Gefühlte 35 Grad

Die Sporthalle Tellenfeld verwandelte sich am Mittwochabend in einen regelrechten Hexenkessel. Das Publikum feierte den Sieg und bedauerte die Niederlage der Volleyballer zugleich.

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Richard Hungerbühler macht nach der Partie ein Gruppenfoto mit Ex-Präsident Dominik Joos, den ehemaligen Spielern Brett Dailey, Adrian Schläpfer, Alan Soares und Physiotherapeut Reto Eigenmann, die alle beim ersten Meistertitel von Volley Amriswil dabei waren. (Bild: Manuel Nagel)

Richard Hungerbühler macht nach der Partie ein Gruppenfoto mit Ex-Präsident Dominik Joos, den ehemaligen Spielern Brett Dailey, Adrian Schläpfer, Alan Soares und Physiotherapeut Reto Eigenmann, die alle beim ersten Meistertitel von Volley Amriswil dabei waren. (Bild: Manuel Nagel)

Rita Kohn
rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Der Europacup-Traum ist ausgeträumt, das Abenteuer endet für Volley Amriswil am Mittwochabend nach 21 Uhr in der Sporthalle Tellenfeld. Nach dem ehrenvollen 12:15 im Entscheidungssatz müssen die Amriswiler den korsischen Gegner Ajaccio GFC weiterziehen lassen. Gegangen ist es immerhin um den Einzug in den Viertelfinal. «Noch nie sind wir im Europacup so weit gekommen», sagt Volley-Präsident Peter Kummer.
So sehr das Ausscheiden der Amriswiler aus sportlicher Sicht bedauert wird, so gross ist die Entspannung in finanzieller Hinsicht. Rund 30000 Franken hat jede Europacup-Runde den Verein gekostet. Auch bei einem guten Besuch der Spiele in der Tellenfeld-Halle konnten mit den Einnahmen aus dem Spiel nur ein Teil der Kosten gedeckt werden.

Die Sechs-Zimmer-Wohnung in der Liegenschaft des «Roxy» steht leer. (Bild: Andrea Stalder)
28 Bilder
Der Schiedsrichter überprüft den Balldruck. (Bild: Manuel Nagel)
Peter Kummer, Präsident von Volley Amriswil, beim VIP-Apéro. (Bild: Manuel Nagel)
Amriswils Stadtrat Richard Hungerbühler drückt dem Gegner die Daumen. (Bild: Manuel Nagel)
Aufwärmen bei den Amriswilern. (Bild: Manuel Nagel)
Auch aus Korsika sind Fans angereist. (Bild: Manuel Nagel)
Brett Dailey (5) beim Einspielen. Der Kanadier spielte einst für Amriswil und wurde Schweizermeister. (Bild: Manuel Nagel)
Die Fans sind parat. (Bild: Manuel Nagel)
Können die Korsen am Ende jubeln? (Bild: Manuel Nagel)
Es geht bald los im Tellenfeld. (Bild: Manuel Nagel)
Letztes Einschlagen vor Spielbeginn. (Bild: Manuel Nagel)
Präsentation der Teams. (Bild: Manuel Nagel)
Starting 6, Zuspieler Josh Howatson klatscht mit seinen Trainern ab. (Bild: Manuel Nagel)
Sébastien Steigmeier beweist seine Sprungkraft. (Bild: Manuel Nagel)
Jérôme Fellay bei der Abwehr. (Bild: Manuel Nagel)
Captain Aleksandr Ljubicic schliesst einen Angriff erfolgreich ab. (Bild: Manuel Nagel)
In der Pause holt man sich Verstärkung. (Bild: Manuel Nagel)
Grosser Jubel nach dem dritten Satzgewinn. (Bild: Manuel Nagel)
859 Zuschauer sind ins Tellenfeld gekommen. (Bild: Manuel Nagel)
Das Feld wird vor dem Golden Set geputzt. (Bild: Manuel Nagel)
Am Ende müssen die Amriswiler dem Gegner gratulieren. (Bild: Manuel Nagel)
Der Dank ans Publikum. (Bild: Manuel Nagel)
Steigmeier und Howatson sind nach dem Spiel erschöpft. (Bild: Manuel Nagel)
Brasilianer unter sich. Amriswils Ex-Meisterspieler Alan Soares und Ajaccios Spieler Leonardo Cruz Miranda. (Bild: Manuel Nagel)
Ajaccios Trainer studiert die Matchstatistik. (Bild: Manuel Nagel)
Auch die Unterstützung von Trudi hat nicht für ein Weiterkommen gereicht. (Bild: Manuel Nagel)
Stadtrat Hungerbühler schiesst ein Erinnerungsfoto mit Brett Dailey (5). (Bild: Manuel Nagel)
Umarmung zwischen Hungerbühler und Dailey, die seit dessen Amriswiler Tagen gut befreundet sind. (Bild: Manuel Nagel)

