Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

GESUNDHEIT: Der Narben-Detektiv

David Boeger aus Romanshorn hat eine Therapie entwickelt, um Verklebungen im Körper zu lösen. Etwa 3000 Physiotherapeuten hat er schon unterrichtet. Im August erscheint ein Fachbuch über seine Methode.
Ida Sandl
David Broeger mit Modellen der menschlichen Organe: Alles im Körper hängt zusammen. (Bild: Reto Martin)

David Broeger mit Modellen der menschlichen Organe: Alles im Körper hängt zusammen. (Bild: Reto Martin)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Von Geduld hält David Boeger nicht viel. Zumindest nicht, wenn es um seine – die Boeger-Therapie – geht. Er sagt Sätze wie: «Wenn es richtig ist, muss es sofort wirken», oder: «Ein Erfolg, der nur kurz anhält, ist ein versteckter Misserfolg.»

Mutige Sätze aus dem Mund eines Physiotherapeuten, der sich beruflich mit Leiden beschäftigt, die oft chronisch sind. Lädierte Schultern, schmerzende Bandscheiben, steife Knie.

David Boeger, 47 Jahre alt, gebürtiger Hesse, ist kein gewöhnlicher Therapeut. Er hat eine eigene Methode entwickelt. Seit 25 Jahren arbeitet er damit, hat sie verfeinert, weiter entwickelt, theoretisch untermauert. «Ich lerne bei jedem neuen Patienten», sagt er. Boeger redet sich ins Feuer, wenn er über seine Therapie spricht, über verklebtes Bindegewebe, die Faszien, die gelöst werden müssen. Darüber wie alles im Körper miteinander verbunden ist.

David Boeger ist ein leidenschaftlicher Botschafter seiner Methode. «Ich staune selber immer wieder, wie gut es wirkt.» Dabei sei das Prinzip eigentlich einfach. Mit speziellen Tests spürt er Verklebungen in den Faszien auf, die Operationen oder andere Verletzungen hinterlassen haben. Sie blockieren die gesunden Prozesse. Denn der Körper bestehe zu fast 80 Prozent aus Flüssigkeit. «Alles fliesst.»

In einem gesunden Venensystem darf es daher keine Blockaden geben. Der Stau, den eine Narbe verursacht, kann sich an völlig anderer Stelle zeigen. Boeger vergleicht es mit einem Unfall auf der Autobahn. Das Ende des Staus könne Kilometer von der Ursache entfernt sein.

Der Kaiserschnitt und der Rücken

Sein Aha-Erlebnis hatte Boeger während seiner Ausbildung. Eine Bäuerin kam wegen chronischer Rückenschmerzen in die Praxis. Trotz Physiotherapie wurde es nicht besser. Die Frau hatte eine markante Kaiserschnitt-Narbe. Boeger fiel auf, dass das Narbengewebe unter enormem Druck stand. Bei einem speziellen Griff löste sich die Spannung. Verblüffend dabei: Die Rückenschmerzen liessen ebenfalls nach. Von da an setzte Boeger diese Grifftechnik wieder und wieder ein. Mit Erfolg. Er löste Verspannungen im Hals und die Hüftschmerzen hörten auf. Er behandelte den Fuss und das Knie wurde beweglicher. «Es ist wie ein Knoten in einem Gartenschlauch», sagt Boeger. Löst man ihn, fliesst das Wasser wieder.

Zehn Jahre arbeitete Boeger als Physiotherapeut. Inzwischen war er mit seiner Frau Ina nach Romanshorn gezogen. Er hatte so viele Patienten, dass er einen zusätzlichen Physiotherapeuten einstellen musste. Der wunderte sich über die Arbeitstechnik des Chefs: «Das habe ich noch bei niemand anderem gesehen.» Da sei ihm bewusst geworden, dass er seine eigene Therapieform entwickelt hatte.

In Dubai unterrichtet

«Schreib es auf», ermunterte ihn ein Osteopathie-Ausbildner. Boeger schrieb auf und daraus entstand ein Ordner, und dann noch einer und die Idee, eine Weiterbildung anzubieten. Die «Boeger-Therapie». «Wir haben Jahre gebraucht, bis wir uns an den Namen gewöhnt hatten», sagt Ina Boeger und lächelt. Sie hat ihren Beruf als Sonderschullehrerin aufgegeben, arbeitet als Dozentin und kümmert sich wie ihr Sohn Arne Goebel um die Organisation.

Die erste Weiterbildung startete im Dezember 2004. Vier Physiotherapeuten hatten sich angemeldet. «Ich war sehr nervös», sagt David Boeger. Wenige Monate später leitete er bereits den nächsten Kurs. Um die 3000 Physiotherapeuten und einige Ärzte hat Boeger mittlerweile in seiner Methode unterrichtet. ­Reha-Spitäler in Österreich, Deutschland und der Schweiz buchen ihn für Schulungen. Sogar in Dubai hat er schon über die Boeger-Therapie referiert. Es sei eine schöne Erfahrung gewesen, aber sehr zeitaufwendig.

Zeit ist David Boegers Problem. Inzwischen arbeitet er nur noch maximal zwei Tage pro Woche als Physiotherapeut. Ansonsten leitet er Kurse, macht nebenbei seinen Master in Physiotherapie und hat als Co-Autor ein Fachbuch über Narben-Therapie geschrieben.

Zusammen mit Kybun-Gründer Karl Müller bietet er einen Präventionskurs für Gesunde an. «Das Faszien-Training passt sehr gut zur kybun-Philosophie von den elastischen Schuhen», sagt Boeger. Er ist überzeugt, dass ein Mensch bis ins hohe Alter beweglich bleiben kann: «Der Körper ist perfekt.»

www.boegertherapie.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.