Gemeinderäte wollen Zumkehr

UTTWIL. Uttwil wählt am 1. Februar den neuen Gemeindepräsidenten. Bisher ist der Wahlkampf ruhig verlaufen, doch nun äussern sich die Gemeinderäte öffentlich dazu. Ein ähnliches Szenario hat vor 16 Jahren in Arbon zum Eclat geführt.

Michèle Vaterlaus
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Marco Zumkehr und Stephan Good kandidieren für das Amt des Gemeindepräsidenten. (Archivbild: Nana do Carmo)

Marco Zumkehr und Stephan Good kandidieren für das Amt des Gemeindepräsidenten. (Archivbild: Nana do Carmo)

Vielleicht war es nur die Ruhe vor dem Sturm: Die beiden Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten von Uttwil – Stephan Good und Marco Zumkehr – geben sich aufgeräumt, sie redeten nach dem ersten Wahlgang von einem fairen Wahlkampf. Gross gekämpft wurde bisher auch nicht. Doch nun mischen sich die Gemeinderäte ein. Josef Arnold und Regula Knechtle haben jeweils einen Leserbrief geschrieben. Sie sprechen sich darin für Marco Zumkehr als Gemeindepräsident aus. Ein ähnliches Szenario gab es einst in Arbon. Der Stadtrat sprach sich im Jahr 1999 öffentlich für die Wahl von Christoph Tobler aus. Gewählt wurde damals jedoch der Herausforderer Giosch Antoni Sgier. Der polarisierende Sieger hatte der Stadt vier chaotische Jahre und einen zerstrittenen Stadtrat beschert.

«Es ist Wahlkampf»

Auch in Uttwil könnte es sein, dass Good und nicht wie gewünscht Zumkehr gewählt wird. Good erreichte im ersten Wahlgang 315 Stimmen, Zumkehr 292. Josef Arnold sieht keine Parallelen zu Arbon und deshalb auch kein Problem darin, dass er öffentlich Stellung bezogen hat. «Ich habe die Situation durchaus abgeschätzt, als ich den Leserbrief geschrieben habe.» Ihm sei es im Sinne praxisbezogener Lösungen wichtig, dass Personen mit Fachkenntnissen das Präsidium übernehmen. «Wir haben einiges vor im Dorf. Neben anderen Aufgaben ist die Ortsplanung pendent und wir müssen das neue Planungs- und Baugesetz umsetzen. Marco Zumkehr ist vom Fach und hat viel Erfahrung.» Er habe den Entscheid im Sinne des Gemeinwohls und keinesfalls als Eigennutz gefällt. Er empfahl in seinem Leserbrief Stephan Good als Gemeinderat zu wählen. Damals wusste er aber noch nicht, dass dieser sich nicht dafür zur Verfügung stellen will. Bedenken, dass eine allfällige Zusammenarbeit mit Good dadurch belastet sein könnte, hat Arnold nicht. «Wird er gewählt, ist das ein demokratischer Entscheid, den ich akzeptieren werde. Entsprechend werde ich mit ihm zusammenarbeiten.» Dieser Meinung ist auch Regula Knechtle. Befindlichkeiten dürfen in ihren Augen in einer Demokratie keine Rolle spielen. «Als Gemeinderäte sind wir ganz normale Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, mit dem Recht, die Stimme abzugeben, wem wir wollen und uns dazu auch zu äussern.» Sachbezogene Meinungsverschiedenheiten würde es immer geben und das sei auch gut so. «Denn nur so, werden Kompromisse ausgehandelt und Resultate erzielt.»

Good findet es zwar ungewöhnlich, dass die Gemeinderäte sich öffentlich zur Wahl äussern, doch er nimmt es sportlich. «Es ist Wahlkampf.»

Konstellation ist entscheidend

Kurt Baumann, Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden, will nicht sagen, ob es richtig oder falsch ist, als Gemeinderat eine Wahlempfehlung für den Gemeindepräsidenten abzugeben. Er wägt ab: «Im Prinzip darf ja jeder Wahlempfehlungen abgeben und wählen, wen er will.» In einem gewissen Punkt könne er Knechtle und Arnold verstehen. «Sie kennen Marco Zumkehr aus dem Gemeinderat und wissen, wie es ist, mit ihm zusammenzuarbeiten.» Dennoch sei seine Beobachtung eher die, dass sich Mitkandidierende nicht äussern. Ob die Zusammenarbeit im Nachhinein klappe, wenn das Resultat anders ausfällt, als es sich die Gemeinderäte wünschen, sei eine Frage der Konstellation.