Glocken sollen nachts schweigen

WEINFELDEN. Die Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch-Weinfelden entscheidet nächste Woche definitiv, ob der Glockenschlag zwischen 22 und 6 Uhr abgestellt wird. Sie kann sich dabei auf Unterstützung aus der Rechnungsversammlung berufen.

Esther Simon
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Evangelische Kirche: Keine Glocken mehr ab 22 Uhr. (Bild: Susann Basler)

Evangelische Kirche: Keine Glocken mehr ab 22 Uhr. (Bild: Susann Basler)

Die Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch-Weinfelden will den Glockenschlag zwischen 22 und 6 Uhr abstellen. Der definitive Beschluss liegt zwar in der Kompetenz der Kirchenvorsteherschaft; die Behörde wollte aber doch zuvor die Meinung der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger einholen. 59 Frauen und 55 Männer waren am Montagabend für diese Diskussion in die Kirche gekommen.

Auslöser für den Entscheid der Kirchenvorsteherschaft waren Reklamationen von Privaten und der Hotellerie bei der Politischen Gemeinde gewesen, die daraufhin die Beteiligten an einem runden Tisch versammelt hatte.

Das Dorf nicht entzweien

Das Thema sei delikat, räumte der Präsident der Kirchenvorsteherschaft, Helmut Wiegisser, ein.

Die einen würden den Glockenschlag als Tradition schätzen, andere dagegen, vielleicht Kranke und Schlaflose, hätten ihn weniger gern. Zu berücksichtigen sei, dass die Glocke sehr gross sei und laut schlage, und dass in der Nähe der Kirche viele Menschen leben. Man wolle das Dorf nicht entzweien in der Frage, ob nun nachts die Glocken die Stunden anzeigen oder nicht.

«Als Kirchgemeinde sollte man zu einer Lösung fähig sein, die an einem Rechtsstreit vorbeiführt», sagte Wiegisser.

Sie fände es sehr schade, wenn nachts die Glocken nicht mehr schlagen würden, sagte eine Kirchbürgerin in der folgenden Diskussion. Das war dann aber auch das einzige Votum, das sich für die Beibehaltung des Glockenschlages aussprach. Alle anderen Redner unterstützten das Vorhaben der Behörde.

Mit den Katholiken war ausgehandelt worden, dass deren Glocken weiterhin schlagen würden, sollte man das Geläute in der evangelischen Kirche unterbinden. «Das ist ein guter Kompromiss», fand Kurt Künzler.

Den Gästen entgegenkommen

Auch er schätze den Glockenschlag, sagte Werner Wiedmer. Es sei nun aber schon das dritte Mal seit 1971, dass man in Evangelisch-Weinfelden über diese Sache debattiert. «Irgendwann sollten wir einen Schritt tun», forderte Wiedmer.

Im Kongresszentrum Thurgauerhof wohnten immerhin 15 000 Menschen jährlich. Diesen Gästen des Dorfes sollte man entgegenkommen, zumal der nächtliche Glockenschlag ja keinerlei religiöse Bedeutung habe, sondern aus der Zeit stamme, als der Mensch noch keine Uhren hatte. Auch der Gemeinderat sei der Auffassung, dass es sich um eine sehr gute Lösung handelt, wenn die Evangelischen den Glockenschlag abstellen und die Katholiken beim Geläute bleiben, sagte Peter Jünger.

Markus Vogt forderte die Behörde auf, nun möglichst rasch zu entscheiden. Nach der Versammlung zeigte sich Helmut Wiegisser erleichtert. Die Kirchenvorsteherschaft werde nächste Woche definitiv entscheiden. Abgeklärt werden müsse auch, wie viel die Unterbindung des Glockenschlages koste.