GOTTLIEBEN: Kleines Dorf mit viel Geschichte

1251 hat Fürstbischof Eberhard II. das Schloss Gottlieben gebaut. Dieses war auch Gefängnis von Jan Hus und Papst Johannes XXIII. Barbara Kohler-Hippenmeyer hatte auf einem historischen Rundgang viel über das Dorf zu erzählen.

Nicole D'orazio
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Barbara Kohler-Hippenmeyer führt die Teilnehmer durch Gottlieben. Hier ist die Gruppe vor dem Waaghaus. (Bilder: Reto Martin)

Barbara Kohler-Hippenmeyer führt die Teilnehmer durch Gottlieben. Hier ist die Gruppe vor dem Waaghaus. (Bilder: Reto Martin)

GOTTLIEBEN. Um das Schloss Gottlieben ranken sich viele Geschichten. 1251 hat es Fürstbischof Eberhard II. von Konstanz erbaut – als Wasserburg. «Er liess auch eine Brücke über den Seerhein bauen, um den Handel an Konstanz vorbei zu schleusen», erzählt Barbara Kohler-Hippenmeyer. Am Freitagabend führt sie rund 30 Personen auf einem historischen Rundgang durch Gottlieben. Dieser wurde vom Rosgartenmuseum Konstanz organisiert, im Rahmenprogramm der Tägermoos-Ausstellung.

«Im Schloss wurden während des Konstanzer Konzils 1414 bis 1418 der Reformator Jan Hus, sein Anhänger Hieronymus von Prag und später sogar der geflohene und abgesetzte Papst XXIII. gefangen gehalten.» Während des Schwabenkrieges 1499 sei das Schloss besetzt worden. «Die Schlacht von Schwaderloh fand hier bei Gottlieben statt.» Später hat Louis Napoleon das Schloss erworben und liess es 1824 in einen italienischen Palazzo umbauen. 1950 hat es schliesslich die Opernsängerin Lisa della Casa gekauft und lebte dort bis zu ihrem Tod 2012. Nun lebe noch deren Tochter im Schloss, sagt Kohler-Hippenmeyer. «Leider ist es nicht zugänglich.»

Der Bischof ass viel Fisch

Gottlieben sei so eine kleine Gemeinde, weil der Bischof nicht erlaubte, dass die Einwohner viel Grundbesitz besassen. «Sie mussten fischen. Anscheinend forderte er 15 000 Fische im Jahr.» Während des 30jährigen Krieges sei Gottlieben vom schwedischen Feldherrn Gustav Horn besetzt worden. «Die Bevölkerung ist dabei verarmt. Das besserte sich, als Gottlieben 1678 das Marktrecht erhielt», sagt die Referentin. «Mit dem Salzhandel wurde Gottlieben wichtig und reich.» 1795 hätten sich die Gottlieber auch aus den Klauen des Bischofs befreien können.

Ein Treffpunkt für Künstler

Viele Häuser in Gottlieben seien im 17. Jahrhundert erbaut worden und zeugten von den guten Zeiten des Salzhandels, erzählt Barbara Kohler-Hippenmeyer. «Es gibt sehr viele Handels- und Lagerhäuser. Zum Beispiel das Klunkerhaus an der Kirchstrasse oder auch das Bodmanhaus.» Dieses sei erst später zum Treffpunkt vieler Künstler geworden. «Rainer Maria Rilke oder auch Hermann Hesse waren hier zu Besuch.»

Die Drachenburg gehöre zu den schönsten Riegelbauten des Kantons, sagt sie. «Sie war auch mal ein Eisenlager.» Und das Waaghaus sei auch ein Lager- und Waschhaus gewesen und hätte zudem eine Schreinerei und eine Wirtschaft beherbergt. Das Haus zum Hecht sei das älteste Haus in Gottlieben, weiss Kohler-Hippenmeyer. «1597 war es ein Wohnturm.» Ein unschönes Kapitel habe sich 1692 ereignet: Die «Krone» und angrenzende Häuser seien in den Seerhein gerutscht. «Viele Kantone haben Holz gespendet, um danach den Boden mit einem Holzrost zu stärken.»

Das Bodmanhaus und dahinter das alte Schulhaus. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Das Bodmanhaus und dahinter das alte Schulhaus. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Klunkerhaus aus dem 17. Jahrhundert an der Kirchstrasse. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Klunkerhaus aus dem 17. Jahrhundert an der Kirchstrasse. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))