Ganzer Wald in einer Hand

SULGEN. Der Boden des Sulger Auwaldes gehörte der Bürgergemeinde, doch alles, was darauf wuchs, der Waldkorporation. Diese eigenartigen Besitzverhältnisse sind seit Oktober Vergangenheit.

Georg Stelzner
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Im Sulger Auwald: Markus Hotz, Präsident der Bürgergemeinde Sulgen und der Waldkorporation Sulgen. (Bild: Georg Stelzner)

Im Sulger Auwald: Markus Hotz, Präsident der Bürgergemeinde Sulgen und der Waldkorporation Sulgen. (Bild: Georg Stelzner)

SULGEN. Markus Hotz ist die Zufriedenheit anzumerken. Der Sulger präsidiert sowohl die Bürgergemeinde, eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft, als auch die Waldkorporation, eine privatrechtliche Körperschaft. In dieser Doppelfunktion musste er sich immer wieder mit Problemen herumschlagen, die den 53 ha grossen Auwald, von der Bevölkerung meist Auholz genannt, betrafen. Gelöst werden konnten die Konflikte aufgrund der verzwickten Besitzverhältnisse nur selten. «Während Jahrzehnten war diese Ausgangslage der eigentliche Knackpunkt», erinnert sich Hotz.

Ohne gesetzliche Basis

Dass der Waldboden («unterirdischer Bestand») nicht der gleichen Körperschaft gehört wie die Waldbäume («oberirdischer Bestand»), war laut Hotz im Kanton Thurgau eine Kuriosität, die ihresgleichen suchte. Zum Lachen sei ihm allerdings nicht zumute gewesen. Bemühungen zur Entflechtung der komplexen Besitzverhältnisse habe es seit vielen Jahren gegeben, räumt Hotz ein, doch mit einer praktikablen Lösung habe niemand aufwarten können. «Die Situation war insofern noch schwieriger als befürchtet, als seit 1946 gar keine gesetzliche Grundlage für ein derartiges Konstrukt mehr vorhanden war.»

Kanton schaltet sich ein

Bewegung kam in die verfahrene Angelegenheit vor zwei Jahren, als Regierungsrat Jakob Stark, der Vorsteher des zuständigen Departementes für Bau und Umwelt, dazu riet, einen Juristen beizuziehen. «Gemeinsam mit Departement, Forstamt und Anwalt ist es uns dann gelungen, eine Lösung zu finden», berichtet Hotz. Die Bürgergemeinde habe ihre Waldanteile an Bürger und Mitglieder der Waldkorporation verkauft. So seien klare Besitzverhältnisse geschaffen worden, die auch den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.

Mit einer Stimme

Hotz ist froh, dass durch diese Vereinbarung der schwierig zu bewirtschaftende Auwald weiterhin jenen Leuten gehört, die ihn schon seit langem nach den Vorgaben des kantonalen Forstamtes gepflegt und genutzt haben. «Gegenüber der Öffentlichkeit und der Behörde sprechen wir jetzt mit einer Stimme», sagt Hotz. Das sei ein grosser Vorteil, denn nun sei es einfacher, die Interessen des Waldes zu vertreten. Wichtig ist Hotz auch eine gute Zusammenarbeit mit der Politischen Gemeinde.