Funkantennen: Gesuche abgewiesen

ARBON. Drei Baugesuche für Mobilfunkantennen hat der Stadtrat abgewiesen. Einer der Netzbetreiber, Sunrise, hat bereits Rekurs angekündigt. Und wehrt sich überdies mit einer Einsprache gegen eine Planungszone.

Max Eichenberger
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Sunrise will technische Versorgungslücken eliminieren: Manfred Speckert (rechts), links Franco Berchtold, Sunrise-Center-Leiter Novaseta. (Bild: Max Eichenberger)

Sunrise will technische Versorgungslücken eliminieren: Manfred Speckert (rechts), links Franco Berchtold, Sunrise-Center-Leiter Novaseta. (Bild: Max Eichenberger)

Um gründlich und auch sachgemäss abklären zu können, welche Standorte für Mobilfunkantennen im Gemeindegebiet noch Sinn machen und genehmigungsfähig sind, hatte der Stadtrat im Juli eine Planungszone erlassen. Sie umfasst das gesamte Baugebiet, ausgenommen die Industrie- und Gewerbezonen.

Stadt will keinen Wildwuchs

Damit will die Stadt aus ortsplanerischer Sicht einem Wildwuchs vorbeugen – und für künftige Gesuche gewisse Leitplanken setzen. Auch möchte die Behörde zeigen, dass sie die gesundheitlichen Bedenken ernst nimmt, die aus der Bevölkerung gegen die Strahlung von Antennen vorgebracht werden. Man will nun mindestens drei Jahre Zeit gewinnen, um Grundlagen in die Hand zu bekommen, um die Auswirkungen von Strahlung auch beurteilen zu können.

Widerstand von Anwohnern

Aktuell lagen dem Stadtrat damals drei Gesuche von Mobilfunknetzbetreibern vor. Sowohl im Stachener Niederfeld, wo Sunrise und auch Swisscom/Orange neue UMTS-Antennen erstellen wollen, als auch im Bergli-Quartier, wo Sunrise auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses eine Antenne plant, gab es Widerstand. Im Bergli wurden in Rekordzeit 400 Unterschriften gegen das Vorhaben mitten im Wohngebiet gesammelt und dem Stadtrat eingereicht. Auch gegen die Projekte im Niederfeld gab es Einsprachen.

Sunrise: Wohnzone nicht tabu

Diese Einsprachen gegen die Antennenprojekte und UMTS-Aufrüstung hat der Stadtrat inzwischen gutgeheissen. Sunrise und – wovon auszugehen ist – auch die Konkurrenz werden den Entscheid beim Departement Bau und Umwelt des Kantons anfechten und Rekurs einlegen. «Gegen die Bauverweigerung werden wir uns wehren», kündigt Sunrise-Sprecher Manfred Speckert an.

Ebenso hat die Sunrise Communications AG ihrerseits Einsprache gegen den stadträtlichen Erlass der Planungszone erhoben. Begründung: Eine solche sei, in diesen Dimensionen, «politische Augenwischerei» und rechtswidrig, ein «Moratorium» unzulässig, verweist Speckert unter anderem auf die Rechtslage. Das Bundesgericht halte in einem wegweisenden Entscheid fest, dass ein Antennenverbot im überbauten Gebiet unvereinbar sei mit der Fernmeldegesetzgebung des Bundes. Speckert: «Wohnzone ist also nicht Mobilfunk-freie Zone.»

«Qualitative Versorgungslücke»

Auf drei bis im schlimmsten Fall für die Netzbetreiber fünf Jahre hinaus würden keine Gesuche für den Bau von Mobilfunkantennen mehr bewilligt, sollte die Planungszone tatsächlich rechtskräftig werden: «Dies würde den Ausbau des im öffentlichen Interesse stehenden Mobilfunknetzes massiv behindern», gibt Sunrise in ihrer Einsprache an den Stadtrat zu bedenken. «Wir haben in Arbon qualitative Versorgungslücken», betont Speckert.

UMTS weltweit Standard

Die UMTS-Technologie sei heute «der aktuell gültige weltweite Standard»; den bräuchten die Anbieter, «um konkurrenzfähige Produkte anbieten zu können». Zudem gebe das Handy über das leistungsregulierte UMTS weniger Strahlung ab (0,25 Watt) als mit der herkömmlichen 20jährigen GSM-Technologie (2,0). «Mehr Leistung – weniger Belastung», betont Speckert.

Und er relativiert die latenten Ängste bezüglich Strahlungsbelastung noch mit einem anderen Vergleich: «Einen Monat lang in 50 Metern Entfernung einer UMTS-Antenne ausgesetzt, bekommt man gleich viel Strahlung ab wie bei einem dreiminütigen Telefon mit dem Handy am Ohr.» Zudem sei die Gesamtbelastung, die unter den Gefährdungs- und Abgabegrenzwerten lägen, bei einem harmonisierten Netz geringer. Bei kürzeren Distanzen ergebe sich dieser Effekt: Je mehr Antennen näher beim Kunden sind, je geringer ist die abgehende Strahlung. «Das ist wie mit dem Licht, um einen Platz zu beleuchten: je weiter die Scheinwerfer entfernt sind, je grösser muss deren Leistung sein.»

An einen Tisch

«Wenn wir daran gehen, eine Positiv- und Negativplanung zu machen, werden wir dies logischerweise in sachlichen Diskussionen mit den Anbietern zusammen tun, um auch deren Bedürfnisse kennenzulernen», sagt Stadtammann Martin Klöti. Und räumt ein: «Diese Leute bringen viel Know-how mit.» Diesen Ball nimmt Speckert auf: «Wir setzen auch lieber auf Kooperation statt Konfrontation – und bringen unsere sachlichen Erwägungen ein.»

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