«Glaube ist soziales Engagement»

Am 13. Juni ist Robert Schwarzer zum Präsidenten der Evangelischen Kirchgemeinde Arbon gewählt worden. Schwarzer ist seit 1982 gewerkschaftlich tätig. Er wirkt als Branchensekretär Detailhandel der Gewerkschaft Unia.

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Seine langjährige Berufserfahrung wird ihm in seinem Kirchenamt zustatten kommen: Robert Schwarzer. (Bild: Hedy Züger)

Seine langjährige Berufserfahrung wird ihm in seinem Kirchenamt zustatten kommen: Robert Schwarzer. (Bild: Hedy Züger)

Herr Schwarzer, es war nicht leicht, einen Nachfolger für Denise Baumann zu finden. Wie ist das Amt des Kirchenpräsidenten zu Ihnen gekommen?

Schwarzer: Ich wurde von der Wahlkommission angefragt.

Sie sagten in Ihrer Antrittsrede, es liege Ihnen daran, etwas Sinnvolles zu tun. Wo liegt für Sie bei diesem Amt der Sinn?

Schwarzer: Auf der Grundlage des evangelischen Glaubens erachte ich die Tätigkeit einer Kirchgemeinde als sehr sinnvoll. Christlicher Glaube hat für mich auch sehr viel mit sozialem Engagement zu tun.

Eine wichtige Frage ist immer, wie wir miteinander umgehen.

Kennen Sie sich in der Arboner Kirchengeschichte – in Kirchengeschichte überhaupt – aus?

Schwarzer: Geschichte interessiert mich generell sehr. In die Kirchengeschichte werde ich mich noch eingehender einlesen. Für mich ist die Kenntnis der Kirchengeschichte aber nicht eine primäre Anforderung an das Amt eines Kirchenpräsidenten. Ich lebe im Jetzt. und für mich ist entscheidend, was heute geschieht.

Wann und durch wen wurden Sie konfirmiert?

Schwarzer: Das war nach meiner Erinnerung 1967 durch Pfarrer Thüring.

Wer war mit Ihnen in der gleichen Konfirmandenklasse?

Schwarzer: Unter anderen Max Stacher, einer meiner damaligen Schulfreunde.

Erinnern Sie sich an Erlebnisse im Zusammenhang mit Kirche und Konfirmation?

Schwarzer: Wenn Sie eine Geschichte erfahren wollen; am Kirchweg stand ein Birnbaum. An einem Sonntagvormittag holten wir Buben uns da einige der reifen Birnen zum Verzehr.

Zu unserem Schrecken lief unversehens Pfarrer Thüring vorbei… Er nahm die Sache aber mit Humor, an irgendeine Strafe kann ich mich nicht erinnern.

Was sagen Sie zum Vorhaben Neues Pflegeheim Arbon ( NPA)?

Schwarzer: Die evangelische Kirchgemeinde hat am vorletzten Sonntag ihren Willen wiederholt, an diesem notwendigen und sehr sinnvollen Projekt mitzuarbeiten.

Noch gibt es aber verschiedene offene Fragen, die in Zusammenarbeit mit unseren Partnern zu klären sind. Damit verbunden sind auch der Fusions- und der Baurechtsvertrag auszuhandeln.

Welche Ratschläge haben Sie für die evangelischen Mitchristen?

Schwarzer: Ich habe den Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern keine «Ratschläge» zu erteilen. Das liegt mir fern.

Meine Grundhaltung ist die, dass keine und keiner in dieser Gemeinschaft besser ist als die oder der andere. Und vor allem gilt für mich: Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein. In dem Sinne: Wer einen Rat möchte, dem oder der stehe ich gerne zur Verfügung. Ich habe meine Meinung, bin aber nicht so vermessen zu meinen, alles besser zu wissen.

Was sagen Sie Christen, die aus der Kirche austreten?

Schwarzer: Austritte bedauern wir natürlich sehr, und wir müssen uns fragen, was wir allenfalls falsch machen. Ein Austritt kann aber nicht der Weg sein. Besser ist es, sich kritisch zu beteiligen und aktiv seine Vorstellungen einzubringen. Dazu gibt es in der Kirchgemeinde verschiedenste Plattformen. Klar ist, dass wir uns dieser Thematik noch intensiver werden annehmen müssen.

Was nehmen Sie sich selber in Ihrer neuen Aufgabe vor?

Schwarzer: Mein Bestreben ist es, gute Arbeit für die evangelische Kirchgemeinde zu leisten. Ein besonderes Anliegen ist es mir auch, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern der Kirchgemeinde die entsprechende Wertschätzung entgegenzubringen.

Werden Sie sonntags regelmässiger Gast im Gottesdienst sein?

Schwarzer: Ich bin regelmässiger Besucher. Der sonntägliche Kirchenbesuch ist oft eine Frage der persönlichen Organisation und tut einem natürlich gut. Zudem trifft man als «Nebeneffekt» Leute, die man länger nicht mehr gesehen hat, und es gibt nach dem Gottesdienst interessante Gespräche.

Würden Sie in einem islamischen Land eine Moschee besichtigen?

Schwarzer: Wenn es erlaubt wäre: Wieso nicht? Dialog ist immer besser als Verweigerung. Ich besuche auf Reisen gerne wertvolle Baudenkmäler, da sind auch Kirchen anderer Konfessionen darunter.

Als Gewerkschaftssekretär bringen Sie viel Erfahrung im Umgang mit Verhandlungspartnern mit. Lässt sich diese in Ihrer Arbeit an der Spitze der evangelischen Kirchgemeinde nutzen?

Schwarzer: Sicher wird mir meine langjährige Berufserfahrung nützlich sein.

Interview: Hedy Züger

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