Fünfhunderter-Marke geknackt

Sommeri hat so viele Einwohner wie noch nie. Weil kaum Baulandreserven bestehen, hält sich das Wachstum aber in Grenzen. Neben Einzonungen prüft die Gemeinde einen Wärmeverbund sowie einen Anschluss an das Reservoir Ottenberg.

Roger Häni
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Statt Verlorengegangenem nachzutrauern hebt Silvia Schwyter die Vorzüge Sommeris hervor.

Statt Verlorengegangenem nachzutrauern hebt Silvia Schwyter die Vorzüge Sommeris hervor.

Sommeri. Waren es vor einem Jahr noch 497, so sind heute in Sommeri 511 Personen als Einwohner gemeldet. «Nachdem wir lange um die Fünfhunderter-Marke herumturnten, haben wir den Sprung jetzt wohl geschafft», meint Gemeindeammann Silvia Schwyter zur Entwicklung der Bevölkerungszahl. Das Wachstum solle aber auch in Zukunft im Rahmen und Sommeri eine ruhige Landgemeinde bleiben, so Schwyter, die ihre bis 2011 dauernde Amtszeit fertig machen möchte. 2008 entstand zwar mehr neuer Wohnraum als in anderen Jahren, doch neigen sich die Baulandreserven dem Ende zu. «Wir befassen uns schon seit längerer Zeit mit einer Einzonung», sagt Silvia Schwyter. Eine baldige Lösung des Problems zeichne sich ab. Sommeri sei ein begehrter Wohnort, das zeige sich durch die vielen Anfragen von auswärts. Weil immer weniger Leute immer mehr Wohnraum beanspruchten, sei eine massive Bevölkerungszunahme aber unrealistisch.

Druckprobleme bald gelöst?

Immer realistischer wird hingegen ein Wärmeverbund im Bereich der Hauptstrasse zusammen mit einem Contractor. Käserei, Schule, Industriebetriebe, Kirche und Private seien an einer Beteiligung interessiert, erklärt Silvia Schwyter. Der Bau eines Wärmeverbunds müsse jedoch mit der fälligen Sanierung der Wasserversorgung koordiniert werden. Die Arbeiten seien möglichst im gleichen Zug durchzuführen. A propos Wasserversorgung: Seit jeher ist der Leitungsdruck in Sommeri niedrig. Der Gemeinderat denkt deshalb über einen Anschluss an die Wasserversorgung Thurtal-Bodensee – geplant ist ein neues Hochreservoir auf dem Ottenberg – nach. «Damit wären unsere Druckprobleme gelöst», sagt Silvia Schwyter.

Feuerwehrverbund als Ziel

Aufgegeben hat Sommeri seine schulische Eigenständigkeit. Bevor das kleine Dorf am 1. Januar 2009 Teil der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri wurde, hatte die Politische Gemeinde der Primarschulgemeinde für 675 000 Franken die Immobilie Rugglihaus abgekauft. Zu klein ist Sommeri heute auch für eine komplett eigenständige Feuerwehr. «Es ist schwierig, die verschiedenen Kaderstellen zu besetzen und interessante Übungen zu organisieren.» Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Hefenhofen sei deshalb 2008 intensiviert worden. Als Ziel nennt Silvia Schwyter einen Feuerwehrverbund.

Dass die Bildungsstätte Sommeri im vergangenen Jahr in Hefenhofen und nicht vor Ort expandiert hat, hänge mit den in Hefenhofen bereits vorhandenen Gebäulichkeiten zusammen. «Eine Erweiterung in Sommeri wäre vom Platz her schwierig gewesen.» Verwaltung, Wohnbereich und Berufsschule der Bildungsstätte seien aber unverändert in Sommeri stationiert. «Die Bewohner schätzen es, zum Arbeiten aus dem <Heimbetrieb> der Bildungsstätte hinaus in die <Arbeitswelt> zu treten», weiss Schwyter. Das sei gut für ihr Selbstwertgefühl.

Gleich drei Coiffeure

Als die Schweizerische Post letztes Jahr ihre Briefeinwürfe erneuerte, war auch Sommeri betroffen. Der Standort Obersommeri (Hauptstrasse 59) wurde aufgegeben. Mit weniger als 20 Einwürfen pro Woche sei dieser als nicht rentabel eingestuft worden, erklärt Silvia Schwyter. Als positiv bezeichnet sie jedoch, dass der Briefeinwurf in Niedersommeri, welcher von der ehemaligen Post zur Rabatte vor der Gemeindeverwaltung wechselte, jetzt grösser ist. Auch der mit der Schliessung der Poststelle eingeführte Hausservice der Post funktioniere gut. «Er bringt uns viel mehr als eine Poststelle mit sehr eingeschränkten Öffnungszeiten.»

Die Frau Gemeindeammann von Sommeri findet es schade, dass immer davon gesprochen wird, was in der Gemeinde verlorengeht. «Dabei haben wir doch noch so einiges.» Schwyter meint unter anderem die Kirche, mehrere Restaurants mit Sälen und ein sich gut entwickelndes Industriegebiet/Kleingewerbe. «In Sommeri gibt es mittlerweile gleich drei Coiffeure und ein Nagelstudio», erwähnt sie. Auch das Kulturangebot könne sich sehen lassen. Mehrere Kunstschaffende seien in Sommeri ansässig, darunter auch Clown Olli Hauenstein, und junge Sportler aus der Gemeinde machten auf sich aufmerksam.

Längerfristig ein Kreisel

Bestreben Sommeris bleibt es, möglichst viel für die Verkehrssicherheit zu machen. Eine Tempo-30-Zone auf der Hefenhoferstrasse oder ein Kreisel bei der nicht ungefährlichen Grünau-Kreuzung – jetzt fährt man mit 80 auf einen Stop zu – seien Ziele für die Zukunft. «Dann hätten auch wir unseren Kreisel», schmunzelt Silvia Schwyter. Ein Versprechen des Kantons liege aber noch nicht vor. Um eine Verlangsamung des motorisierten Verkehrs und damit mehr Sicherheit für Schüler zu erreichen, wurden 2008 an manchen Kreuzungen mit Rechtsvortritt Bodenmarkierungen angebracht. Und als kleines Erfolgserlebnis bezeichnet Schwyter, dass auf der Hauptstrasse jetzt durchgehend Tempo 50 gilt. Das gute öV-Angebot mit Bus und Ruftaxi blieb Sommeri mit dem Fahrplanwechsel im Dezember erhalten.

Defizit wäre verkraftbar

Im letzten Monat des Jahres 2008 wurde auch eine erneute Steuerfusssenkung beschlossen. Diesmal von 71 auf 69 Prozent. Silvia Schwyter ist gespannt, was mit der Flat Rate Tax geschieht. Bei einer kantonalen Einführung rechnet sie mit acht Prozent weniger Steuereinnahmen für die Gemeinde Sommeri. Ist die erneute Steuerfusssenkung also nicht gefährlich? Schwyter winkt ab: «Wir haben noch Eigenkapital und können auch einmal ein Jahr mit einem Defizit verkraften.»

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