«Giftig ist da nichts gewesen»

SALMSACH. Am alten Aachknie in Salmsach war in den 1950er-Jahren eine Mülldeponie. Der Salmsacher Erwin Fischer erinnert sich an diese Zeit und weiss: Der Kehricht von damals ist nicht zu vergleichen mit jenem von heute.

Michèle Vaterlaus
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Blick von der alten Aach Richtung heutigem Aachverlauf: Hier war Mitte des 20. Jahrhunderts eine Mülldeponie. (Bild: Reto Martin)

Blick von der alten Aach Richtung heutigem Aachverlauf: Hier war Mitte des 20. Jahrhunderts eine Mülldeponie. (Bild: Reto Martin)

«Bevor hier alles aufgeschüttet wurde, bin ich als Bub noch mit dem Schlitten runtergefahren», erinnert sich Erwin Fischer und zeigt entlang des Weges, der heute alte Aach heisst. «Da ist es früher noch steil hinuntergegangen.» Der 70-Jährige wohnt seit 1948 an der angrenzenden Kirchstrasse. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lief dort die Aach vorbei. Dann wurde sie begradigt, der Seitenarm wurde trockengelegt und das Gebiet zu einer Mülldeponie. Heute ist es aufgeschüttet und teilweise überbaut.

Kehricht früher und heute

Zwei bis vier Meter – je nach Standort – seien aufgeschüttet worden, erzählt Erwin Fischer. Als Bub hat er in dem Loch, das damals die Mülldeponie war, gespielt. «Das Gebiet war noch sumpfig vom alten Verlauf der Aach», erzählt der Salmsacher. In der sumpfigen Umgebung am alten Aachknie wuchs vor allem der Schachtelhalm, der im Volksmund auch Katzenschwanz genannt wird – daher auch der Name des Quartiers. Die Kinder hätten am Katzenschwanz mit Steinschleudern auf schwimmende Gegenstände in der Deponie geschossen oder alte Pfannen gesammelt. «Wir hatten ja nichts anderes zum Spielen.»

Das Spielen nahe des Mülls sei unbedenklich gewesen, sagt Fischer. «Eine Kehrichtdeponie aus den 1950er-Jahren ist nicht mit einer von heute zu vergleichen.» Der Berufsfischer erinnert sich noch, was alles in das Loch geschüttet wurde. «Die Dorfbewohner sind mit Blechkübeln oder Obstharassen gekommen und haben ihre Abfälle hineingeworfen», erzählt er. «Das waren vorwiegend Küchenabfälle. Wir hatten damals ja noch keinen Plastik. Auch keine Elektrogeräte.» Vielleicht habe einmal ein Bauer einen alten Wagen entsorgt und diesen angezündet, meint Fischer. Giftig sei da aber nichts gewesen. «Die Konservenbüchsen, die dort unten liegen, sind wahrscheinlich längst verrostet.» Er versteht darum nicht, weshalb nun das ganze Gebiet auf Geheiss des Kantons als belastet im Grundbuch eingetragen werden soll. Die Angst, dass schädliche oder gefährliche Stoffe im Boden sind, sei unbegründet.

Kopfschütteln über die Pläne

«Das haben schliesslich Baggerschlitze gezeigt, die gemacht wurden, bevor die Häuser am alten Aachknie gebaut wurden», sagt Fischer. Obwohl sein Haus nicht auf dem belasteten Standort steht, schüttelt er den Kopf über die Pläne des Kantons. Kanton und Gemeinde hätten der Umzonung des Landes in eine Bauzone zugestimmt. Auch die Baubewilligungen seien Sache der Gemeinde gewesen. «Da kann man doch jetzt nicht kommen und sagen, dass dieser Standort belastet ist.»

Salmsacher Erwin Fischer. (Bild: mvl)

Salmsacher Erwin Fischer. (Bild: mvl)