Geduldig wie ein Kindermädchen

NEUKIRCH A. D. THUR. Das Konzept «Hippolini» ermöglicht es Kindern, auf spielerische Weise reiten zu lernen. Steffi Kind unterrichtet auf dieser Basis. Ihre jüngsten Schüler sind erst drei Jahre alt.

Brenda Zuckschwerdt
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Lernen ohne Angst: Die Reitschülerinnen Lavina und Samantha mit dem gutmütigen Dartmoor-Pony Salut. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Lernen ohne Angst: Die Reitschülerinnen Lavina und Samantha mit dem gutmütigen Dartmoor-Pony Salut. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

NEUKIRCH A. D. THUR. Salut ist kein normales Pferdchen. Es ist ein Seepferdchen. Zumindest heute. Denn Hippolini-Trainerin Steffi Kind hat den Reitplatz kurzerhand zum Meer ernannt. Leuchttürme ragen aus dem Wasser, Inseln können über Landestege angeschwommen werden.

Die siebenjährige Lavina aus Zuckenriet hält sich mit der einen Hand am Voltigiergurt fest und macht mit der anderen zaghaft Schwimmbewegungen.

Sie kann sich dabei ganz auf sich konzentrieren, denn die neunjährige Samantha aus Wuppenau führt das Pony umsichtig. Ein Führstrick, der extra für Kinder entwickelt wurde, und eine spezielle Gerte erleichtern ihr das Handling.

«Der Unterricht in Zweierteams ist typisch für Hippolini», erklärt Steffi Kind. Dadurch lerne das zweite Kind, das Pony korrekt zu führen und sich dem Tier gegenüber durchzusetzen.

Denn bei Hippolini sollten die Kinder lernen, so Steffi Kind, ein Pferd vom Boden aus zu kontrollieren und sein Verhalten zu verstehen. Das wiederum ermögliche es ihnen, angstfrei reiten zu lernen.

Auf spielerische Weise

In Norddeutschland aufgewachsen, entdeckte Steffi Kind schon früh ihre Begeisterung für Pferde.

Als sie vor einigen Jahren in einer Zeitschrift einen Artikel über Hippolini las, war sie begeistert und dachte sich: «Wenn ich einmal Kinder habe, sollen sie auf diese Weise reiten lernen.» Heute ist sie Mutter von drei Kindern im Alter von 3, 5 und 7 Jahren und ausgebildete Hippolini-Lehrkraft. Im Oktober 2010 startete sie mit Reitkursen. Mittlerweile besuchen acht kleine Reiter im Kindergartenalter den Mini-Club, drei Schüler den Hippolini-Reitkurs.

Im Unterricht lernen die Kleinen vor allem den Umgang mit den Ponies: Putzen, Reiten, Führen – das alles gehört dazu. Zwei Holzpferdchen springen immer dann ein, wenn für eine Lektion besonders viel Geduld gefragt ist.

Das perfekte Kinderpony

Um als Trainerin anerkannt zu werden, musste Steffi Kind bei einer anderen Hippolini-Lehrkraft hospitieren. Sie wählte Yvonne Eggermann, die erfolgreich Dartmoor-Ponies züchtet. Diese englischen Pferde gelten als vierbeinige Kindermädchen.

Steffi Kind war sofort begeistert: «Die Ponies bleiben auch dann gelassen, wenn das Kind auf ihrem Rücken nervös ist.» Während sich so manches Pony selbständig mache, wenn der Dreikäsehoch am anderen Ende des Führstricks wenig Qualitäten als Reiter an den Tag legt, schlafe ein Dartmoor höchstens ein wenig ein.

So gehören nebst Shetland-Pony-Stute Huldi mittlerweile auch die beiden Dartmoors Salut und Olinda zum Team der Hippolini-Reitschule. Eine weitere Dartmoor-Stute wird in diesen Tagen erwartet.

Steffi Kind hat die idealen Tiere für ihre Reitschule gefunden. «Die Dartmoors gebe ich nicht mehr her», sagt sie.

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