Fussballspielen mit dem Pater

Michaela Hinder empfindet es als Vorteil, im ländlichen, kleinen Dorf St. Pelagiberg aufgewachsen zu sein. Ihre Familie führte einst den klösterlichen Bauernhof. So lernte sie die Bewohner des Klosters aus einer speziellen Warte kennen.

Mirco Huser
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Michaela Hinder ist mit St. Pelagiberg vertraut; die ländliche Umgebung gefällt der jungen Frau. (Bild: Reto Martin)

Michaela Hinder ist mit St. Pelagiberg vertraut; die ländliche Umgebung gefällt der jungen Frau. (Bild: Reto Martin)

ST. PELAGIBERG. «Du bisch vo St. Pelagiberg, wenn…» Die wohl bekanntesten Gebäude von St. Pelagiberg sind die Wallfahrtskirche, Ruedi Branders Wirtschaft St. Pelagius und das Kloster. In unmittelbarer Nähe dieser Bauwerke ist Michaela Hinder aufgewachsen. Ihre Familie hat den Bauernhof des Klosters bewirtschaftet. «Als wir auf dem Hof mitgeholfen haben, kamen wir natürlich auch in Kontakt mit den Bewohnern des Klosters. Die Klosterfrauen haben uns beim Heuen geholfen, und mit dem Pater des Klosters haben wir oft Fussball gespielt.» Manuela Hinders Onkel war während ihrer Kindheit Mesmer der Wallfahrtskirche in St. Pelagiberg. Mit ihm konnte sie jeweils die mechanischen Glocken der Kirche läuten oder die Schweizer Flagge auf dem Turm montieren.

Vor acht Jahren musste die Familie jedoch den keinen Betrieb mit zehn Kühen aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. «Dies war ein grosser Einschnitt für die Familie. Auch wenn ich als Kind manchmal gejammert habe, als ich auf dem Hof mithelfen musste – irgendwie vermisst man ihn trotzdem, wenn es nicht mehr möglich ist, bei der Arbeit den Kopf zu lüften.»

Verschiedene Berufe

Michaela Hinder ist eine Person, die von sich selber sagt, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum die gleiche Arbeit machen könne. Das ist auch an ihrem bisherigen beruflichen Werdegang zu sehen. «Momentan arbeite ich als Praktikantin im Sozialwesen. Vorher habe ich eine Lehre als Buchhändlerin im <Rösslitor> in St. Gallen gemacht, danach einige Jahre in einem Kino in Winterthur gearbeitet.»

Auf die Feststellung, dass es zwischen diesen Berufen nur schwer erkennbar einen Zusammenhang gebe, antwortet Michaela Hinder, dass sie wahrscheinlich auch in einigen Jahren wieder etwas komplett anderes ausprobieren werde.

Reisen verleiht Selbstsicherheit

Obwohl Michaela Hinder sich mit dem ländlichen St. Pelagiberg verbunden fühlt, ist das Reisen ihre Leidenschaft. Mit Rucksack und ohne grosse Vorstellungen und Pläne ist sie vor zwei Jahren nach Indonesien gereist. «Der Monat dort war eine tolle Erfahrung. Seither leide ich ununterbrochen an Fernweh.» Dem Reisen verdanke sie ihre Selbstsicherheit und viele neue Eindrücke. Ausserdem hat sie mit ihrer offenen Art Dinge ausprobiert, die sie sonst nie gemacht hätte. «Eine dreitägige Wanderung auf einen der höchsten Vulkane in Indonesien und das Fallschirmspringen waren die grossen Highlights», erzählt Manuela Hinder. Sie sei stolz, sich als St. Pelagibergerin bezeichnen zu können. «Ich geniesse die Natur, gehe oft mit unserer Katze spazieren, jogge oder besuche meine Verwandten, die nur einige Häuser entfernt wohnen.» Trotzdem fehlt Michaela Hinder der Kontakt zu den anderen Dorfbewohnern. «In St. Pelagiberg gibt es leider kein Dorffest oder etwas anderes, wo ich Leute kennenlernen könnte. Und alle in meinem Alter sind schon weggezogen.»

Für Michaela Hinder ist ein Umzug in eine etwas grössere Ortschaft momentan kein Thema. «Mit dem Roller bin ich schnell in der Stadt und an meinem Arbeitsplatz in St. Gallen. Ausserdem ist es praktisch, zu Hause zu wohnen. Doch gross plane ich nicht. So wie ich mich kenne, kommt letztlich doch alles anders», sagt die junge Frau.

Wegen ihrer Naturverbundenheit sagt Michaela Hinder: «Du bisch vo St. Pelagiberg, wenn du die schöne Aussicht auf den Bodensee gesehen hast.»

Bild: MIRCO HUSER

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