Fusionitis

Kommentar Frisch rasiert, im besten Anzug und mit blank polierten Schuhen wartet der Heiratskandidat an der Grenze auf seine umworbene Nachbarin. Nein – er schickt ihr nicht mehr Blumen, er hat sich mittlerweile zur Bierhofbrücke vorgewagt.

Beatrice Schild
Merken
Drucken
Teilen

Kommentar

Frisch rasiert, im besten Anzug und mit blank polierten Schuhen wartet der Heiratskandidat an der Grenze auf seine umworbene Nachbarin. Nein – er schickt ihr nicht mehr Blumen, er hat sich mittlerweile zur Bierhofbrücke vorgewagt. Mit selbstsicherer Miene steht er hier und präsentiert seine Vorzüge. Besonders stolz ist er auf sein finanzielles Polster, das ihm manche grosszügige Geste erlaubt, die er sich noch vor kurzem nicht leisten konnte. Spezialisten bescheinigen ihm, dass er in der Lage ist, seiner Braut ein solider Partner zu sein. Zugegeben, in der Anfangsphase können zwar Umstellungskosten entstehen, aber irgendwann in ferner Zukunft kann vielleicht wieder etwas gespart werden. Nur kümmert das den Bräutigam im Moment nicht sehr. Das kann man später noch erledigen. Für ihn ist der ganze Handel so gut wie abgeschlossen: Das Familienwappen ist erstellt und der gemeinsame Name ist beschlossen. In spätestens zwei Monaten sind wir ein Paar, ist er sich sicher. Aber aufgepasst! Die Angebetete hat es nicht nötig, sich mit dem Erstbesten auf der Bierhofbrücke einzulassen. Nur weil er ihr das Blaue vom Himmel verspricht. Sie ist eine Kratzbürste, mit Haaren auf den Zähnen. Die sich nicht so einfach mit dem kursierenden Virus der Fusionitis anstecken lässt.