Für ihn sind USA der heilige Gral

Der Romanshorner Carlo Ribaux lebt in L.A. und macht dort als Schlagzeuger Karriere. Das ist harte Arbeit. Doch der 26Jährige hat bereits mit dem Produzenten von U2 zusammengearbeitet.

Michèle Vaterlaus
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Carlo Ribaux widmet sein Leben der Musik. (Bild: pd)

Carlo Ribaux widmet sein Leben der Musik. (Bild: pd)

ROMANSHORN. «Carlo, du hast eine tolle rechte Hand und ein phantastisches Timing.» Das sagt Jack Joseph Puig über Carlo Ribaux. Puig ist ein Musikproduzent, der schon mit den Rolling Stones und U2 zusammengearbeitet hat. Ribaux ist ein Romanshorner, der in L.A. als Schlagzeuger Karriere macht. «Für viele Musiker sind die USA wie der heilige Gral», sagt der 26-Jährige. «Ich bin hergekommen, weil ich das Gefühl hatte, hier die Wahrheit über die Musik zu finden.»

Es klingt, als ob Carlo Ribaux aktuell seinen eigenen amerikanischen Traum verwirklicht. Doch in Tat und Wahrheit ist es harte Arbeit. «Es verlangt viel Dedication, also Einsatz und Leidenschaft», sagt er. Für den Schritt, in die USA auszuwandern und sein Glück zu versuchen, habe er sich schliesslich nicht an einem Samstagnachmittag entschieden.

Abschluss mit Auszeichnung

Zuerst begann er in St. Gallen mit der Jazzschule, später setzte er sein Studium in Zürich fort, und 2009 reiste er in die USA, um in Boston am Berklee College of Music zu studieren. «Ich musste dafür Stipendien auftreiben. Das Studium in den USA ist teuer. Ich wusste zu Beginn nicht, ob ich finanziell durchkomme.» Ein Semester koste an dieser Schule rund 18 000 Franken – in der Schweiz sind es je nachdem 700 Franken. Doch es hat geklappt. Ribaux hat seinen Abschluss mit Summa Cum Laude gemacht.

Damit fing die Arbeit aber erst an. Der Romanshorner verdient seinen Lebensunterhalt in L.A. als freier Schlagzeuger. Das bedeutet: Viel Networking, Kontakte knüpfen, Parties und Events besuchen. «Ich mag die Networking-Parties nicht so. Sie sind steif.» Viel lieber habe er es, wenn Freunde zum Barbecue einladen und andere Freunde kommen und man so potenzielle Arbeitgeber kennen lerne. Potenzielle Arbeitgeber sind beispielsweise Sänger. Ribaux erklärt: «Madonna hat keine eigene Band, Sänger, Tänzer etc. Also stellt sie alle für eine Tour oder eine Albumaufnahme an.» Auf diese Art und Weise werde auch er engagiert. «Wenn auch nicht von Madonna.» Vorwiegend arbeite er mit Upcoming Artists zusammen – aber auch mit Leuten wie Gingger Shankar, von der bekannten Shankar-Familie. «Hie und da unterrichte ich auch.» Aber das will er nicht hauptberuflich tun. «Ich bin jung und frisch, ich will reisen und verschiedene Musikstile ausprobieren.»

Es reicht zum Leben

Kommt er so an genug Engagements, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? «Das ist eine typisch schweizerische Frage», sagt Ribaux und lacht. «Die würde man hier nie stellen. Aber es reicht.» Nicht nur das, vieles mehr sei anders in L.A. «Hier brauche ich ein Auto. Der ÖV ist nicht so gut erschlossen wie in Romanshorn», sagt er. «Das ist anstrengend.» Fahre man zur falschen Zeit los, brauche man für einen Weg von üblicherweise 20 Minuten gut mal eine Stunde. Es sei darum üblich, dass Leute sich zu Verabredungen verspäten. Auch das Wasser könne man nicht vom Hahn trinken. «Es muss gefiltert werden.» Damit kann er leben, sagt er.

Doch manches fehlt ihm in Übersee auch, vor allem seine Familie und Freunde. Er hat zwar auch Freunde in den USA gefunden und er wohnt in einer WG mit der Band Zibbz – bekannt vom Jugendfernsehsender Joiz. «Aber sie sind oft in der Schweiz», sagt Ribaux. Ansonsten fehle ihm nur der Migros-Eistee, fügt er lachend an.

An Weihnachten kommt er voraussichtlich wieder in den Genuss dieses Eistees. Dann will er nämlich seine Familie in Romanshorn besuchen. Für nächstes Jahr hat er sogar vor, mit seiner eigenen Band WASI in der Schweiz auf Tournée zu gehen. Ob es klappt, stehe aber noch in den Sternen. In seiner eigenen Band könne er sich musikalisch austoben. «Da muss ich nicht spielen, was meine Arbeitgeber wollen.»

Die Suche geht weiter

Hat er nun in den USA die Wahrheit über die Musik gefunden? «Bis zu einem gewissen Grad hat das geklappt», sagt Ribaux. Die Musikszene sei hier grösser, viel mehr Menschen hören Musik, vor allem Livemusik. Aber die Suche geht für ihn weiter, und weil er sich in L.A. wohl fühlt, will er noch eine Weile dort bleiben. «Ich hoffe jetzt, dass mein Visum verlängert wird.»