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Glocken legen Nachtruhe ein

WEINFELDEN. Im Zentrum von Weinfelden können nun alle ruhig schlafen. Jedenfalls wird nun zwischen 22 und 6 Uhr niemand mehr durch die Glocken der evangelischen Kirche gestört. Diese werden in der Nacht auf morgen zum ersten Mal abgeschaltet.
Nicole D'orazio
Techniker Martin Meister zeigte sich beim Einbau der Schlagunterbrecher von der Stundenglocke beeindruckt. (Bild: Meinrad Schade)

Techniker Martin Meister zeigte sich beim Einbau der Schlagunterbrecher von der Stundenglocke beeindruckt. (Bild: Meinrad Schade)

Nach vielen steilen und schmalen Treppenstufen, zuoberst im Turm der evangelischen Kirche in Weinfelden, im Raum gleich hinter den Zifferblättern, rumort und hämmert es. Martin Meister und Benni Helg von der Firma Rüetschi AG kauern auf dem staubigen Boden und machen sich mit Schraubenzieher, Bohrmaschine und Hammer an den drei langen Drahtseilen zu schaffen, welche das Uhrwerk und die Hämmer der drei grossen Glocken miteinander verbinden. «Wir haben den Auftrag, den Glockenschlag zwischen 22 und 6 Uhr zu unterbrechen», erklärt Meister.

«Dazu bauen wir in den Hammerzügen Schlagsperren ein.»

Die Hämmer werden im komplizierten Gebilde von Zahnrädern, Seilen und Hebeln zwar weiterhin aufgezogen, doch diese werden so daran gehindert, auf die Glocken zu schlagen. Eine eingebaute Schaltuhr sorgt für das richtige Timing.

Eineinhalb Tage Arbeit

Für die Montage benötigen Meister und sein Arbeitskollege eineinhalb Tage. Heute mittag sollten sie fertig sein und die Glocken diese Nacht das erste Mal schweigen.

«Da es sich hier um ein altes, mechanisches Uhrwerk handelt, ist dies komplizierter als bei einem Motorschlagwerk», erklärt der Kirchturmtechniker. «Wir können dieses nicht einfach unterbrechen, da sonst am Morgen die Zeit nicht mehr stimmen würde.»

Im Turm der evangelischen Kirche sei die Arbeit aber insofern komfortabel, da sich alle Glocken auf der gleichen Etage befinden. «Einfach die Hammerzüge sind noch ein Stock höher.»

Tendenz steigend

Der Auftrag in Weinfelden ist für die beiden Kirchturmtechniker nichts Besonderes. Aufträge, den Glockenschlag zu unterbrechen, kämen zwar nicht jede Woche rein. «Aber die Tendenz ist steigend», erzählt Meister, der seit 1998 in dieser Branche tätig ist. Er könne verstehen, dass sich Anwohner vom Geläute in der Nacht gestört fühlen. «Die Weinfelder Stundenglocke ist aber auch ein besonders imposantes Exemplar.»

Helmut Wiegisser, Präsident der Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch Weinfelden, glaubt, mit dem Abschalten des Glockenläutens über Nacht eine pragmatische Lösung und einen Konsens gefunden zu haben. «Für unsere Entscheidung war zwingend, dass die Glocken der katholischen Kirche in der Nacht weiterhin läuten.» So müssten die Liebhaber des nächtlichen Glockenschlages nicht ganz auf diesen verzichten.

Kosten: 10 000 Franken

Das Einbauen der Schlagunterbrecher kostet rund 10 000 Franken, so Wiegisser. Die Massnahme könne allerdings ohne zusätzliche Kosten wieder rückgängig gemacht werden, sollte dies nötig sein.

«Die Sperren können ganz einfach ein- und ausgeschaltet werden.» In der Silvesternacht werde beispielsweise der Glockenschlag sicherlich zu hören sein. «Das wäre sonst komisch.»

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