Genug vom Paradies

«The Long Way West?» Na ja, manchmal geht der Weg nach Westen über einen kleinen Abstecher. Ich freue mich, die aktuelle Route zu veröffentlichen, welche unser Kapitän Jean mit uns zu Faden geschlagen hat.

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«The Long Way West?» Na ja, manchmal geht der Weg nach Westen über einen kleinen Abstecher. Ich freue mich, die aktuelle Route zu veröffentlichen, welche unser Kapitän Jean mit uns zu Faden geschlagen hat. Wir haben uns lange über Connell's «Routes des grandes traverses» (Routen für grosse Überfahrten) gebeugt, Fragen gestellt, Zweifel geäussert, Terminkalender konsultiert und anschliessend dem Orakel gelauscht.

Wir segeln in Richtung Norden und besuchen zuerst St. Martin. Die französisch-holländische Insel ist bekannt als Mekka für zollfreien Einkauf. Nach einem saloppen Kommentar eines alten Franzosen gibt es dort 19 Casinos und 19 Bordelle. Okay, jeder nach seinem Geschmack. Wir wollen uns dort lediglich eine neue Fotokamera kaufen. Die Reise geht weiter nach Puerto Rico, die Dominikanische Republik und anschliessend… anschliessend macht Connell eine Pause. Es scheint, als würde das Embargo gegen Kuba nicht nur den Wirtschaftszweig betreffen. Wir blättern und blättern, doch Kuba bleibt als mögliche Route verwehrt. Nichtsdestotrotz wird Kuba eine Destination bleiben, für die wir zwei Wochen einplanen. Unterdessen verbringen wir, nachdem wir unser Boot zurück nach Grande Anse gebracht haben, immer noch schöne Zeiten in einem möglichen Paradies.

Doch die generelle Stimmung erreicht seinen Paradies-Sättigungsgrad. Schliesslich habe ich mit zwei Inseln, jeder Menge weissem Sand, jadeblauem Meer, Kokosnüssen und Touristen, welche unter der erbarmungslosen Karibiksonne von schneeweiss zu krebsrot wechseln wie Chamäleons, genug gesehen, um unbesorgt weiterziehen zu können. Wir haben unsere Einkäufe für die nächsten zwei Monate getätigt, und ich habe nebenbei gelernt, dass Martinique den weltbesten Rum herstellt. Für mich brennt dieser Rum wie jeder andere auch. Aber ich würde mich auch nicht grad als Experten bezeichnen.

Somit habe ich etwas von dem gelernt, was es zu lernen gibt. Ich habe einiges von dem gesehen, was es zu sehen gibt. Und wie es in Robert Pirsig's Buch «Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten» heisst: «Manchmal ist aufbrechen wichtiger als ankommen.»

Pascal Beer

Von seinem Elternhaus in Zihlschlacht aus begab sich Pascal Beer Ende Juli 2010 ohne Geld auf Weltreise. Jeden Dienstag meldet er sich in der Thurgauer Zeitung zu Wort.