Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gesellschaftsspiele gegen Lernprobleme

Internetportale wie Facebook lenken viele Jugendliche und auch Erwachsene vom Lernen ab. Bei Konzentrations- oder Motivationsschwierigkeiten kann eine Lerntherapie helfen. Katharina Michel ist heute einzige Lerntherapeutin in Amriswil.
Roger Häni
Scrabble und Master Mind als Therapiemittel: Katharina Michel in ihrer Praxis. (Bild: Roger Häni)

Scrabble und Master Mind als Therapiemittel: Katharina Michel in ihrer Praxis. (Bild: Roger Häni)

AMRISWIL. Begonnen hat Katharina Michel mit Kindern zwischen acht und 14 Jahren. Zunehmend konnte sie auch ältere Jugendliche und Erwachsene zu ihren Klienten zählen. «Im Moment habe ich hauptsächlich Lehrlinge», sagt die Lerntherapeutin von der Säntisstrasse.

Schüler fänden heute in der Schule bessere Unterstützung bei Lernproblemen als noch vor zehn Jahren, als sie ihre lerntherapeutische Praxis eröffnete. «Von den Kleinen kommen vor allem jene zu mir, die Probleme im Rechnen haben», stellt Katharina Michel fest. Auf spielerische Art versucht sie bei ihnen den Knopf zu lösen. In vielen Fällen gelinge das, in anderen nicht. «Manche Kinder sind in ihrer Entwicklung einfach noch nicht so weit.»

Eltern kommen an Grenzen

Michels Praxisraum ist gefüllt mit Gesellschaftsspielen – von Scrabble bis Master Mind. «Spiele sind mein Rettungsanker. Es gibt Leute, die man darüber total erreichen kann.» Spielen sei emotional befreiend, sagt die Lerntherapeutin, die ausserdem für die Volksschulgemeinde das Lift-Projekt betreut.

Neben Klienten, die in gewissen Fächern Mühe haben, hat Michel auch solche, die unstrukturiert sind, nicht planen können oder in der Pubertät generell eine schwierige Phase durchmachen. Nicht selten melden sich bei ihr Eltern, die Entlastung suchen. «Ich spüre, dass viele Eltern einen Rieseneinsatz leisten, um ihr Kind zu unterstützen. Doch kommen sie irgendwann an Grenzen.»

Zugang zum Wissen als Chance

In der Regel bestehe die Therapie – manche schrecke diese Bezeichnung ab – aus zehn Treffen. Ganz wichtig für den Erfolg sei, den Draht zum Klienten zu finden, weiss Katharina Michel. Ihre Arbeit als Lerntherapeutin schätzt die einstige Lehrerin sehr. «Sie ist viel individueller, als ich gedacht habe. Es gibt 14-Jährige, die täglich drei Stunden lernen und 18-Jährige, die finden, eine halbe Stunde pro Woche sei genug.»

Angesprochen auf die Zunahme an Elektronik und sozialen Medien meint Katharina Michel, deren Einfluss aufs Lernen sei nicht nur negativ. «Sicher lenken Facebook und Co bei der Arbeit am PC ab. Da kann es hilfreich sein, den Computer in ein anderes Zimmer zu stellen. Auf der anderen Seite ist der uneingeschränkte Zugang zum Wissen auch eine grosse Chance.»

Gefährdeter Beruf

Vor wenigen Jahren gab es in Amriswil noch mehrere Lerntherapeutinnen, heute ist Katharina Michel die einzige. Daneben gibt es eine in Sommeri. Viele Lerntherapeutinnen hörten aus existenziellen Gründen auf. Das sei schade, weil Know-how verloren gehe, sagt Michel. Sie ist aber zuversichtlich, dass ihr Beruf überlebt. «Das ist auch abhängig davon, wie sehr wir von gewissen Stellen anerkannt werden.»

Die Klienten fänden nämlich nicht nur über die Eltern, Lehrer oder Lehrmeister zu ihr, sondern auch über Stellen wie das Case Management Berufsbildung, die Amtsvormundschaft oder die schulpsychologischen Dienste.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.