Die Sechs-Zimmer-Wohnung in der Liegenschaft des «Roxy» steht leer. (Bild: Andrea Stalder)


Sie schreiben Geschichte im Amriswiler Volleyball
Enttäuscht bleibt die Mannschaft nach dem Spiel auf dem Feld zurück. Der Einzug in die Viertelfinals war zum Greifen nah. Drei Punkte waren schliesslich das Zünglein an der Waage. «Wir dürfen jetzt nicht vergessen, dass unsere Mannschaft heute gewonnen hat», tritt Peter Kummer der spürbaren Enttäuschung entgegen. Noch nie hat ein Schweizer Volleyballteam gegen eine Mannschaft aus Frankreich gewonnen, weiss Hallen-Speaker Tom Schnegg. Insofern schreibt die aktuelle Elite von Volley Amriswil nicht nur Vereinsgeschichte. Und die Korsen sind nicht einfach nur eine von vielen französischen Mannschaften. Es sind die letztjährigen Cup-Sieger.
Das Publikum weiss es zu schätzen, dass ein paar der besten Volleyballteams von Europa im Tellenfeld auf dem Platz standen. Sie kommen zu Hunderten zum Spiel. Über 850 Gäste sind diesen Mittwochabend in der Halle. «Für ein Spiel unter der Woche eine unglaubliche Zahl», freuen sich die Verantwortlichen, die alle Hände voll zu tun haben, um die Infrastruktur für die aufgewühlte Menge bereitzuhalten. Die Temperatur in der Halle scheint sich dem Gemüt der Zuschauerinnen und Zuschauer ­anzupassen. «Es sind gefühlte ­35 Grad in der Halle», stöhnt Tom Schnegg und spricht damit manchem aus dem Herzen. Mitleidige Blicke gehen in Richtung der in Montur bereit stehenden Feuerwehrleute, die unter anderem dafür gesorgt haben, dass jeder Gast einen Parkplatz finden konnte, ohne dass er mit einem Bussen-Zettel unter dem Scheibenwischer rechnen muss.
«Wir hatten heute auch Gäste in der Halle, die wir bisher noch nicht zu einem Spiel begrüssen durften», sagt Peter Kummer. Die Begeisterung der Fans über den Höhenflug ihres Teams schwappt über, zieht auch die Nicht-Volleyballer in ihren Bann.
Ein Fan fällt an diesem Abend aber ganz besonders auf: Richard Hungerbühler, gebürtiger Amriswiler und Stadtrat, trägt ein Trikot von Ajaccio. Sein Herz schlägt an diesem Abend für den Gegner. Grund dafür sind enge freundschaftliche Bande zu Brett Daily, einst Meister mit Amriswil und nun Spieler bei den Korsen. Erst vor einem Monat besuchte er ein Spiel Daileys in Paris, um ihn wieder einmal zu treffen. Diese Reise hätte er sich sparen können.

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