Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FUSSBALL: Der Geduldsfaden wird dünner

Trainer Urs Spiri versucht, im FC Kradolf-Schönenberg-Sulgen ein Mädchenteam aufzubauen. Grosser Erfolg ist seinen Bemühungen bisher nicht beschieden. Bis Sommer gibt er dem Projekt noch Zeit.
Tobias Bolli
Dribbling um Stangen: Die Mädchen üben unter Anleitung von Trainer Urs Spiri die Ballführung. (Bild: Reto Martin)

Dribbling um Stangen: Die Mädchen üben unter Anleitung von Trainer Urs Spiri die Ballführung. (Bild: Reto Martin)

Tobias Bolli

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Die Idee wurde aus dem Bauch geboren. Weder hat sie mir jemand nahegelegt, noch bestand ein bestimmter Anlass dazu», verrät Urs Spiri, langjähriger Juniorentrainer des FC Kradolf-Schönenberg-Sulgen. Er habe gedacht, einfach mal etwas probieren und schauen, was «drin liegt». Und so hat Spiri im vergangenen Sommer die Mädchenfussballgruppe des FC KS-Sulgen ins Leben gerufen. Eigentlich hat er dafür tüchtig die Werbetrommel gerührt: 500 Flyer in der Region verteilt, regionale Schulen angeschrieben und zwei grosse Werbebanner aufgehängt. Zuletzt erschien auch im Mitteilungsblatt der Gemeinde Kradolf-Schönenberg eine Anzeige. «Mädchenfussbal sucht Verstärkung», hiess es darin.

All diese Mühen haben bis anhin wenig gefruchtet. Auch dass Spiri keine Mitgliederbei- träge verlangt, lockte niemanden hinter dem Ofen hervor. «Das Interesse ist offenbar nicht vorhanden», resümiert er. «Zunächst meldeten sich lediglich drei Mädchen; im Moment trainiere ich sieben im Alter von sechs bis neun Jahren.» Und keineswegs alle hätten im Training nur Fussball im Kopf. «Es ist einfach nicht das Gleiche wie bei den Buben», stellt Spiri fest.

Bei ihnen sei die Einstiegshürde aus irgendeinem Grund niedriger. Ob das damit zu tun hat, dass Fussball vor allem als Männersport wahrgenommen wird? «Das kann sein», sagt Spiri. «Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Fussball ein körperbetonter Sport ist und es viele Mädchen lieber weniger rau mögen.» Die mitunter aggressive Fankultur, die Hooligans und Ultras, die es immer wieder in die Schlagzeilen schaffen, taugten nicht als Erklärung, meint Spiri. «Mädchen, die ich ansprechen will, verknüpfen den Sport eher mit Szenen, die sie vom Fussballplatz in Schönenberg kennen.» Vielleicht, spekuliert der Trainer, hätten sie einfach weniger das Bedürfnis, sich auszutoben, da sie ihren Energieüberschuss anderweitig loswerden können.

Taktik spielt im Training noch keine Rolle

Das Training gestaltet Spiri möglichst altersgerecht. Es beginnt mit Fangis oder einem anderen Spiel. Danach absolvieren die Mädchen Dribblings mit dem Ball am Fuss. Auch Schusstechnik, Passspiel, koordinative Übungen und «Mätscheln» stehen auf dem Programm. Taktik könne in diesem Alter noch nicht trainiert werden. «Sie nehmen sich den Ball noch fast selber weg», sagt Spiri und lacht. Nach eineinviertel Stunden ist jeweils Schluss. Dann seien die Energietanks aufgebraucht, sagt Spiri.

Der langjährige Trainer betont, dass es beim Fussball- spielen nicht nur um die Sport- art, sondern auch um die generelle körperliche Ertüchtigung gehe. «Ich habe festgestellt, dass viele Kinder, die zu mir kommen, nicht einmal mehr einen Purzelbaum machen können.» Darüber hinaus lerne man in einer Mannschaft, gemeinsam zu gewinnen und zu verlieren, sich unterzuordnen und eine klar definierte Rolle einzunehmen. Das seien alles Dinge, von denen auch Mädchen profitieren können.

Trotz der geringen Resonanz will Spiri bis kommenden Sommer weitermachen. «Das Projekt wurde von mir von Anfang an auf ein Jahr festgelegt», führt er aus. Sollten sich bis dann keine weiteren Mädchen finden, werden die Bisherigen voraussichtlich bei den Buben mitmachen.

Hinweis

Bis zu den Osterferien findet das Training am Mittwoch, von 18 bis 19.15 Uhr, in der Turnhalle von Kradolf statt. Danach wird zur selben Zeit auf dem Fussballplatz in Schönenberg trainiert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.