Gemeinden blicken in die Zukunft

Der Thurgau sagte am Wochenende Ja zur Oberlandstrasse, vier der betroffenen Gemeinden aber deutlich Nein. Dennoch schauen die Gemeindeammänner von Altnau, Langrickenbach, Münsterlingen und Lengwil nach vorne.

Michèle Vaterlaus
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Legende mag

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KREUZLINGEN. Wo die Oberlandstrasse gebaut werden soll, dort war das Volk besonders kritisch mit dem Projekt. In Langrickenbach sagten über 70 Prozent der Stimmbürger Nein, in Lengwil sogar 72 Prozent. Altnau und Münsterlingen lehnten die OLS mit 66 beziehungsweise 57 Prozent Nein-Stimmen ab. Diese Ergebnisse sind nicht unerwartet.

Sensibel vorgehen

«Die Gegner haben mit Schlagworten wie Kulturlandverlust und Todesstrasse Angst geschürt», sagt Fabienne Schnyder, Frau Gemeindeammann von Langrickenbach. «Zudem ist der Verkehrsdruck bei uns noch nicht so gross.» Das Nein der Bevölkerung kam für sie daher nicht unerwartet. Der Gemeinderat von Langrickenbach hatte sich im Vorfeld aber für die Strassen ausgesprochen. «Wir haben uns über zwei Jahre damit beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass langfristig betrachtet die Strassen notwendig sind», sagt Schnyder. Positiv sieht sie aber, dass die Stimmbeteiligung in ihrer Gemeinde mit über 77 Prozent die höchste im ganzen Kanton war. «Das zeigt mir, dass sich die Langrickenbacher mit dem Thema beschäftigt haben.» Sie sieht dies als klares Zeichen an den Kanton: «Wir erwarten ein sensibles Vorgehen, wenn es um Landverhandlungen geht.»

In die Zukunft blickt auch der Gemeindeammann von Lengwil, David Tschudi. Auch die Lengwiler hatten den Netzbeschluss klar abgelehnt. «Die Strassen werden gebaut, diesen Entscheid des Volkes muss man akzeptieren», sagt Tschudi. Es gehe jetzt aber darum, Details zu diskutieren. «Wir hoffen natürlich, dass der Kanton seine Versprechungen hält», sagt er und meint damit, dass Tunnels und tiefer gelegte Strassen so umgesetzt werden, wie es in der Planung vorgesehen ist. Trotz der 57 Prozent Nein-Stimmen in seiner Gemeinde ist der Münsterlinger Gemeindeammann René Walther überzeugt, dass die Gegner zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit sind. «Das hat ja auch der Präsident des Gegen-Komitees Toni Kappeler zugesichert.»

Mehr als nur froh

Freude herrscht in Bottighofen. «Wir sind mehr als nur froh über das Abstimmungsergebnis», sagt der Gemeindeammann Urs Siegfried. «Bottighofen ist am meisten gebeutelt von dem Verkehr, aber ohne die Unterstützung der umliegenden Gemeinden könnten wir nichts machen.» Dennoch brauche es eine schnellere Lösung für das Verkehrsproblem in Bottighofen. «Deshalb werden wir das Gespräch mit dem Kanton suchen.» Das die Bottighofer Nein zur Erhöhung der Strassenverkehrsabgaben sagten, sieht Siegfried nicht als inkonsequent. «Ich sehe das eher als Statement dafür, erst einmal das Geld zu verwenden, das man hat.» Alles andere wären Steuern auf Vorrat gewesen. Trotz seine Freude über das Ja zu den Strassen versteht er das Nein der Altnauer nicht. «Sie sind schliesslich kaum von der Linienführung betroffen.»

Unterschiedliche Perspektiven

Der Altnauer Gemeindeammann Beat Pretali erklärt sich das Nein seiner Gemeinde wie folgt: «Wir haben den Verkehr heute dort, wo wir ihn haben wollen. Unsere Gemeinde braucht keine neue Strasse.» Doch er räumt ein, dass es darauf ankomme, aus welcher Perspektive man urteile. «Ich sehe die Probleme von Bottighofen oder Güttingen, die den Verkehr mitten im Dorf haben.»

Fabienne Schnyder, Gemeindeammann Langrickenbach. (Bild: edc)

Fabienne Schnyder, Gemeindeammann Langrickenbach. (Bild: edc)

Urs Siegfried, Gemeindeammann Bottighofen. (Bild: edc)

Urs Siegfried, Gemeindeammann Bottighofen. (Bild: edc)

David Tschudi, Gemeindeammann Lengwil. (Bild: edc)

David Tschudi, Gemeindeammann Lengwil. (Bild: edc)

Beat Pretali, Gemeindeammann Altnau. (Bild: pd)

Beat Pretali, Gemeindeammann Altnau. (Bild: pd)

René Walther, Gemeindeammann Münsterlingen. (Bild: sb)

René Walther, Gemeindeammann Münsterlingen. (Bild: sb)