Glasfasern sind ein Grundrecht

Güttingen möchte ein Glasfasernetz und klärt die Bedürfnisse der Bevölkerung ab. Die Mehrheit an der Infoveranstaltung sprach sich dafür aus.

Marion Theler
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GÜTTINGEN. Der Güttinger Gemeinderat hat am Montag zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Kommunikationsinfrastruktur eingeladen. Inklusive der Behördenvertreter hörten nur 18 Personen den Ausführungen der Vertreter der Firma click to move zu, die Gemeinden bei der Erstellung von Glasfasernetzen begleitet. Auf dem Plan stand neben einer Einführung in das Thema Glasfasernetz die Erfassung der Bedürfnisse seitens der Bevölkerung. Die wenigen, aber sehr engagiert diskutierenden Anwesenden, waren sich nicht einig, ob ein Glasfaseranschluss praktisch ein modernes Bürgerrecht darstellt. Die Mehrheit befand aber durchaus, dass der mit einem Glasfasernetz ermöglichte Zugang zur praktisch uneingeschränkten digitalen Kommunikation ein Grundrecht sei und dass auch eine Landgemeinde einen solchen Anschluss wie Wasser und Strom zur Verfügung stellen sollte.

Noch nicht angeschlossen

Der Auslöser für den Plan, Güttingen mit Glasfasern zu erschliessen, ist die Tatsache, dass die Gemeinde noch nicht dem TGNet angeschlossen ist. Dies soll spätestens im Frühling nachgeholt werden, damit die Gemeinde ihre EDV zum Amt für Informatik auslagern kann: Das nötige Einziehen der Glasfasern ist in der Investitionsrechnung des Budgets 2015 enthalten. Eine Lösung mit der Swisscom käme zu teuer und sei nicht attraktiv, sagte Gemeindeammann Urs Rutishauser.

Ebenso wichtiger Anstoss sind zwei Überbauungen mit insgesamt über 100 Wohneinheiten: Die Bauherren hätten nachgefragt, ob es möglich sei, einen Glasfaseranschluss bereitzustellen. Damit dies möglich wird, hat der Gemeinderat einen ehrgeizigen Zeitplan aufgestellt: An der Gemeindeversammlung im Mai will er den Kreditantrag für die erste Tranche der Erschliessung mit einem Glasfasernetz vorbringen, sagte Markus Weber, der Ressortchef der Werke. Rutishauser hielt fest, dass in den nächsten fünf Jahren in Güttingen circa 200 neue Wohneinheiten entstehen: Man rechnet mit 450 neuen Einwohnern.

Alexander Huber und Lukas Etzwiler von click to move lieferten dem Publikum vom historischen Abriss der Kommunikationstechnologie bis hin zu politischen Forderungen nach intelligenten Netzen einen Überblick zum Thema Glasfasern. Nur diese symmetrische Breitbandtechnologie werde die stetig wachsenden Bedürfnisse decken können: Das rasche Hochladen von riesigen Datenmengen sei heutzutage genauso wichtig wie das Herunterladen.

Abhängig vom Kauf

Click to move wird bis im Februar konkrete Kostenschätzungen für einen Netzausbau liefern. Die Umsetzung ist in Tranchen geplant und hängt davon ab, wie viele Einwohner einen Anschluss kaufen wollen. Die Firma hat das Glasfaserkonzept für die Gemeinden Felben-Wellhausen und Wängi erstellt. Am Beispiel von Felben-Wellhausen verdeutlichte Huber das empfohlene Mietermodell: Für einen Anschluss müssen 2900 Franken investiert werden. Der Kunde bezahlt einmalig 1250 Franken. Der Gemeinde bleiben Kosten von 1650 Franken pro Anschluss. Im Gegenzug erhalten die Werke der Gemeinde von einem vom Kunden gewählten Provider zum Beispiel 20 Franken pro Monat, was ohne Finanzierungskosten nach zehn Jahren 2400 Franken ergäbe.