Gelegenheit baut Brücken

Konstruiert von einem Fachmann, gebaut für Lau von Pionieren der Schweizer Armee und willkommen als bequemer Zugang zur Ruine für die Archäologen und künftigen Besucher.

Mario Testa
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Konstruiert von einem Fachmann, gebaut für Lau von Pionieren der Schweizer Armee und willkommen als bequemer Zugang zur Ruine für die Archäologen und künftigen Besucher. Es gibt gute Gründe, weshalb Märstettens Gemeindeammann Jürg Schumacher vor zwei Jahren kurzentschlossen zusagte, als das Militär mit dem Angebot zum Brückenbau an ihn herantrat.

Nun steht sie da im Wald, oberhalb von Märstetten und verbindet den Ruinenhügel mit der gegenüberliegenden Waldparzelle von Guido Füglistaller. Er spricht von einem Viadukt. Viel zu gross, als dass es dafür keine Baubewilligung gebraucht hätte. Unterstützung erhält er von der Jagdgesellschaft, die den offiziellen Weg beschreitet und beim Departement für Bau und Umwelt Einsprache gegen den Bau eingereicht hat.

Weshalb sich Füglistaller wehrt, ist schnell erklärt: Er will der Gemeinde Märstetten keine Extrawurst zugestehen, will gleich lange Spiesse für Private und die öffentliche Hand. Füglistaller will seine Scheune in Wohnungen umbauen, doch dafür gibt's keine Baubewilligung, weil sie sich auf Landwirtschaftsland befindet. Gleichzeitig baut die Gemeinde im Wald eine grosse Brücke, nennt sie Baustellen-Infrastruktur und bewilligt sie sich gleich selber. Klar, dass sich der Bauer veräppelt vorkommt. Die Jagdgesellschaft befürchtet Wandererströme, die das Wild im Wald stören – und pocht auf die Gesetze, die diesen Brückenbau nicht erlauben würden.

Die heutige Situation mutet denn auch ziemlich schräg an. Die Altenburg-Brücke ist gesperrt und führt de facto ins Nirgendwo. Einen Weg durch den Wald gibt es nicht, nur einen Trampelpfad. Auch die Archäologen brauchen die Brücke nicht – sie gelangen über eine temporäre Rampe auf der gegenüberliegenden Seite auf den Ruinenhügel.

Die Brücke ist jedoch ein gelungenes Bauwerk, es wäre schade, wenn sie wieder abgebrochen werde müsste. Hätte der Gemeinderat zu Beginn trotz Zeitdruck etwas mehr Weitsicht bewiesen – und hätten nicht auch noch anstehende Gemeinderatswahlen die Geschichte zu einer veritablen Kanone gegen den ungeliebten Gemeindeammann gemacht, stünde die Brücke nun sicher auf einem solideren Fundament.

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

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