Gefahr vor Allerweltsheilmittel

SITTERDORF. Tierarzt Ernst Schicker und Jenifer van der Maas, Leiterin Milchvieh beim BBZ Arenenberg, referierten beim Landwirtschaftlichen Verein zum Thema Antibiotika.

Rudolf Steiner
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Ernst Schicker, Tierarzt aus Salenstein. (Bild: Steiner Rudolf)

Ernst Schicker, Tierarzt aus Salenstein. (Bild: Steiner Rudolf)

In der Landwirtschaft ist der Umgang mit Antibiotika kein Tabu mehr. Vor allem die Anwendung in der Geflügelzucht und der Schweine- und Kälbermast gehört bei Mästern und Landwirten zum Alltag.

Resistente Bakterien entstehen

Vor etwa 120 Jahren stiessen Wissenschafter auf Schimmelpilze mit antibiotischer, also bakterienabtötender Wirkung. 1928 entdeckte der schottische Mediziner Alexander Fleming Penicillium. Dieses Antibiotikum entwickelte sich in der Human- und Tiermedizin zum Allerweltsheilmittel. Auf die Problematik des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft aufmerksam machte die Serie «Antibiotika» in der «Rundschau» und Berichte des «Kassensturzes» vom März 2012. Es wurde gezeigt, dass viele Antibiotika nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielen. Durch die Vermehrung von Bakterien, die nicht mehr abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt werden, entstanden Stämme, deren Behandlung unmöglich geworden ist. Diese Antibiotikaresistenz ist die Widerstandsfähigkeit von Bakterienstämmen gegen ein Antibiotikum, gegen das sie normalerweise empfindlich wären.

Schweizer Landwirte privilegiert

Mit dieser Problematik konfrontiert sind auch Schweizer Milchbauern. Vom gesamten Antibiotikaeinsatz entfällt je etwa die Hälfte auf die Humanmedizin und die Viehzucht. Von den Antibiotika, die in der Viehzucht eingesetzt werden, entfallen drei Viertel auf die Schweine- und Kälbermast und etwa ein Viertel auf die Milchwirtschaft und Aufzucht von Kälbern. Der Einsatz als Wachstums- und Leistungsförderer in der Tierhaltung ist in der Schweiz seit 1999 und in der EU seit 2006 verboten. Bei der Behandlung von Krankheiten sind Schweizer Landwirte privilegiert. Bei Euterentzündungen, Klauenleiden, Gebärmutterentzündungen, Durchfall, Nabel- und Lungenentzündungen bei Kälbern können sie Antibiotika auf Vorrat beziehen und situativ einsetzen. Zweimal jährlich kontrolliert der Tierarzt den Verbrauch.

Der Salensteiner Tierarzt Ernst Schicker riet den Landwirten, Antibiotika sinnvoll einzusetzen. Bei Selbstbehandlung sei auf die Hygiene zu achten. Als Alternative zur Vorbeugung von Krankheiten empfahl er, die Umwelt zu optimieren, den Wirt zu stärken und die Erreger zu schwächen. Wenn ein Antibiotikaeinsatz unumgänglich sei, müsse er richtig gewählt, richtig dosiert und genügend lang eingesetzt werden.

Jenifer van der Maas, Leiterin Milchvieh BBZ Arenenberg. (Bilder: rst.)

Jenifer van der Maas, Leiterin Milchvieh BBZ Arenenberg. (Bilder: rst.)