur mit anderer Dynamik.» Für Projekte seien freie Mitarbeiter gefragt, immer online und nicht zwingend im selben Büro. Damit «kommen wir zu Feedbacks statt Befehlen zur Steuerung der Unternehmen».

Kurt Peter

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch