Gemeinden verlieren Mieter

LANGRICKENBACH. Langrickenbach und Tägerwilen sind vom Wegzug der Notariate und Grundbuchämter betroffen. In den Gemeindehäusern wird Platz frei. Die Mietverträge laufen allerdings noch eine Weile.

Martina Eggenberger Lenz
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Im Langrickenbacher Gemeindehaus befinden sich kantonale Ämter. (Bild: Andrea Stalder)

Im Langrickenbacher Gemeindehaus befinden sich kantonale Ämter. (Bild: Andrea Stalder)

Vor zwölf Jahren hat die Gemeinde Langrickenbach ein neues Verwaltungsgebäude gebaut. Das Haus wurde so geplant, dass das ganze obere Geschoss an den Kanton vermietet werden kann. Grundbuchamt, Notariat und Betreibungsamt wurden dort zusammengefügt. Voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres ziehen die Ämter im Rahmen der Reorganisation weg (unsere Zeitung berichtete). Alle Stellen werden sich dann in Kreuzlingen befinden.

Zeit für Reorganisation ist reif

Die Gemeinde Langrickenbach verliert mit dem Kanton einen guten Mieter. 72 000 Franken Zins jährlich zahlen die Kreisämter gemäss Angaben von Gemeindepräsidentin Fabienne Schnyder. Sie hegt aber keinen Groll gegen den Kanton, dass er sich jetzt aus Langrickenbach zurückzieht. «Die Zeiten und Bedürfnisse haben sich geändert. Nach der Aufhebung der Zivilstandsämter auf den Gemeinden ist nun anscheinend die Zeit reif, die heutigen Kreisämter ebenfalls bezirksweise zu organisieren», sagt sie.

Mietvertrag läuft bis 2019

Wie der obere Stock des Gemeindehauses in Zukunft genutzt werden soll, ist in Langrickenbach noch völlig offen. Man habe sich dazu bislang keine Gedanken gemacht, erklärt Schnyder. Einerseits laufe der Mietvertrag noch bis Ende April 2019. Er wurde von der kantonalen Liegenschaftenverwaltung nämlich noch im Januar 2014 um fünf Jahre verlängert. Ausserdem sei man von offizieller Seite noch gar nicht kontaktiert worden. «Welchen Weg der Kanton für die restlichen drei Jahre beschreiten möchte, ist uns bis jetzt nicht bekannt.»

Auch in Tägerwilen sind das Grundbuchamt und das Notariat im Gemeindehaus eingemietet. Gemäss Gemeindepräsident Markus Thalmann steht bereits fest, dass die Gemeinde für die Räume – drei Büros und ein Archivraum – keinen neuen Mieter suchen wird. Die Verwaltung habe nämlich Eigenbedarf und man wünsche sich eine interne Lösung für eine gemeindeeigene oder gemeindenahe Verwendung. Thalmann begründet dies mit dem starken Wachstum seiner Gemeinde. Er persönlich finde es schade, dass die Kreisämter ausziehen, «ich habe die Nähe immer geschätzt. Gerade in Baufragen war diese oft hilfreich.»

Für die Kunden spiele es wohl aber keine grosse Rolle, dass sie für den Besuch der Ämter in Zukunft nach Kreuzlingen müssten. Auch in Tägerwilen hat der Kanton die Räume offiziell noch nicht gekündigt. Der Mietvertrag laufe sowieso noch eine Weile weiter, sagt der Gemeindepräsident.