GÖTIGHOFEN: Dicke Post aus Frauenfeld

Eine Arbeitsgruppe empfiehlt dem Thurgauer Regierungsrat die Bildung einer Volksschulgemeinde unter Einschluss Götighofens. Sie macht primär pädagogische und wirtschaftliche Gründe geltend.

Georg Stelzner
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Die Schulanlage der Primarschulgemeinde Götighofen liegt zwischen den Dörfern Götighofen, Heldswil und Buchackern. (Bild: Georg Stelzner)

Die Schulanlage der Primarschulgemeinde Götighofen liegt zwischen den Dörfern Götighofen, Heldswil und Buchackern. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

40 Seiten lang ist der Bericht jener Arbeitsgruppe, die im Auftrag des Departements für Erziehung und Kultur (DEK) eine Analyse zum geplanten Zusammenschluss von vier Schulgemeinden in der Region Sulgen zu einer Volksschulgemeinde erstellt hat. Das fünfköpfige Gremium unter der Leitung von DEK-Generalsekretär Paul Roth bleibt eine klare Antwort nicht schuldig.

Die Arbeitsgruppe kommt zum Schluss, dass einzig mit der Bildung einer Volksschulgemeinde (VSG), der auch Götighofen angehört, die gesetzlich definierten Voraussetzungen erfüllt werden können. Basierend auf dieser ­Erkenntnis, empfiehlt die Arbeitsgruppe dem Regierungsrat, den Zusammenschluss anzuordnen. Dies trotz des klaren Neins der Götighofer Schulbürger zur Beteiligung an einer VSG.

Warten auf den Entscheid des Regierungsrates

Für Thomas Müller, Präsident der Primarschulgemeinde Götighofen, kommt die Einschätzung der Arbeitsgruppe keineswegs überraschend: «Das hat sich nach dem Auftritt von Regierungsrätin Knill und Generalsekretär Roth an unserer Gemeindeversammlung im März abgezeichnet.» Er habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, gibt sich Müller kämpferisch. Man werde den Bericht genau analysieren und eine Stellungnahme zu Handen des Regierungsrates verfassen.

Weniger gelassen reagiert Kilian Zwick. Das frühere Mitglied der Götighofer Schulbehörde fragt sich, «was ein demokratischer Entscheidungsprozess soll, wenn danach fremdbestimmt wird». Zwick wirft dem DEK vor, Fakten zu missachten, Zahlen zu frisieren und Argumente zu vertauschen. «Wir hoffen auf die Einsicht und das Verständnis des Regierungsrates, dass er einer funktionierenden Institution wie der Primarschule Götighofen es zutraut, die eigene Zukunft erfolgreich zu gestalten.»

Die Arbeitsgruppe räumt ein, dass die Primarschulgemeinde Götighofen unter schulisch-päda­gogischen Gesichtspunkten zurzeit nicht gefährdet sei. Das päda­gogische Modell entspreche den gesetzlichen Vorgaben. Längerfristig wären die Möglichkeiten zur Anpassung bei sinkenden Schülerzahlen jedoch begrenzt. Kritisch angemerkt wird auch, dass das Angebot an sonder­pädagogischen Massnahmen und Fördermöglichkeiten wegen der geringen Schülerzahl beschränkt sei. Dasselbe gelte für Angebote wie Schulische Sozialarbeit und Mittagsbetreuung. Der Zusammenschluss zu einem grösseren Gebilde sei deshalb angezeigt.

Auch wirtschaftlich wäre ein Alleingang Götighofens problematisch, urteilt die Arbeits­gruppe. Sie gibt zu bedenken, dass die externe Beschulung der Götighofer Sekundarschüler einen jährlichen Verlust in der Rechnung zur Folge hätte. «Auch wenn sich die Bilanzsituation aus heutiger Sicht sehr positiv darstellt, ist die künftige Entwicklung unsicher», heisst es im Bericht. Veränderungen wirkten sich rasch und stark auf die Finanzen einer Kleinstschule aus.

Demokratiepolitische Bedenken hat die Arbeitsgruppe nicht. Es sei zu berücksichtigen, dass sich die Stimmbürger der drei beteiligten Primarschulgemeinden am 7. Februar insgesamt mit einer deutlichen Mehrheit für den Zusammenschluss ausgesprochen hätten. Zudem stehe jeder demokratische Entscheid auf Schulgemeindeebene unter dem Vorbehalt der kantonalen Bewilligung.