Gesucht: Robin Hood 65+

Der Bogenclub Bodensee hat ein Luxusproblem: Er hat viele junge Mitglieder, aber fast keine jenseits der Pensionierungsgrenze. Darum veranstaltet er morgen Donnerstag ein Probeschiessen exklusiv für über 65-Jährige.

Annina Flaig
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Die beiden ältesten Clubmitglieder Roland Knaus und Hans Ewald trainieren im Sommer gerne draussen. (Bild: Annina Flaig)

Die beiden ältesten Clubmitglieder Roland Knaus und Hans Ewald trainieren im Sommer gerne draussen. (Bild: Annina Flaig)

NEUWILEN. Eine Gummiente wird vom Pfeil getroffen. Bogenschütze Roland Knaus lacht verschmitzt. «Das hat etwas Archaisches», sagt er. Ihm geht es beim Bogenschiessen aber um mehr als das Erlegen von Gummitieren: «Mein Ziel ist es, mit Pfeil und Bogen eins zu werden. Dann fliegt der Pfeil wie von selbst ins Gold.» Das Gold ist im Fachjargon das Innerste der Zielscheibe. Das lerne jedes Kind sofort. Junge Sportler gibt es viele im Bogenclub Bodensee, der den Grossraum Bezirk Kreuzlingen und Bodensee abdeckt. Derzeit hat er 54 Mitglieder. Nur zwei davon sind pensioniert: Roland Knaus (69) und Hans Ewald (68). Während andere Vereine an Überalterung leiden und krampfhaft junge Mitglieder suchen, hat der Bogenclub das umgekehrte Problem: «Wir hätten gerne mehr ältere Leute bei uns im Club», sagt Vorstandsmitglied und Kassier Hans Udry.

Mit knorrigen Fingern

Bogensport ist angesagt. Und so steigen die Anfragen von Pfadi, Schulen und Firmengruppen, die gerne Bogenschiessen ausprobieren würden. Da die meisten Clubmitglieder aber berufstätig sind, können tagsüber selten Events durchgeführt werden. Die Pensionierten sind deshalb Gold wert. Die «Robin Hoods mit grauen Haaren», wie Udry sie liebevoll nennt, werden aber nicht nur als Helfer gesucht: «Das ist der ideale Sport, um sich im Alter fit zu halten», sagt Roland Knaus. Beim Bogenschiessen werde der Oberkörper und der Rücken gestärkt. Der 69-Jährige ist ein Späteinsteiger. Er ist seit fünf Jahren dabei. Dass er angefressen ist, zeigt sich darin, dass er sich seinen Langbogen selbst gebastelt hat. «Aus fein verleimtem Eibenholz», wie er betont. Es geht aber auch anders: Hans Ewald schiesst mit einem sogenannten Compoundbogen mit Abzugshilfe. «Damit kann man auch mit knorrigen Fingern schiessen.»

Parcours mit Gummitieren

Im Winter wird in der Halle an der Präzision gefeilt. Im Sommer steht das Training an der frischen Luft im Vordergrund. Dabei wird je nach Vorliebe auf Zielscheiben oder 3D-Ziele geschossen. Anstelle von Bogenturnieren werden sogenannte 3D-Parcours im Wald und Voralpengebieten immer beliebter. Dort werden Gummitiere wie Füchse, Wildschweine und Hirsche im Feld und am Waldrand plaziert. So ist Udry vor kurzem sogar einem Velociraptor, einem Dinosaurier aus der späten Kreidezeit, begegnet. «Da muss man dann schmunzeln, und die Konzentration nimmt etwas ab.» Dafür ist die Freude doppelt so gross, wenn man trifft.